28. September 2012, 14:03 Uhr

Laubach Gastgeber des Hessischen Gedenkstättentreffens

Laubach (tb). Auf Einladung des »Arbeitskreises Spurensicherung« an der Gesamtschule Laubach, vertreten durch Dietmar Poschpiech und Schulleiter Wolfgang Hölzer, kamen soeben 30 Vertreter von Gedenkstätteninitiativen und -einrichtungen für die Opfer des Nationalsozialismus zu einer Tagung im »Hessenbrückenhammer« zusammen.
28. September 2012, 14:03 Uhr
31. Hessisches Gedenkstättentreffen in Laubach: Friedrich Damrath (rechts) führte über den Jüdischen Friedhof.

Themen des mittlerweile 31. Hessischen Gedenkstättentreffens bzw. der Berichte der Teilnehmer aus ihren Einrichtungen und Initiativen waren das Projekt »Stolpersteine, der (steigende) Besuch von Gedenkstätten, neue Vorhaben und Ausstellungen. Dietmar Poschpiech ging näher auf die Arbeit des »AK Spurensuche« ein, der sich seit Anfang der 90er Jahre zur Aufgabe gemacht hat, an Orte und Menschen in Laubach und Umgebung zu erinnern, die während des nationalsozialistischen Regimes eine wichtige Rolle spielten bzw. unter dem Terror zu leiden hatten oder gar ermordet wurden.

Seit 1997 koordiniert das Referat III »Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus« bei der Landeszentrale für politische Bildung hessenweit diese Gedenkstättentreffen. Begrüßt wurden die Teilnehmer des 31. Treffens von der neuen Referatsleiterin Dr. Monika Hölscher, die in Begleitung ihrer Mitarbeiter Joachim Heuer und Laura Brühl gekommen war.

Unter den Gästen war auch der Vorsitzende des Kuratoriums der Landeszentrale, MdL Reinhard Kahl. Er betonte die Bedeutung dieser Gedenkstättenarbeit und dankte den Beteiligten für ihr großes, meist ehrenamtliches Engagement. Schulleiter Hölzer ging auf die seit Jahren bestehende gute Zusammenarbeit der FMGS und dem »AK Spurensicherung« ein. Diese Kooperation werde mit Lehrer Alexander Piwowar weitergehen.

Bürgermeister Klug hob in seinem Grußwort die gerade beim Thema Nationalsozialismus schwierige Aufarbeitung vor Ort hervor. Diese sei jedoch wichtig, auch wenn es die eigene Familie betreffe. Als Vertreter der zweiten und dritten Nachkriegsgeneration könne niemand diese Nachkommen für etwas verantwortlich machen, was die Vorfahren getan oder nicht getan hätten, aus der Vergangenheit könne man nur lernen. Er freue sich, dass dieses Gedenkstättentreffen in Laubach stattfinde.

Am Nachmittag führte Dietmar Poschpiech die Besucher zuerst zum Gedenkstein auf der »Helle«, der an die Ereignisse in der Pogromnacht erinnert. Anschließend ging es zum jüdischen Friedhof, wo Friedrich Damrath, der in den letzten 20 Jahren die Grabsteine zahlreicher jüdischer Friedhöfe (Laubach, Steinbach, Lich, Hungen und Butzbach) bearbeitet hat, die Gäste führte. Den Abschluss des Treffens bildete die Besichtigung der Zwangsarbeiterbaracke und der Tunnel in Freienseen.

Der »AK Spurensicherung« an der Gesamtschule kooperierte anfangs mit der AG Friedensdienste am Laubach-Kolleg. Die von Dr. Rüdiger Mack in den 1960ern gegründete AG initiierte als eine ersten bundesdeutschen Organisationen überhaupt Schüleraustausche mit Polen, organisierte gar Arbeitseinsätze von Schülern in den KZ Auschwitz, Buchenwald und Mittelbau-Dohra. Nach wie vor kooperiert der AK mit der Friedenskooperative Laubach-Grünberg-Mücke.

Der Fokus des Arbeitskreises, seiner »Erinnerungsprojekte« zur NS-Zeit ist vor allem auf die Spuren jüdischen Lebens in Laubach gerichtet: auf das Schicksal der 1932 noch zwölf in Laubach und Ruppertsburg wohnenden jüdischen Familien, ihren Friedhof, den Standort ihrer Synagoge, ehemaligen Geschäfte, Wohnungen und Häuser. Beim Pogrom im November 1938 waren die Synagoge in der »Lippe« geschändet, waren Wohnungen und Geschäfte geplündert worden. Die demolierte Einrichtung der Synagoge wurde auf der »Helle« (heute Festplatz) verbrannt. Diese Übergriffe waren auch Gegenstand eines Prozesses vor dem Landgericht Gießen im Dezember 1948. In jedem Jahr findet am 9. November ein Mahngang von der »Helle« zur »Lippe« statt, seit 2008 erinnert eine Stele an das Geschehen.

Im Weiteren wurden »Pfeilsteine« verlegt, sozusagen »Laubacher Stolpersteine«, die den Weg von der Synagoge zur »Helle« markieren.

Zwangsarbeiterlager in Freienseen ein Ziel

Weiterer bedeutsamer Ort der Erinnerung, der von den Teilnehmern der Tagung wie erwähnt von außen besichtigt wurde, ist die einzige erhaltene Baracke des Zwangsarbeiterlagers Freienseen, einer Außenstelle des »Arbeitserziehungslagers« Frankfurt-Heddernheim. Inzwischen in Privatbesitz eines Unternehmens, erinnert bis heute nichts an ihre Geschichte: Von 1942 bis 1945 waren hier mehrere Hundert Zwangsarbeitskräfte, darunter von Oktober 1944 bis Mai 1945 auch 90 junge Frauen aus Russland, Kriegsgefangene des Stalag IXa Ziegenhain sowie Gestapohäftlinge untergebracht. Sie mussten in einer Produktionsstätte der Firma VDO im Eisenbahntunnel, bei der Tiefbaufirma Wiederspahn sowie in der Landwirtschaft arbeiten. Auch der Tunnel, in dem sich seit 50 Jahren eine Pilzzucht befindet, wurde von den Tagungsteilnehmern von außen besichtigt.

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