04. September 2009, 16:38 Uhr

Arien und Duette vom Laufsteg herab

Laubach. - Mit Spannung erwartet worden war das Abschlusskonzert der diesjährigen »Oper Schloss Laubach«; die Veranstaltung am Donnerstag in der Herrenscheune war erwartungsgemäß gut besucht. Zehn Nachwuchssänger aus verschiedenen Ländern hatten während der dreiwöchigen Meisterkurse gelernt, sich in ein Team zu integrieren und in einer wettbewerbsähnlichen Situation mit Lampenfieber umzugehen.
04. September 2009, 16:38 Uhr
Finale aus der Oper »Figaros Hochzeit« (links Ilona Mataradze als Susanna, Byung-Kweon Jun als Figaro, Izabela Matula als Gräfin). (Fotos: Oliver Vogler)

Laubach. - »Das Zusammenspiel von Kollegialität und Konkurrenz macht Theater spannend«: Das merkte Moderator Malte Krasting beim gut besuchten ersten Abschlusskonzert der »Oper Schloss Laubach 2009« am Donnerstag in der Herrenscheune treffend an. So lernten die zehn Nachwuchssänger aus verschiedenen Ländern während der dreiwöchigen Meisterkurse, sich in ein Team zu integrieren und in einer wettbewerbsähnlichen Situation mit Lampenfieber umzugehen - Aspekte, für die bei der Ausbildung an Musikhochschulen meist zu wenig Zeit bleibt. Neben Gesangsunterricht stand Körper- und Schauspieltraining auf dem Programm; der szenischen Darstellung wurde angemessen Raum gegeben. Wie schon in den beiden Vorjahren führte Michael Sturm Regie, als Gesangsdozent konnte diesmal Dietmar Grimm (Luzern) gewonnen werden. Neu ist die dramaturgische und logistische Unterstützung durch die Oper Frankfurt.

Das sängerische Niveau war gewohnt hoch - man merkte die strenge Vorauswahl der Teilnehmer an; der musikalische Leiter Prof. Paul Weigold hatte für ein in sich geschlossenes künstlerisches Gesamtbild gesorgt.

Souverän ersetzten die beiden Korrepetitoren Sarolta Turkovic und - versierter noch - Christian Schulte am Flügel ein Orchester. Überzeugend verkörperte Tenor Egill Árni Pálsson zu Beginn in der Arie des Herzogs »Questa o quella« aus Giuseppe Verdis Oper »Rigoletto« den lüsternen Lebemenschen. Er sang mit strahlkräftiger, im Timbre nicht zu harter Stimme und facettenreichem Vibrato. Sopranistin Izabela Matula beeindruckte in der Arie der Mimi »Donde lieta usci« aus Giacomo Puccinis Oper »La Bohème« durch subtile, nuancierte und gefühlvolle Gesangsweise. Recht weich wirkten die Ton-Ansätze, auch dynamisch zurückgenommene Passagen gerieten ausdrucksvoll.

Von ganz anderer Art ist da der Tenor Rouwen Huther. Er brachte seine dramatische, füllige Stimme in der Arie des Siegmund aus Richard Wagners »Walküre« voll zur Geltung. Über reichlich Reserven verfügte er bei den Höhepunkten, die durch packende Klaviertremoli unterstrichen wurden.

An seine Leistung reichte Sharon Carty leider nicht heran. Ihrem an sich wohlklingenden Mezzosopran fehlte in der Arie des Ruggiero »Sta nell, ircana« aus Georg Friedrich Händels Oper »Alcina« ein wenig Durchsetzungsvermögen und dynamische Differenzierungsfähigkeit. Dadurch wirkte die Interpretation leicht flach und spannungsarm; Steigerungen - etwa bei den melodischen Aufschwüngen - gingen unter.

Besser gefiel Bariton Byungkweon Jun in der Arie des Valentin »Avant de quitter ces lieux« aus Charles Gounods »Faust«. Jun sang mit obertonreicher, in den Höhen bunt schillernder Stimme, ausgefeilter Dynamik und intensivem Ausdruck; bestechend seine runde, elegante Gestaltung der musikalischen Bögen. Ebensolche technische und gestalterische Ausgereiftheit strahlte Bariton Giorgos Kanaris in der Arie des Grafen »Hai gia vinta la causa« aus Wolfgang Amadeus Mozarts Opera buffa »Le nozze di Figaro« aus; die innere Dramatik wirkte auch im Detail durchdacht, gut unterstützend die Klavierbegleitung.

Hingebungsvoll bot Sopranistin Ilona Mataradze die Arie der Musetta »Quando men vo« aus »La Bohème dar. Bass Kai Wegner brillierte in der Arie des Osmin »Oh wie will ich triumphieren, wenn sie euch zum Richtplatz führen« aus Mozarts Singspiel »Die Entführung aus dem Serail« mit seiner sonoren, tief herabreichenden Stimme und vermittelte auch darstellerisch ansprechend Osmins Überlegenheitsgefühl.

Mit wohldosierter, nicht zu dick aufgetragener Intonation interpretierte Bass Miroslaw Witkowski die Arie des Figaro »Se vuol ballare« aus »Le nozze di Figaro«. Besonders begeisterte Sopranistin Katharina Ajyba in der Arie der Norina »Quel guardo il cavaliere« aus Gaetano Donizettis komischer Oper »Don Pasquale«. Unterstrichen durch ihre feine Mimik spielte sie ihre Rolle mit kesser, verführerischer Ausstrahlung. Hinzu kamen bewegliche Stimmführung, flexible Agogik, lebendige Artikulation und modulationsfähige, bis in höchste Lagen saubere Tongebung.

Modedesigner kreierte die Kostüme

Nach der eher schlichten Inszenierung in den beiden Vorjahren hatte sich Regisseur Michael Sturm diesmal etwas Neues einfallen lassen: Ein Laufsteg bildete die Bühne und ermöglichte in den Ensemblekompositionen, räumlich die Nähe und Distanz zwischen den Figuren hervorzuheben. Die Kostüme kreierte der Frankfurter Modedesigner René Storck. Mitunter wirkten die sich kaum in die Augen blickenden Protagonisten in Pose im Quartett aus Verdis Oper »Otello« oder im Finale des zweiten Aktes der »Hochzeit des Figaro« unterkühlt-streng, zugleich modern.

Für die sehenswerte Aufführung spendete das Publikum lang anhaltenden Schlussbeifall; eine Zugabe folgte (eine weitere Aufführung fand am Freitagabend statt). Sascha Jouini



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