29. März 2012, 19:18 Uhr

Die Asklepios-Klinik in Lich steckt in der Krise

Lich (us). Schlechte Zahlen und ein vergiftetes Betriebsklima: Die Asklepios-Klinik Lich steckt in der Krise. Eine Mitarbeiterversammlung, in der Geschäftsführerin Petra Kempf die Beschäftigten am Mittwoch über die wirtschaftliche Situation informierte, kochte der Frust hoch.
29. März 2012, 19:18 Uhr
Asklepios-Klinik Lich. (Foto: us)

Der Betriebsrat wirft der Geschäftsführerin vor, die Mitarbeiter durch eine übertrieben negative Darstellung der Lage und einen rüden Umgangston zu verunsichern und so dem Haus nachhaltig zu schaden. Kempf wiederum betont, dass der Fortbestand der Klinik nicht in Frage stehe. Sie sei zuversichtlich, das Haus wieder auf Vordermann bringen zu können.

Die Asklepios-Klinik Lich hat im vergangenen Jahr im operativen Geschäft ein Defizit eingefahren. Nach Aussagen von Geschäftsführerin Petra Kempf sind auch die Zahlen für die Monate Januar und Februar 2012 unbefriedigend ausgefallen. Wenn sich daran nichts ändere, drohe zum Jahresende ein Millionendefizit.

Am Mittwoch hat Kempf die Mitarbeiter in einer Versammlung über die wirtschaftliche Situation des Hauses informiert. Weil dabei auch das Wort »Schließung« gefallen ist, sind die Beschäftigten nun in Sorge um ihre Arbeitsplätze. Unbegründet, wie die Geschäftsführerin sagt. Sie habe lediglich klarmachen wollen, dass sich etwas ändern muss und im Konjunktiv gesprochen: Wenn die Zahlen so blieben, müsste man irgendwann dicht machen. De facto aber stehe der Fortbestand des Hauses nicht in Frage.

Es gebe ein medizinisches Konzept, und Gesellschafter Dr. Broermann habe soeben erst 850 000 Euro für Umbaumaßnahmen bewilligt, mit denen die Renovierung des dritten Stocks vorbereitet werden soll. Diese könnte im Herbst beginnen, wenn der Bewilligungsbescheid des Landes vorliegt.

Profitabel oder nicht?

Laut Kempf hatte die Klinik in den Jahren bis 2010 im operativen Geschäft stets einen Gewinn erwirtschaftet. Unterm Strich aber habe der Asklepios-Konzern seit 2005 stets zuschießen müssen, weil die Einnahmen nicht hoch genug gewesen seien, um die umfangreichen Investitionen zu finanzieren. 2011 wurde die Bilanz zusätzlich durch einen Rechtsstreit und einen Vergleich in siebenstelliger Größenordnung belastet. Dieser Vorgang sei bei der Bewertung der wirtschaftlichen Lage aber schon herausgerechnet worden, sagt die Geschäftsführerin.

Der Betriebsrat bewertet die Lage anders. Nach testierten Wirtschaftsplänen sei die Klinik bis 2010 hoch profitabel gewesen und habe jährlich einen Gewinn an den Konzern abgeführt. Die Geschäftsführerin aber stelle die Lage extrem schlecht dar und erzeuge damit ein Klima der Angst. Das sei momentan aber genau das Falsche. Um den Trend umzukehren, müsse im Haus wieder ein vernünftiger Umgangston einkehren.

Das Klima habe sich unter Kempf dramatisch verschlechtert. Alle Hierarchien und Berufsgruppen habe die neue Geschäftsführerin, die seit dem 1. Februar tätig ist, gegen sich aufgebracht. Wie Betriebsratsvorsitzender Bernd Fischer, dessen Stellvertreter Hans-Georg Volk und das teilfreigestellte Betriebsratsmitglied Dino Asmus berichteten, habe man sich daher durchgerungen, Politik und Öffentlichkeit auf die Probleme aufmerksam aufmerksam zu machen. Die extreme Frustration der Mitarbeiter habe sich nämlich herumgesprochen. Das schade dem Ruf des Hauses. Man müsse deshalb die Notbremse ziehen, meint der Betriebsrat und hat die Verantwortlichen des Landkreises, die heimischen Bundes- und Landtagsabgeordneten und den Licher Bürgermeister über seine Sicht der Dinge informiert.

Die Mitarbeiter-Vertreter vermissen bei Kempf ein schlüssiges Konzept zur Weiterentwicklung der Klinik. So drohe aktuell in der Radiologie ein akutes Problem. Weil dort der Chefarzt, Inhaber einer Kassenzulassung, nun doch eher als erwartet in den Ruhestand gehe, könne man künftig selbst bei adäquater Nachbesetzung weder die ambulante radiologische Versorgung erbringen noch den essenziellen Status als zertifiziertes Brustzentrum aufrecht erhalten.

Kempf selbst beschreibt ihren Führungsstil als »sehr offen und transparent«. Aber transparent eben auch, wenn es Unangenehmes zu verkünden gebe. Die Nachfolge für die Radiologie sei geregelt, und auch für die Chirurgie – dort scheidet Anfang 2013 ebenfalls der Chefarzt aus – stehe das Konzept. Dort wolle man zwei Schwerpunkte in der Bauchchirurgie und der Unfallchirurgie vor allem bei Wirbelsäulenverletzungen setzen.

Damit das Haus wieder wirtschaftlich arbeiten könne, muss laut Kempf der CMI wieder steigen, der Case Mix Index. Auf gut Deutsch: Die Licher Klinik, die aktuell zu 70 Prozent Notfall-Patienten behandelt, braucht wieder mehr Patienten mit geplanten großen operativen Eingriffen. Kempf ist zuversichtlich, dass »wir das Haus wieder hochkriegen«. Das gehe aber nur mit dem Einsatz aller Mitarbeiter, mit freundlichem, zugewandten Pflegepersonal und Medizinern, die sich verstärkt in die Patientenakquise einbringen und die Vorzüge des Hauses herausstellen.

Der Betriebsrat und auch andere Mitarbeiter aber zweifeln daran, dass diese Ziele mit der Geschäftsführerin zu erreichen sind. So sagt einer, der nicht genannt werden will: »Das Problem heißt Kempf!«

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