24. August 2011, 09:15 Uhr

Saxofon-Meister mit virtuoser Spielfreude

Laubach (dw). Träge, schwülwarme Luftmassen waberten über die lieblich, sattgrüne Landschaft, in deren Mitte sich in der Hessenbrückenmühle bei Münster am Sonntagabend ganz andere Klangwelten entfalteten. »Berlin« hieß das Motto des Eröffnungskonzerts der siebten internationalen Meisterklasse für klassisches Saxofon.
24. August 2011, 09:15 Uhr
Arno Bornkamp, Vincent David und Jan Schulte Bunert (von links) überzeugten beim Hessenbrückenmühlen-Konzert mit virtuoser Spielfreude. (Foto: dw)

Eine Woche lang werden 25 junge Talente aus der ganzen Welt, von Österreich bis Brasilien, von Japan bis Südafrika, unter meisterlicher Anleitung ihr Geschick am klassischen Saxofon verfeinern, von dem Hector Berlioz sagte, »sein Hauptvorzug ist die abwechslungsreiche Schönheit seiner verschiedenen Ausdrucksformen.« Was das klanglich bedeutet, konnten gut 200 Zuhörer beim Auftaktkonzert erleben.

Die internationalen Meister ihres Faches, der Holländer Arno Bornkamp, der Franzose Vincent David und der Deutsche Jan Schulte Bunert, erfüllten mit ebenso großer Perfektion wie überspringender Spielfreude die historischen Gewölbe der ehemaligen Scheune der Hessenbrückenmühle mit facettenreichen, urbanen Klangwelten.

Erstmals stand das Meisterkonzert unter einem Motto, immer sollen es nun Städte sein, die für die Geschichte des Saxofons eine Bedeutung haben. In Berlin lebte und wirkte der deutsche Komponist Paul Hindemith. Seine Viola Sonata opus 11 leitete den Dialog von Saxofon und Klavier (Stanislav Boianov) ein. Sanft fließend zu Beginn, schraubte sie sich in große Höhen und Geschwindigkeiten, wirkte heiter ohne den melancholisch charakteristischen Ton des Saxofons zu verlassen, schien lebhaftes Treiben zu spiegeln, huschte und eilte in jeden Winkel. Wie in einem Tanz verschlungen dirigierte Vincent David sein Alt-Saxofon.

Berlin prägte auch den tschechischen Komponisten und Pianisten Erwin Schulhoff. In den experimentierfreudigen 20er- und 30er Jahren beeinflussten ihn Komponisten wie Max Reger, spielte er Arnold Schönberg, war fasziniert von Dadaismus, Jazz und Kommunismus. Die klangliche Bandbreite seiner Hot Sonata brachte Arno Bornkamp am Alt-Saxofon trefflich zum Klingen. Tänzelnd und in mitreißendem Rhythmus entfalteten sich akustisch die Verlockungen der vibrierenden Großstadt. »Susi« nannte er eine Vocalise – für das relativ junge Instrument gibt es kaum Originalstücke – die Arno Bornkamp mit einem Swanee-Saxofon anstimmte. Ohne Klappen werden die Töne lediglich moduliert und so klang »Susi« so säuselnd wie »Swanee« vermuten ließ. Damit näherte sich die musikalische Zeitreise, nach Stücken aus den dreißiger Jahren, der Gegenwart. Im Dialog »Imaginär für Tenorsaxofon und Tape« des zeitgenössischen Komponisten Georg Katzer hielten maschinelle Töne und ungehörte Effekte Einzug. Jan Schulte Bunert entlockte seinem Saxofon knatternd und knallend, kreischende und rauschende Klänge, die sich mit dem Tönen des Tonbands bald als Wellen in den Raum ergossen.

Zum fulminanten Höhepunkt fanden die drei Meister am Saxofon in einem Quartett von Paul Hindemith zum Dialog mit dem von Florian von Radowitz ausdrucksstark angestimmten Klavier. Anstelle von Klarinette, Violine und Cello entfalteten die drei Meister noch einmal mit virtuoser Spielfreude und atemberaubender Leichtigkeit die ganze Bandbreite ihrer Saxofone, spielten sich Melodien zu, trieben bald auseinander, bald in vielstimmigem Einklang zusammen und fanden so irgendwie mit urbanen Klängen zurück nach Laubach. Wo die Natur sie aufnahm, »wie das Heulen des Windes in den Zweigen«.

Die Abschlusskonzerte der Meisterschüler finden am Freitag um 19.30 Uhr in der Hessenbrückenmühle und Samstag um 18 Uhr in der Kirchenruine des Klosters Arnsburg statt. Am Donnerstag spielen ab 19.30 Uhr in der Hessenbrückenmühle die drei Professoren der Meisterklasse.



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