14. August 2008, 17:48 Uhr

»Auf der Leinwand ist die Wirkung noch besser«

Lich/Gießen (dak). Schüler der Martin-Buber-Schule in Gießen haben Trickbox-Kurzfilme gedreht und sie nun ihren Mitschülern im Kino "Traumstern" auf der großen Leinwand gezeigt.
14. August 2008, 17:48 Uhr
Nach der erfolgreichen Filmaufführung kamen alle »Regisseure« zu einem Gruppenbild zusammen. Mit dabei Brigitte Salinger, Inge Wennemuth, Sandra Hoffmann, Wilhelm Behle und Julia Bunge. (Foto: dak)

Ein leises Raunen ging durch die Reihen, als die roten Vorhänge langsam zur Seite glitten und die große Leinwand des Kinos freigaben. Zwar kannten die Jugendlichen der Gießener Martin-Buber-Schule die beiden Kurzfilme ihrer Klassenkameraden bereits, aber um sie auf einer richtigen Kinoleinwand bewundern zu können, hatten sich gestern Vormittag alle Beteiligten im »Traumstern« in Lich eingefunden. »Auf einer Kinoleinwand wirken die Filme noch sehr viel besser«, erklärte Sandra Hoffmann, Leiterin des Projekts »Trickbox-Filme«. Und sie hatte Recht, alle Zuschauer waren von der Vorführung der Kurzfilme begeistert.

Insgesamt eine Woche hatten die zwei Klassen der Förderschule jeweils für die Erstellung ihres Filmes mit Hilfe der Trickbox gebraucht und das, obwohl alle wichtigen Materialen schon vorher angefertigt wurden.

Wieviel Arbeit in fünf Minuten Film steckt, wurde deutlich, als Brigitte Salinger und Inge Wennemuth berichteten, dass alles Material - Bilder, Puppen, Landschaften - in mühsamer Handarbeit selbst hergestellt und gemalt wurde. Außer dem digitalen Schnitt, den am Ende die Diplom-Pädagogin Sandra Hoffmann macht, ist alles andere von den Schülern. Sie überlegten sich ein Thema, und auch alle weiteren Ideen waren von den Jugendlichen.

Mit der Trickbox hat man die Möglichkeit, gleichzeitig zum Regisseur, Requisiteur und Drehbuchautor zu werden. »Einen Trickbox-Film kann man sich als digitales Daumenkino vorstellen«, erläuterte Hoffmann. Dabei werden zum Beispiel Figuren unter eine Digitalkamera gelegt, die Szene wird fotografiert, dann verändert und wieder fotografiert. Acht Bilder ergeben später bei der Widergabe eine Sekunde Film. Bei solch einer Produktion lernen die 16- bis 19-jährigen nicht nur das Prinzip »Film« kennen, sie können sich auch kreativ entfalten und üben sich nebenher in Teamarbeit. Ale Aufgaben werden vorher besprochen und verteilt, so dass jeder Schüler in den Prozeß des Filmemachens involviert sind. »Alle waren mit so viel Spaß bei der Sache, es war gar nicht nötig, noch zusätzlich zu motivieren«, beschrieb Hoffmann die Zusammenarbeit mit den teilweise geistig oder körperlich behinderten Kindern.

Die acht Jugendlichen aus der Klasse von Inge Wennemuth hatten sich in ihrem Film »Kunst aus der Schule« dem italienischen Künstler Giuseppe Arcimboldo gewidmet. Neben verschiedenen Bildern des Malers aus dem 16. Jahrhundert waren auch immer wieder Szenen zu sehen, in denen die Schüler zwischendurch von seinem Leben und Schaffen berichteten. In Anlehnung an seine Kunst stellten sie ebenfalls Gesichter aus Gemüse und Obst her, die sie in Trickbox-Manier ablichteten und in den Film integrierten.

Den Titel der Wise Guys »Wo der Pfeffer wächst« hatten sich sieben Schüler von Brigitte Salinger ausgesucht. Passend zum Text hatten sie bunte und abwechslungsreiche Bilder gestaltet, die als Kulissen für zwei Anziehpuppen aus Papier dienten. Da dieser Kurzfilm musikalisch gut in den Rahmen des Kinofestes passt, wird er am 6. September, zum 25-jährigen Bestehen des »Traumsterns,« gezeigt. Im Anschluss an jeden Film holte Sandra Hoffmann die Jugendlichen auf die Bühne, die sich über den Applaus ihrer Mitschüler sehr freuten.

»Dieses Projekt ist momentan einzigartig und wird finanziert von der hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien«, erläuterte Wilhelm Behle, Leiter des Offenen Kanals Gießen. Die finanziellen Mittel zur Förderung der Medienarbeit, beantragt der Offene Kanal beim LPR, für die Einrichtungen sind diese Projekte umsonst.

Da die Filmprojekte in Zusammenarbeit mit dem Offenen Kanal Gießen gestaltet werden, sind die Streifen auch dort im Fernsehen zu bewundern. Außerdem laufen sie als Kurzfilme im Kinderkino, die Jugendlichen, die an der Produktion beteilgt waren dürfen dann natürlich umsonst in die Vorstelllung. In einem Wettbewerb am Ende des Jahres werden noch einmal alle Filme des Jahres gezeigt, die Zuschauer können dann ihren ganz persönlichen Lieblingsfilm wählen. In den vergangenen fünf Jahren sind auf diese Weise 70 Projekte an Kindergärten und Schulen verwirklicht worden.



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