13. März 2011, 22:30 Uhr

Bücherparadies und Ort der Kommunikation

Lich (mlu). Wie groß Ungeduld und Erwartungen zuletzt gewesen waren, spiegelte sich im großen Andrang wider, der am Sonntagmittag im künftigen Bürgerbüro Lich anlässlich des Eröffnungsfestaktes der neuen Stadtbibliothek herrschte.
13. März 2011, 22:30 Uhr
Architekt Berchtold Büxel (links) übergibt Bürgermeister Bernd Klein den Schlüssel.

So waren es nicht wenige, die die zahlreichen Worte des Dankes und der Würdigung, die Bürgermeister Bernd Klein ob der großen gemeinsamen Anstrengung in viele verschiedene Richtungen sandte, stehend vernahmen. Von einem »Meilenstein in der Entwicklung des Stadtmarketings« sprach Klein angesichts des neu begründeten Ensembles von Bürgerbüro, Touristeninformation und Stadtbibliothek zwischen den historischen Bauten des Stadtturms, der Marienstiftskirche und des Textorhauses mit Heimatmuseum.

Im Namen der »Nassauischen Heimstätte« betonte Monika Fontaine-Kretschmer, dass es dem Sanierungsträger wichtig gewesen war, einen öffentlichen Raum zu schaffen und würdigte das »außergewöhnliche« und »konstante bürgerschaftliche Engagement«, durch das die Errichtung und fürderhin der Betrieb des Medienzentrums erst möglich geworden sei. Nachdem Staatsminister Dr. Helge Braun im Zuge seines Grußwortes bereits in Form einer Bücherspende Anschubhilfe geleistet hatte, überreichte auch Fontaine-Kretschmer der Vorsitzenden des Bibliotheksfördervereins, Dr. Sibylle Starzacher, einen Scheck in Höhe von 500 Euro.

Starzachers Dank galt einerseits den zahlreichen Sponsoren, andererseits aber der Bibliothekarin Anne Dietz, die sich ungeachtet vertraglicher Gehaltsmodalitäten dem Aufbau der Stadtbibliothek hingebungsvoll befördert hat. »Es ist ein Glücksfall, sie als kompetente Fachkraft bei uns zu haben«, so Starzacher. Noch einmal hob sie hervor, dass die neue Einrichtung im Stadtzentrum vor allem auch als »Ort der Kommunikation« und als »Forum für kulturelle Veranstaltungen« konzipiert sei. Später am Abend sollte der Schriftsteller Ingo Schulze die erste Autorenlesung im neuen »Bücherparadies« abhalten, wie es Alexander Budjin von der Hessischen Fachstelle für öffentliche Bibliotheken in seinem Grußwort mit einem Zitat von Jorge Luis Borges ausdrückte.

Paradiesische Zeiten für Lich also, denen Professor Wolfhard Kluge in seinem Festvortrag entgegen blickte, indem er über den demokratischen Impuls nachdachte, den die Erfindung des Buchdrucks zu Beginn der Frühen Neuzeit ausgelöst hatte. Er erinnerte an den preußischen Pädagogen Friedrich Eberhard von Rochow, der 1776 mit dem »Kinderfreund« eines der ersten modernen Schulbücher verfasst hatte, was seitens der staatlichen Obrigkeit durchaus nicht ohne Vorbehalte beobachtet worden sei, insofern lesende Menschen die unbequemeren »Untertanen« seien, was mitunter noch heute gelte. Humorvoll bedachte er nicht nur die hehren Qualitäten des Lesens, sondern auch seine weitaus profaneren: phantasievolle Unterhaltung, geistreiche Zerstreuung, Trost und - wenngleich nicht unumstritten - auch schönen Eskapismus. Mit den Worten »Ein Hoch auf die Bücher - ein Hoch auf diese Bibliothek!«, schloss er seine kurzweilige Rede.

Abschließend rekapitulierte der Architekt Berchtold Büxel die Entstehungsgeschichte des Gebäudes seit den Planungsgesprächen in 2007. Ein »offenes, helles und einladendes Gebäude« hatte es werden sollen. Heute kann man sagen: Es ist gelungen. Und ehe Büxel dem Bürgermeister der Stadt symbolisch den Schlüssel des Hauses überreichte, übergab er Sibylle Starzacher ein besonderes Geschenk, auf das man im Zuge der Bauarbeiten gestoßen war: eine Schiefertafel aus dem Jahr 1836. Dass die in Kurrentschrift eingravierten Worte einstweilen ein Geheimnis blieben, eignete - obschon unfreiwillig - eine sinnfällige Symbolik. Denn eine Bibliothek, die bald 14 000 Medien bereithalten wird, erschließt sich dem Neugierigen nicht auf einen Blick. Oder, um es frei nach Arthur Schopenhauer zu sagen: Erst durch die Rumination, also das Widerkäuen, wird man sich das Gelesene erschließen und aneignen, so wie die Speisen nicht durch das Essen, sondern durch die Verdauung uns ernähren. In diesem Sinne allen Lichern fortan einen gesegneten Appetit.

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