24. April 2012, 09:18 Uhr

Damit aus wissbegierigen Raupen Schmetterlinge werden

Lich (sha). »Lebenslanges Lernen« sei das Kernanliegen der Grundtvig-Lernpartnerschaft, erläuterte Prof. Marianne Friese am Montag in der Kreisvolkshochschule Lich.
24. April 2012, 09:18 Uhr
Voneinander lernen, miteinander essen: Teilnehmer des Grundtvig-Projektes mit Prof. Marianne Friese (stehend) stärkten sich in der Licher Kreisvolkshochschule mit Frankfurter Grüner Soße. (Foto: sha)

Die Dozentin für Berufspädagogik und Arbeitslehre an der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen führte aus, dass an dem zweijährigen Projekt – finanziert aus Mitteln der Europäischen Kommission – neben Deutschland auch Polen und die Niederlande teilnehmen, um den Prozess der Erwachsenenbildung weiter zu erforschen und sich über die Ergebnisse und Erfahrungen zu informieren.

Drei Länder, ein Ziel

Das Arbeitstreffen am Montag in Lich und am heutigen Dienstag an der Gießener Universität ist bereits das vierte Treffen, das im Rahmen des aktuellen Projekts stattfindet. Zuvor hatten sich die Teilnehmer aller drei Länder schon in den Niederlanden und in Polen getroffen. Bis zum Projektabschluss im Juli werden zwei weitere gemeinsame Tagungen folgen.

In allen drei Fällen soll zwar der Prozess der Erwachsenenbildung erforscht werden, aber Projektteilnehmer und deren Interessen unterschieden sich in den einzelnen Ländern deutlich voneinander, berichtete Dr. Bettina Siecke, Koordinatorin der Grundtvig-Lernpartnerschaft an der JLU. An der Universität von Lodz (Polen) hätten die Projektpartner eine »Zukunftswerkstatt« eingerichtet, in der sich Senioren kulturell weiterbilden könnten, um im Alter geistig aktiv zu bleiben, schilderte Siecke.

Der Einsatz in den Niederlanden ziele hingegen auf ein Gesundheits- und Sicherheitstraining, in dem Lkw-Fahrer, die Gefahrgut oder Lebensmittel transportieren, ihren beruflichen Anforderungen entsprechend geschult würden. Mit dieser Aufgabe befasst ist ein niederländischer Bildungsträger aus Utrecht. Dessen Vertreter betonten am Montag in Lich, dass Lkw-Fahrer heutzutage nicht mehr einfach Güter von einem Ort an den anderen transportieren könnten, sondern sich spezielle Verhaltensweisen aneignen müssten, um im Bedarfsfall richtig reagieren zu können.

Für die deutschen Projektpartner schilderte Siecke, dass in Kooperation mit dem Zentrum Arbeit und Umwelt Gießen (ZAUG) versucht werde, Müttern nach deren Familienpause wieder den Berufseinstieg zu erleichtern. Diese Frauen könnten unter anderem an Bewerbungstrainings oder EDV-Kursen teilnehmen.

In allen drei Projektgruppen stünden die »Lerner« im Vordergrund und es gelte, die »Prozesse der Veränderung«, die durch das Lernen bedingt würden, zu dokumentieren und zu vergleichen. Die Ergebnisse des Projekts aus den drei Ländern sollen in einer Broschüre veröffentlicht werden, kündigte Siecke an.

Ausflug zum Limes

Prof. Friese ergänzte, dass die erwachsenen Lerner die einzelnen Entwicklungsstadien eines Schmetterlings durchliefen: Zunächst seien die Teilnehmer wie wissbegierige Raupen, die sich neue Kompetenzen und Fertigkeiten aneigneten. Ausgestattet mit diesem neuen Wissen würde – ähnlich dem Prozess der Verpuppung – eine Veränderung bewirkt. Am Ende der Entwicklung stehe der Schmetterling, der über neue Möglichkeiten verfüge, sein Leben zu gestalten.

Nachdem sich die Projektteilnehmer mit hessischen und polnischen Spezialitäten gestärkt hatten, besuchten sie das Limes-Informationszentrum Hof Grass in Hungen. Die Leiterin der Kreisvolkshochschule, Dr. Marieanne Ebsen-Lenz, betonte, dass sich bei den Lernerfahrungen mit dem Limes-Projekt zeige, wie erwachsene Kursteilnehmer dort Impulse setzen könnten. Die Volkshochschule blickt auf zehnjährige Lehr- und Lernerfahrungen mit dem Limesprojekt zurück.



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