12. Juli 2016, 19:03 Uhr

Moschee in Laubach wird konkreter

Laubach (tb). Schon gut zehn Jahre alt, nehmen die Pläne für den Bau einer Moschee in Laubach nun konkrete Formen an: Der Antrag der türkisch-islamischen Gemeinde Laubach/Grünberg auf Erwerb eines städtischen Grundstücks im Gewerbegebiet liegt seit geraumer Zeit vor, die Entscheidung dürfte im Herbst fallen.
12. Juli 2016, 19:03 Uhr
Blick in die von 150 Personen besuchte Bürgerversammlung in Laubach. Einziges Thema: der Bau einer Moschee (die Skizze zeigt ein etwa baugleiches Gebetshaus). (Fotos: tb)

Im zweiten Anlauf. Die Magistratsvorlage auf Verkauf der rund 4000 Quadratmeter zu einem subventionierten Preis hatte das Stadtparlament bekanntlich zu Jahresbeginn vertagt. Begründet vor allem mit einem Mangel an Information, nicht zuletzt über den Dachverband des hiesigen Vereins, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V., kurz DITIB.

Am Montag nun sollte der Mangel behoben werden. Zur Bürgerversammlung hatte Stadtverordnetenvorsteher Kühn dafür Experten geladen: Bernd Apel, Ökumene-Pfarrer der ev. Dekanats-AG Grünberg-Hungen-Kirchberg, und Prof. Yasar Sarikaya, der an den Uni Gießen muslimische Religionspädagogik lehrt. Mit auf dem Podium Bürgermeister Klug, der auf die im Ort kursierenden Gerüchte abhob. Tatsächlich aber werde es weder ein Minarett, noch einen Muezzin geben, würden auch keine Kämpfer ausgebildet. »Da entsteht nichts anderes als das, was auch die christlichen Gemeinden haben.«

Das 20. Jahrhundert, schickte Apel voraus, sei durch Migration geprägt – »das trug Früchte, war aber auch mit Lasten verbunden.« Heute lebten hierzulande 4,8 Millionen Muslime, vier Millionen türkischer Herkunft. Diese sollte man als »Brückenbauer zwischen den Kulturen wie den Religionen« schätzen. In Deutschland spreche man heute von der dritten Phase der Migration, von einer »Ethnisierung« – aus »Arbeitern wurden Türken«. Anders als die Vorväter, sei die dritte und vierte Generation nicht mehr herkunfts-, sondern zukunftsorientiert. »Sie wollen bleiben. (...) Eine Unterscheidung zwischen Laubachern und Türken ist Geschichte.« Da sei es nur verständlich, dass auch die rund 500 Muslime (400 in Laubach, 106 in Grünberg) eine »würdige Möglichkeit wollen, sich im Gebet zu treffen.«

Islamische Religion ist in Hessen neuerdings reguläres Unterrichtsfach. Prof. Sarikaya bildet in Gießen Lehrer aus. DITIB ist dabei einer von zwei Kooperationspartnern des Landes. Er verwies auf die laut Kultusministerium guten Erfahrungen mit dem sunnitischen, einzig vom türkischen Staat unterstützten Verband. Trotz einiger Kritikpunkte, sah das auch Apel so. Und: »Was wäre die Alternative, wollten wir warten, bis sich eine andere Gemeinde gebildet hat?« Wieder Sarikaya erläuterte, Moscheen seien, ebenso wie Kirchen, Orte des Gebets, des Gottesdienstes, aber auch der »Integration des Islam in die Mehrheitsgesellschaft«. Hinzu träten hier aber kulturelle und soziale Zwecke. Dass eine Moschee auch zur Integration der Flüchtlinge beitragen könne, darauf wies ein Redner aus dem Publikum hin.

Ein anderer sprach das Thema »Gewaltförmigkeit des Islam« an: Angesichts der vielen Anschläge, so Sarikaya, sei die Frage verständlich, doch sollte man weniger in die Ferne schauen, den Fokus auf die von gelungener Integration geprägte Lebenswirklichkeit vor Ort richten. Dass der islamische Kulturkreis, wie bereits der europäische, was etwa Emanzipation oder zeitgemäße Interpretation der Korans angeht, sich weiterentwickeln werde, davon ging er aus.

Am Ende durften die Besucher vor allem eines mit nach Hause nehmen: Ob der Aussagen von Sprechern von Grünen, CDU und FW stehen die Chancen für die Moschee gut. Das dürfte vor allem die Muslime freuen, die seit 1991 mit einem Container als »Moschee« vorlieb nehmen müssen. Diese Gruppe stellte etwa die Hälfte des Publikums, und aus ihren Reihen kam mehrfach der Appell an die »Ur-Laubacher«, sich auf einen offenen, angstfreien Dialog einzulassen, einfach mal vorbeizuschauen, etwa im ebenso zu kleinen Gemeindehaus in der Lessingstraße. Eine selbstbewusste Türkin. »Dann merken Sie, dass bei uns die Frauen die Hosen anhaben.«

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