27. September 2012, 15:53 Uhr

Caro Josée genoss Licher »Heimspiel« in vollen Zügen

Lich/Gießen (kdw). Es hatte Züge eines Klassentreffens, als die Jazzsängerin Caro Josée, in Gießen geboren als José Caro Tollenaar, am Mittwoch im Kino »Traumstern« ihre aktuelle CD vorstellte. Viele Freunde und Weggefährten verfolgten in bester Stimmung ihr Programm »Turning Point«, und auch ihre ganz vorzügliche Band hatte am Gelingen des Abends maßgeblichen Anteil.
27. September 2012, 15:53 Uhr

Nach einer Zeit des Familienlebens meldet sich Caro, so nannte sie sich damals, im Musikleben zurück. Dort war sie nicht unauffällig und keinesfalls erfolglos gestartet, wurde 1978 mit dem Deutschen Schallplattenpreis als nationale Pop-Nachwuchskünstlerin ausgezeichnet und hat seit 1977 sieben Alben vorgelegt. Ihre neueste Arbeit, das zeigt der Abend, streift quer durch die Genres.

Höchst erfreutes Publikum

Im Prinzip geht es um kraftvoll emotionalen Blues (»No stars in my sky«) und Jazz, angereichert mit einem tragenden Gypsy-Swing-Element. Das zeigte sich im Opener »La terrazza«, einem überzeugenden sanften Gypsyswinger. Supersanft wurde der Abschluss des ersten Sets musiziert: Bei Caros Version des Klassikers »It’s impossible« zeigte die Band ihre Klasse. Überhaupt bewiesen Enno Dugnus (Piano), Gerold Donker, (Kontrabass), Patrick Pagels (Gitarre), Julien Kravetz (Schlagzeug), und nicht zuletzt Martin Scheffler (Gitarre), dass sie weit oben auf professionellem Niveau zu Hause sind. Die Geschlossenheit war bestens, und am zarten bis kräftigen Ausdruck gab es nichts zu meckern. Das Material, das Caro teils mit Pagels gemeinsam schrieb, ist eine abwechslungsreiche Mischung und überwiegend hörenswert.

Die 54-Jährige konnte im Publikum einige Bekannte aus ihrer Vergangenheit begrüßen, schweifte in den Moderationen großzügig anekdotisch ab, was mithin unterhaltsam war. Nur die gelegentlich durchdringenden Lebenserfahrungen und Weisheiten passten so nicht ganz. Ihre Stimme, mit der sie wunderbar grooven kann, und in der bei Bedarf eine definitiv schwarze, soulige Rauheit mitschwingt, erwies sich jedoch als allen Anforderungen gewachsen.

Nach dem ordentlichen Start lief es im zweiten Teil wie von selbst, und mit »Cocomo« war gleich ein Glanzlicht zu verzeichnen. Der Titel war gut gesungen, vor allem jedoch war er überragend begleitet. Auch mit ihrer Hommage an Django Reinhard (»Mr. Django«) gelang Caro ein Treffer mit einer perfekt entspannten Begleitung, die dennoch cool und intensiv war. Laid-back eben.

Pagels zeigte sich da nicht zum ersten Mal als hervorragender Gypsyfachmann, der traumhaft sicher und vor allem einfallsreich in den swingenden Klangwelten zu operieren wusste. Auch Schlagzeuger Kravetz fiel durch originelle und traumhaft sicher groovende Arbeit auf: nur Musik, sonst nichts. Ganz ausgezeichnet auch der perfekt gespielte Countryshuffle »Don’t ever make me cry« – genau auf den Punkt.

Gitarrist Martin Scheffler (Caro: »Mein Therapeut, mein Begleiter, mein Produzent«), der neben Pagels Sintigefühl als vorzüglicher Begleiter mit souveräner Blueskompetenz herausragte, setzte sein persönliches solistisches Glanzlicht mit dem Bluessolo in »It’s all over«. Da hätte der große, alte Blueskönig B.B. King sehr wohlwollend geschaut, so stilgetreu und doch originell wandelte Scheffler auf den Spuren des Meisters und machte den auch ansonsten allseits gelungenen Titel zu einem sehr angenehmen Musikerlebnis.

Caro und Band fanden im zweiten Set zu deutlich besserer Leistung, woraufhin man ein rundum gelungenes Konzert verzeichnen konnte, fand auch das höchst erfreute Publikum.

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