27. September 2016, 18:13 Uhr

Hungener ist Hessenmeister

Doppelaxtwerfen – was nach einem Sport der Wikinger und Nordmänner klingt, haben Holzfäller erfunden. Und nicht nur Männer, auch Frauen lassen dabei die Axt fliegen. In Münster wurden am Wochenende die hessischen Meisterschaften ausgetragen – und die Hungener »Asgard Throwers« als Gastgeber nutzten den Heimvorteil.
27. September 2016, 18:13 Uhr
(Foto: Constantin Hoppe)

Laubach (con). Gleich zu dutzenden schwirrten Samstag und Sonntag glänzende Äxte im Laubacher Ortsteil Münster durch die Luft. Starke Männer und Frauen ließen sie fliegen. Sofort denkt man angesichts von Tätowierungen und Runenschmuck an die Nordmänner des frühen Mittelalters, die sich vor Laubachs Toren versammel n. Doch hier ging es nur um den Sport – und vor allem den Sieg im Hessenpokal im Doppelaxtwerfen.

Ausgerichtet von den Hungener »Asgard Throwers« trafen sich 41 Axtwerfer aus ganz Deutschland und sogar der Schweiz, um den Titel des Hessischen Meisters zu vergeben. Generell sind die Meisterschaften für Internationale Mannschaften geöffnet. Es ist also kein Wunder, wenn ein schwedischer Werfer die deutschen Meisterschaften gewinnt.

Auch wenn man beim Axtwerfen beinahe sofort an Franken, Nordmänner und Wikinger denkt, ist der Sport doch deutlich jünger, als man erwartet: Geworfen wird mit Doppelblattäxten, wie sie von kanadischen oder schwedischen Holzfällern verwendet wurden. Und von diesen stammt der Sport auch: Zum Zeitvertreib warfen sie mit ihren Äxten auf aufgehängte Baumscheiben – daraus entwickelte sich die Sportart.

Ziel in 6,10 Metern Distanz

Geworfen wird aus einer Distanz von
6,10 Metern auf Scheiben mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern. Gewertet wird jeder Wurf nach dem getroffenen Zielring mit null bis fünf Punkten und pro Durchgang hat jeder Werfer zwölf Würfe. Das Sportgerät muss mindestens 61 Zentimeter lang und darf nicht leichter als 1200 Gramm sein. Zudem darf die Schneidenlänge maximal 152 Millimeter betragen – der Rest bleibt dem Sportler überlassen. Gerade diese Freiheiten bei der Gestaltung der Äxte sorgt dafür, dass viele Wettkämpfer mit einem ganz individuell geschmückten Werkzeug antreten: Von nordischen Runen, keltischen Ornamenten bis hin zu Herzchen in der Schneide ist eigentlich alles vertreten. Dabei gibt es im übrigen keine Unterschied zwischen Männern und Frauen – die Regeln sind für beide Geschlechter gleich.

Das Doppelaxtwerfen wird in den letzten Jahren auch in Deutschland immer populärer, was sich auch bei den Hungener »Asgard Throwers« zeigt. Bei der Gründung 2011 war man noch zu zweit – heute hat der Verein bereits über 30 Mitglieder – Tendenz steigend. Und wie kommt man zum Axtwerfen? »Früher habe ich selbst Äxte und Schwerter geschmiedet«, erklärt der Vorsitzende der »Asgard Throwers« Pierre Kaminski. »Und irgendwann habe ich dann mal ausprobiert, eine zu werfen – und dann hat es mich eben gepackt«.

Auch Frauen schwingen Äxte

Auch der Frauenanteil unter den Sportlern ist größer, als man erwarten könnte: Von den 41 Axtwerfern, die am Wochenende nach Münster kamen, waren immerhin sechs Frauen. Wie kommen Frauen zu diesem Sport? »Ach, das ist familiär bedingt«, erklärt Steffi Karpe von den »Asgard Throwers«. »Mein Vater hat meine Schwester und mich immer zum Training mitgenommen und irgendwann haben wir dann auch versucht, eine Axt zu werfen«. In diesem Jahr hat sich auch einiges in dem Sport getan: Zum einen haben sich die deutschen Vereine zusammengesetzt und sich darauf verständigt, zukünftige Wettbewerbe immer nach internationalen Standard stattfinden zu lassen. Dabei diente Schweden als Vorlage. Darum wird nun auf kleiner Zielscheiben geworfen. Auch ist es egal, wie die Axt in der Scheibe stecken bleibt, solange nur eine Schneide sie berührt. »Das bedeutet, dass alle auf dem gleichen Niveau sind und Gäste aus anderen Ländern nicht plötzlich Vor- oder Nachteile haben«, erklärt Kaminski.

Bislang haben vor allem die Schweden die Wettbewerbe dominiert – das wird sich in Zukunft dann hoffentlich ändern. Auch wurde in diesem Jahr eine deutsche Bundesliga im Axtwerfen eingeführt, in der sich die heimischen Vereine messen können.

Keine gefährliche Sportart

Die Verletzungsgefahr ist übrigens nicht höher, als bei anderen Sportarten auch. »Wenn man nicht leichtsinnig mit dem Werkzeug umgeht, kann eigentlich gar nichts passieren«, sagt Kaminski. Persönlich hat er bei insgesamt sechs großen Wettkämpfen, die er bislang besuchte, nur einmal eine wirkliche Verletzung mitbekommen: »Und das war nicht einmal beim Werfen, sondern als der Sportler die Axt wieder aus der Scheibe ziehen wollte. Dabei hat er wohl nicht richtig zugegriffen und die Axt fallen lassen«.

Am Sonntagmittag wurde dann das Finale ausgetragen. Durchsetzen konnte sich in diesem Jahr im Einzelwerfen Pierre Kaminski mit 49 Punkten. Um Platz zwei und drei mussten dagegen Walter Frutig und Udo Hofmann (beide Asgard Throwers) und Rolf Fischer (»Doppelaxtfreunde« Rippolingen) im Stechen antreten: Alle drei hatten in der Finalrunde 47 Punkte erzielt und auch die gleiche Anzahl 5-er geworfen. Durchsetzen konnten sich hierbei Fischer (Platz Zwei) und Hofmann (Platz Drei).

Bei den Frauen konnte Heike Rösch von den »Schiibespalter« Rippolingen den Sieg erringen. Platz Zwei belegte hier Angelika Fischer von den »Doppelaxtfreunden« Rippolingen und Platz drei Stefanie Karpe von den »Asgard Throwers«. In der Mannschaftswertung siegten in diesem Jahr die Gastgeber vor den Schweizer Gästen Doppelaxtwerfer Zeiningen und den »Doppelaxtfreunden« Rippolingen.

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