30. Dezember 2011, 17:53 Uhr

»Ich habe das Gefühl, etwas zu sagen zu haben«

Laubach (pm). Marie-Luise Lohmeyer schreibt, liest und singt. Die 18-Jährige aus Laubach gehört zu den Gewinnern des Jugend-Literaturpreises der OVAG.
30. Dezember 2011, 17:53 Uhr
Marie-Luise Lohmeyer beim Einsprechen ihres Gewinner-Textes beim Workshop der Preisträger in Bad Kissingen

Blond, 1,65 Meter, schwarze Brille auf der Nase und ein freundlich-schüchternes Lächeln um die Lippen – so tritt Marie-Luise Lohmeyer auf. Die 18-Jährige kommt aus Laubach, besucht dort die 13. Klasse des Kollegs, und seit Herbst 2011 kann sie von sich behaupten, Gewinnerin des Jugend-Literaturpreises der OVAG zu sein.

»Ich habe schon immer gerne geschrieben«, sagt sie. »Ich habe das Gefühl, etwas zu sagen zu haben.« Ihre Themen: Die Beziehungen zwischen Menschen. Und sie schreibt gerne über Randthemen der Gesellschaft. So auch der Text von »Freitags«, mit dem sie gewonnen hat: Eine Jugendliche, die den Status als Alphatier in ihrer Clique leid ist und dem Gruppenzwang entflieht. »Ich habe keine eigenen Erfahrungen verarbeitet, aber irgendwo prägt einen das Umfeld, und den Konflikt dieses Mädchens fand ich einfach interessant.« Luises Stimme ist nicht nur zu hören, wenn sie ihre Texte vorliest. Sie steht beim »Poetry Slam« auf der Bühne und sie nimmt Gesangsuntericht, seit sie zwölf Jahre alt ist. Und wenn sie nicht singt oder liest, dann ist sie in der Gießener Kletterhalle zu finden.

Luise hat zwei ältere Geschwister, einen Bruder und eine Schwester, die beide schon von zu Hause ausgezogen sind. »Obwohl es die Distanz schwierig macht, halten wir einen guten Draht zueinander.« Auch Luise ist schon einmal ausgezogen: Im Alter von 16 Jahren hat sie ein halbes Jahr in Kanada gelebt und sich dort wohl gefühlt.

Und wie würde die 18-Jährige sich selbst beschreiben? Die Frage ist schwer. »Das Vertrauen in mich und in andere ist mir das Allerwichtigste.« Dieses Selbstvertrauen braucht sie dringend, um ihr Ziel zu erreichen: »Ich möchte, dass die Welt bei meinem Tod ein besserer Ort ist, als sie es bei meiner Geburt war.« Gibt es Schwächen? »Es gibt Phasen, in denen ich eine absolute Chaotin bin. Und ich bin ein Lustmensch. Es ist mir fast unmöglich, mich zu disziplinieren und etwas zu tun, das ich gerade nicht tun möchte.«

Besonders ehrgeizig war Luise beim Literatur-Workshop der OVAG im November in Bad Kissingen. Alle Preisträger haben für vier Tage zusammengesessen und an ihren Texten gefeilt. »Das war unglaublich lehrreich, nur manchmal habe ich nicht verstanden, inwiefern dieses oder jenes Bilder schief sein soll. Aber ich habe darauf vertraut, dass mein Lektor nur das Beste für meine Geschichte will.« Die intensive Arbeit zeigt Wirkung: »Seit dem Workshop habe ich schon wieder geschrieben und ich benutze die Sprache viel aufmerksamer.«

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Informationen zum Jugend-Literaturpreis 2012 unter Telefon 06021/82 12 22 oder per E-Mail: matle@ovag.de



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