Laubach

Die Oper - zuerst ein Missverständnis

Laubach (sim). Die Feuerwehr begleitete bei Veranstaltungen häufig den rauchenden Caruso, Donizetti klaute bei Weber, und Liszt lud Konzertbesucher schon mal zum Essen ein: Beim Operncafé am Dienstag in der Alten Schlossküche zu Laubach ging’s bei Jochem Wolff, Armin Diedrichsen und Pianist Thomas Goralcyk längst nicht nur um die Kunst der hohen Töne.
30. Juni 2010, 17:02 Uhr
Jochem Wolff, Pianist Thomas Goralcyk und Armin Diedrichsen (von links) lockten ihre Zuhörer in die Welt der Oper.	 (Foto: sim)
Jochem Wolff, Pianist Thomas Goralcyk und Armin Diedrichsen (von links) lockten ihre Zuhörer in die Welt der Oper. (Foto: sim)

Laubach (sim). Die Feuerwehr begleitete bei Veranstaltungen häufig den rauchenden Caruso, Donizetti klaute bei Weber, und Liszt lud Konzertbesucher schon mal zum Essen ein: Beim Operncafé am Dienstag in der Alten Schlossküche zu Laubach ging’s bei Jochem Wolff, Armin Diedrichsen und Pianist Thomas Goralcyk längst nicht nur um die Kunst der hohen Töne.

Spannende Geschichten und herausragende Toneinspielungen eröffneten vielmehr interessante Einsichten in dieses »unmögliche Kunstwerk«, wie es einst der Opernkritiker Oskar Bie nannte. Am Anfang stand übrigens ein Missverständnis: »Die Italiener wollten die alten Griechen nachahmen und schufen dabei etwas ganz Neues«, erklärte Musikschriftsteller Wolff. Die erste Oper war »Daphne«. Daraus wurde allerdings nichts vorgespielt: »Sie dauert vier Stunden und nichts passiert«, meinte Dramaturg und Sänger Diedrichsen.

Ganz anders war das dem Vernehmen nach bei der teuersten Opernaufführung aller Zeiten: Kaiser Leopold investierte 1667 exakt 100 000 Gulden für eine einzige Darbietung anlässlich seiner Vermählung, heute sind das umgerechnet 3,5 Millionen Euro. Dafür wurde - inklusive Feuersbrunst und Theaterzerstörung - dem Zuschauer richtig viel geboten.

Einen Großbrand gab’s am Dienstag nicht zu sehen, dafür aber einen rasanten und amüsanten Parforceritt durch die Welt der Oper samt »Parallelwelten«, Fingerfood und dreier Künstler, die spürbar Feuer und Flamme für das von ihnen präsentierte Genre sind. Mit viel Liebe hatten sie Originalstücke ausgewählt, spielten diese in ausgezeichneter Qualität vor. Diedrichsen gefiel außerdem mit seinem warmen Altus, mit dem er beispielsweise als Mozarts Vogelhändler lockte. Mit wahren Weltschlagern, wie etwa Offenbachs »Barcarolle«, ließ Goralcyk im Kopf der Zuhörer eine Opernbühne entstehen.

Bei so viel Engagement wäre ein zahlenreicheres Publikum bei der anspruchsvollen Veranstaltung wünschenswert gewesen. Doch die Moderatoren nahmen die geringe Resonanz gelassen: »Liszt hat Dutzende Konzerte gegeben, bei denen nur wenige Gäste im Saal waren. Später lud er alle zum Essen ein, am nächsten Abend war es voll und er spielte nur Klavier«, kommentierte Armin Diedrichsen mit Gelassenheit.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/laubach/Laubach-Die-Oper-zuerst-ein-Missverstaendnis;art97,48083

© Giessener Allgemeine Zeitung 2016. Alle Rechte vorbehalten. Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung