25. Oktober 2012, 17:53 Uhr

Kritik aus Münster: »Örtliches Kulturleben wird vernichtet«

Laubach (agl/pm). »Sehr sehr kurzfristig werden Vereine und insbesondere die Bürger unter Druck gesetzt«, kommentierte Manuel Ruschig (SPD) am Donnerstag die Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung, die Dorfgemeinschafts- und die Bürgerhäuser in den Stadtteilen vom 1. Januar bis 31. März 2013 zu schließen.
25. Oktober 2012, 17:53 Uhr

Ruschig hatte im Namen des Ortsbeirates Münster eine Pressemitteilung zu der Entscheidung, über die diese Zeitung berichtet hatte, geschrieben. Die Schließung, die zudem in kommenden Jahren vom 1. November bis zum 31. März dauern soll, kann laut Parlamentsvotum nur dann verhindert werden, wenn sich Vereine finden, die sich im Sinne der Hausmeistertätigkeit um die Gebäude kümmern.

Dies gehe aber beispielsweise über das Durchfegen hinaus, könne vielmehr im Zweifelsfall bedeuten, eine Heizung zu reparieren, sagte Ruschig. Diese Aufgaben Vereinen zuzumuten, hält der Münsterer nicht für angemessen. Von der Entscheidung des Stadtparlamentes, die auf einer Vorlage des Magistrates fußt, ist die Sport- und Kulturhalle in Laubach ausgenommen. Sie soll in den Abendzeiten, in denen kein Schulsport stattfindet, weiterhin den Laubacher Vereinen zur Verfügung stehen.

»Von dieser kurzfristigen Umsetzung wurde der Münsterer Ortsbeirat eiskalt überrascht!«, schreibt Ruschig. Ortsvorsteher Heinz-Wilhelm Schnabel habe in der Ortsbeiratssitzung am Dienstag »diese erschütternden Nachrichten, die er tags zuvor in Schriftform aus dem Rathaus erhalten hatte«, mitgeteilt. Weder ein Mitglied der Stadtverordnetenversammlung, noch ein Verantwortlicher der Stadtverwaltung, »die diesen Entschluss ohne vorherige Abstimmung mit dem Ortsbeirat gefasst hatten, haben sich getraut, die Entscheidung dem Ortsbeirat persönlich zu überbringen«.

Dieser spreche sich einstimmig gegen diese Schließungen aus. Singstunden, Tischtennistraining, Rundenspiele, Tanzstunden, Seniorennachmittag, Kegelabende, Ortsbeiratssitzungen und Vereinsveranstaltungen wie etwa Fasching, könnten dann nämlich nicht mehr stattfinden. Ruschig: »Auch darf in dieser Zeit weder privat gefeiert noch gestorben werden, da die Halle nicht für private Nutzung durch uns Steuerzahler zur Verfügung steht. « Fraglich sei, ob der Jugendraum in der kalten Jahreszeit oder der Schulungsraum der Feuerwehr für die theoretischen Übungen noch zur Verfügung stünden. »Eine Alternative zur Nutzung anderer Räumlichkeiten für die Münsterer Vereine, die bestrebt sind, das dörfliche Kulturleben zu erhalten, wurde seitens der Stadt Laubach nicht angeboten.

»Treffpunkte für Jung und Alt«

Anscheinend versucht die Stadt durch diese Maßnahme, die Vereine zur Übernahme der Dorfgemeinschaftshäuser zu zwingen. Ob die Stadt die in dieser Zeit wegfallenden Einnahmen aus Vermietungen und entgangenen Nutzungspauschalen der Vereine gegenübergestellt hat, bleibt fraglich.«

Durch die Entscheidung zur Schließung im Winter werde das soziale Gefüge zugrunde gerichtet. Die Schäden für die örtlichen Vereine werden, so kritisiert Ruschig, nicht berücksichtigt, stellen diese Gebäude doch Treffpunkte für Jung und Alt dar, an denen man gemeinsam das kulturelle Dorfleben erhalte. »Der Beschluss der Stadtverwaltung und des Magistrates zeigt eindeutig, dass man es vorzieht, Tourismus zu fördern und örtliches Kulturleben (betrieben durch redliche Steuerzahler) zu ›vernichten».«

Nach wie vor stehe Geld für Veranstaltungen in der Kernstadt zur Verfügung, »die weder den Laubachern dienen, noch Geld in die Stadtkasse bzw. in die Kassen der Gewerbetreibenden fließen lassen.« Der Ortsbeirat Münster sieht diese Gelder besser angelegt, wenn sie dem Erhalt und der Öffnung der Dorfgemeinschaftshäuser und folglich der »Kultur auf dem Lande« dienen.

Das Gremium lädt die Bürger von Münster, alle Vereinsvertreter und -mitglieder sowie alle weiteren Interessierten aus der Großgemeinde zu einer Krisensitzung am Dienstag, 6. November, um 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus ein. »Die Stadtverordneten aus dem eigenen Ort sowie die Fraktionsvorsitzenden, der Bürgermeister und der Stadtverordnetenvorsteher werden aufgefordert, die Gründe für ihre Entscheidung zur kurzfristigen Schließung der Dorfgemeinschaftshäuser anlässlich der Veranstaltung… zu benennen und zu erläutern«, heißt es in der Mitteilung.

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