12. Juli 2014, 14:08 Uhr

Laubach: Wanderhilfen für Krebs und Konsorten

Laubach (tb). Der Bachflohkrebs – ebenso wie noch viel, viel kleinere Mitbewohner in der Horloff – hatte ein Problem: An der Brücke am Ortseingang von Ruppertsburg gab es einen »Sohlsprung«. Der nur wenige Zentimeter hohe Höhenversatz war für die Kleinstlebewesen am unteren Ende der Nahrungskette kaum zu überwinden.
12. Juli 2014, 14:08 Uhr
Ortstermin an der Horloff (von links): Bettina Kempf, Bernd Rudolph, Thomas Halblaub, Peter Klug und Kirstin Ulbrich (Foto: jop)

Seit wenigen Wochen ist die Barriere beseitigt, und auch weitere Maßnahmen wie der Einbau einer »Sohlgleite« (ein quer zur Strömung liegendes Bauwerk) erleichtern die Wanderung von Krebs und Konsorten – was auch die Arten weiter oben auf der Nahrungskette freuen dürfte.

Nächstes Projekt: Seenbach

Nicht nur an der Horloffbrücke, sondern auch an drei, vier weiteren Stellen bachabwärts hat die Stadt dieserart Einbauten zur Verbesserung der Gewässerökologie und auch erosionsmindernde Uferbefestigungen vorgenommen. 28 000 Euro haben die gekostet, wie Bürgermeister Klug gestern Morgen beim Lokaltermin sagte. Nicht ohne auf den hier sehr hohen Zuschuss von 85 Prozent zu verweisen.

Grundlage von allem ist die EU-Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000. Via Bund und Land ist den Kommunen aufgegeben, etwas zur Verbesserung der Gewässerökologie wie zum Hochwasserschutz zu tun. Zu den Zielen zählt unter anderem, die Politik stärker auf eine nachhaltige, umweltverträgliche Wassernutzung auszurichten. Vor allem werden Methoden formuliert, um die Qualität des wertvollsten Gutes zu verbessern, zum Beispiel per Reduzierung der Nährstoffbelastung.

Für Laubach wurde in diesem Zusammenhang eine Bestandsaufnahme des ökologischen Zustandes jedes einzelnen Bachlaufs erstellt. Wesentliche Parameter: Schadstoffbelastung, Makrozoobenthos (Bodenfauna), Vorkommen von Fischen sowie Kieselalgen (Wasserqualitätsmarker). Die Studie listet über 50 Maßnahmen auf, Schätzungen gehen von einem Ausgabevolumen von 3 bis 5 Mio. Euro aus. Die Ostkreiskommune hat im Vorjahr den Anfang mit zwei kleineren Maßnahmen an der Wetter unterhalb des Gewerbegebiets gemacht. Eine Barriere für Fische wurde ebenso wie 40 Jahre alte Betonfertigteile aus dem Bachbett entfernt. Kosten: 15 800 Euro.

Den Faden griff Klug beim gestrigen Lokaltermin auf. Die Begradigungen der Flussläufe in den 1970ern würden heute nicht mehr als so sinnvoll angesehen (wo dereinst Mäander und Auen für natürliche Zurückhaltung sorgten, ging es nun auch hierzulande schnurstracks geradeaus, was nicht nur die Hochwassergefahr am fernen Rhein verschärfte, sondern auch Bachbiotope nachhaltig beschädigte). Heute, so wieder Klug, müssten die Kommunen diese Fehler ausbügeln. Laubach könne die EU-Vorgaben nur peu a peu umsetzen. Dass solche, wenn auch kleinere Tätigkeitsnachweise von Vorteil sein könnten, merkte er an: hohe Förderung, wenn große Maßnahmen anstehen. Als nächstes Projekt steht der Einbau von Wanderhilfen im Seenbach in und um Freienseen an. Im Herbst soll es losgehen; hier hofft man gar auf 100 Prozent Förderung dank Zuschüssen aus dem Naturschutz (FFH-Gebiet/seltene Bachmuschel).

Mit dabei beim Ortstermin war neben Bauamtsmitarbeiterin Bettina Kempf und Kirstin Ulbrich (Bauunternehmen) der Planer Bernd Rudolph (Büro Zick.-Hessler). Wie er ergänzte, gehe mit dem Einbau der Sohlgleite bzw. den Steinschüttungen eine Minderung der Fließgeschwindigkeit einher, der Rückstau aber werde nur gering sein.

Hochwasserschutz weiteres Thema

Ebenso vor Ort: Thomas Halblaub vom Fachdienst Wasser/Bodenschutz beim Landkreis Gießen. Dieser wiederum verwies noch auf die weiteren Inhalte der Wasserrichtlinien, Stichworte sind hier Entsalzung und Hochwasserschutz. Allein in Hessen würde die komplette Umsetzung 1,2 Milliarden kosten. Unabhängig davon, ob tatsächlich alles gemacht werden sollte: Die Frist läuft erst 2027 ab, bis dahin ist auch die Horloff noch viel vom (auch) sprichwörtlichen Wasser hinabgeflossen.



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