21. Juni 2012, 10:48 Uhr

Aufbau von Fernwärmenetz in Laubach unter Dach und Fach

Laubach (tb). Mit der Unterzeichnung des Wegenutzungs- und Gestattungsvertrags zwischen der Stadt Laubach und den Stadtwerken Dinslaken als Betreiberin ist der Aufbau eines Fernwärmenetzes in Laubach besiegelt worden. Ein wichtiger Beitrag zu Energiewende vor Ort, im ersten Bauabschnitt werden bereits 350 to Kohlendioxid vermieden.
21. Juni 2012, 10:48 Uhr
Vertragsunterzeichnung mit (v. l.) Erstem Stadtrat Teubner-Damster, Bürgermeister Klug, Graf Reuttner, Timo Dörr (Standortleiter Furnier-/Energiewerk) und Hans Büch (Stadtwerke Dinslaken). (Foto: tb)

Ob der Bedeutung des Moments schwebte Bürgermeister Peter Klug sprachlich in höheren Regionen (im besten Falle 363 000 Kilometer entfernt), zog Vergleiche mit Neil Armstrongs Worten bei der Mondlandung (»Ein kleiner Schritt ...«). Philip Graf Reuttner, Eigentümer des Wärmelieferanten »Energiewerk Laubach« (Biomasseheizkaftwerk des Furnierwerks), mochte die Bedeutung des Augenblicks mit etwas weniger hochtrabenden Worten fassen: »Was lange währt, wird endlich gut.«

Was gut wurde: Nachdem bereits seit Oktober 2010 das benachbarte Unternehmen Dexion am Netz ist, folgt in Bälde nun die Stadt (Rathaus). Handelseinig sind die Versorger vom Niederrhein inzwischen aber auch mit der Gießerei Winter (»Vertrag unterzeichnet«), der Grundschule sowie dem Oberhessischen Diakoniezentrum. »Interessiert« sei überdies die Sparkasse. Bis zum Jahresende sollen in dem ersten Bauabschnitt bis zum Stift die Leitungen verlegt sein, zeigte sich »SD«-Prokurist Hans Büch sicher.

Im September 2011 hatten die Stadtverordnete ihren Segen für den gestern unterzeichneten Gestattungsvertrag mit der »Fernwärmeversorgung Niederrhein GmbH« (Tochter der Stadtwerke Dinslaken) gegeben, wonach eben der Versorger das Rathaus beliefern darf. Unterzeichnet wurde auch der Wegenutzungsvertrag: Aus der Nutzung städtischer Wege und Flächen (hier: ehemalige Bahntrasse Richtung Hungen) zieht die Stadtkasse eine einmalige Einnahme von 18 000 Euro. Die Abnahme der Wärme gestaltet sich fürs Erste kostenneutral.

Das öffentliche Unternehmen, so gestern Prokurist Büch, ist seit 45 Jahren im Fernwärmegeschäft, versorgt heute in NRW rund 500 000 Kunden.

Wie aber kam’s zu der Kooperation mit den Stadtwerken in der Stadt am Niederhein, nicht gerade vor der Haustür gelegen? »Ein guter Zufall«, wie Klug verriet. Von den Versorgern und ihrem starken Engagement in Sachen »Fernwärme« habe man erfahren, da »Dinslaken« sich an einer Ausschreibung des (hiesigen) gräflichen Hauses für eine energetische Sanierung des Schlosses beteiligt hatten. Bekanntlich waren zuvor Verhandlungen mit der OVAG wie den Stadtwerken Gießen ohne Erfolg geblieben. Laut »SD« summieren sich die Investitionen in Laubach auf rund 1,5 Mio. Euro.

Klug würdigte gestern zunächst den unternehmerischen Mut des schwäbischen Grafen; was der Bürgermeister auf den Bau des »»Energiewerks«, wie auch bereits für die Übernahme des Furnierwerks 2008 bezogen sehen wollte. Sein Fazit mit Blick auf die CO2-Einsparung: »Ein großer Schritt hin zur Energiewende in Laubach.«

»Hervorragende Umweltbilanz«

»SD«-Prokurist Hans Büch, gerade von Gesprächen mit der Grundschule gekommen, verwies vor allem auf den Vertragsabschluss mit der Gießerei Winter, vis-a-vis des Furnierwerks. »Ein Großabnehmer, der es uns finanziell erlaubt, Leitungen in die Stadt zu verlegen.« Neben oben genannten verbrauchsstarken »Ankerkunden« der CO2-arm aus Holz erzeugten Fernwärme hofft sein Unternehmen auf weitere, auch private Abnehmer, die an den Trassen Richtung Sparkasse bzw. Laubacher Stift liegen, sich von den Vorteilen der Fernwärme überzeugen lassen. Die laut Büch gerade hier, da aus einem Holzheizkraftwerk und dem Einsatz von 800 bis 850 Tonnen Holz generiert, augenscheinlich seien. In Sachen Kosten für Verbraucher, vor allem aber in Sachen Umweltbilanz: »Der Primärenergiefaktor ist hier hervorragend, liegt schätzungsweise bei 0. 2 gemäß Energieeinsparverordnung«. Bislang nur eine »Vision« ist der Anschluss auch von Sport- und Kulturhalle, Hallenbad und Gesamtschule; bisher von einem BHKW versorgt, läuft 2014 der Vertrag von Stadt und Kreis mit der OVAG ab.

Graf Reuttner gab am Ende den Dank der Stadt für gute Kooperation zurück. Dank galt auch seinem Standortleiter Timo Dörr, sei es dem doch 2010 gelungen, was vielen misslinge: »Ein Heizkraftwerk anzuzünden, das nicht ausgeht.« Womit Versorgungssicherheit für das Furnierwerk wie aber auch für das Fernwärmenetz gewährleistet sei.

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