22. April 2010, 20:18 Uhr

Prof. Dorfmüller gastierte im Laubach-Kolleg

Laubach (jhm). Einen Klavierabend mit wunderschöner Musik und interessanten Geschichten genossen rund 30 Zuhörer im Atrium des Laubach-Kollegs. Zu Gast war der renommierte Solist und Erzähler Prof. Joachim Dorfmüller, welcher mit Werken von Schumann, Chopin, Brahms und Grieg einen Überblick über das romantische Zeitalter in der europäischen Musik gab.
22. April 2010, 20:18 Uhr
Dorfmüller

Laubach (jhm). Einen Klavierabend mit wunderschöner Musik und interessanten Geschichten genossen rund 30 Zuhörer im Atrium des Laubach-Kollegs. Zu Gast war der renommierte Solist und Erzähler Prof. Joachim Dorfmüller, welcher mit Werken von Schumann, Chopin, Brahms und Grieg einen Überblick über das romantische Zeitalter in der europäischen Musik gab.

Der aus Wuppertal kommende Musikwissenschaftler, der auch Kirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche im Rheinland und Präsident der Deutschen Edvard-Grieg-Gesellschaft ist, begann seinen Reigen mit den »Kinderszenen« von Schumann - »kleine Stücke mit besonderem Reiz«, die der aus Zwickau stammende Komponist für seine Kinder einstudiert hatte. Dass die »Träumerei« von den Gegnern des Abrisses seines Hauses in Endelich/Bonn 1951 in »Räumerei« umbenannt worden war und das historische Gebäude 1956 tatsächlich restauriert wurde, merkte Dorfmüller an.

Es waren immer wieder solch kleine Geschichten und Anekdoten, mit denen der in Münster lehrende Professor die Zuhörer in seinen Bann zog. Dazu ward viel Abwechslung geboten, aus Schumanns Repertoire spielte Dorfmüller sowohl das lebendige, gleichsam galoppierende »Reiterstück« ebenso überzeugend wie die schwermütige »Sehnsuchts-Prélude« Chopin. Wie die Musik dieses wohl bekanntesten und einflussreichsten Klavierkomponisten funktioniert, demonstrierte Dorfmüller an der »RegentropfenPrelude«, bei der das 681-malige Anschlagen desselben Tons das »Prasseln« des Regens ergibt, sowie beim »Minutenwalzer«, der zum Tanzen viel zu schnell sei: »Das ist ein reiner Konzertwalzer. Ich schaffe ihn zwar nicht in einer Minute, aber dann hätten sie auch weniger davon«, scherzte Dorfmüller und ging zu Brahms über, einem der bedeutendsten europäischen Komponisten der Romantik. Verbindungen zu anderen bekannten Musikern dieser Epoche machte er anhand der »Hommage á Robert Schumann« und der »Hommage á Franz Schubert« deutlich, typisch romantisches Geheimnis und Besinnlichkeit würden im »Abendlied« (As-Dur) ausgedrückt.

Als letzten repräsentativen Vertreter stellte Dorfmüller Edvard Grieg vor, mit dem er sich auf seinen insgesamt 3500 Konzerten und 60 CDs besonders intensiv beschäftigt hat. Der Norweger, der sich laut eines nie einwandfrei belegten Zitats nicht auf einer Stufe mit den Klassikern Beethoven, Mozart und Bach, sondern vielmehr als »Repräsentant einer aufgeklärten Generation« sah, verknüpfte Elemente der Volksmusik seiner Heimat - Quinten, scharf betonte Tanzrhythmen und das Schwanken zwischen modalen und Dur- Molltonarten - mit satztechnischen Errungenschaften der Spätromantik. Seine Harmonik weise teilweise auf den Impressionismus voraus und sei in einigen Kompositionen wie etwa »Klokkeklang« (»Glockenklang«, aus dem Zyklus der Lyrischen Stücke op. 54) von einzigartiger Radikalität. Fünf Szenen aus der Schauspielmusik zu Ibsens »Peer Gynt« spielte Dorfmüller, darunter die beschwingte »Morgenstimmung« und »Solveigs Lied«. Aus der norwegischen Sagenwelt entlehnte Grieg »Der kleine Troll«, »Elfenreigen« und »Der Zug der Trolle«, bevor schwungvolle Stücke wie »Springar«, »Bauerntanz« sowie das fröhliche »Stabbelâten« das abwechslungsreiche Programm beendeten.

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