04. November 2010, 19:04 Uhr

Dokumentation über Juden in Kerngemeinde Langgöns

Langgöns (ikr). »Juden in Langgöns - eine Dokumentation gegen das Vergessen« - so lautet der Titel eines Buches, das Otto Berndt vom Heimatkundlichen Arbeitskreis der Kerngemeinde Langgöns gemeinsam mit Friedrich Damrath und Hanno Müller verfasst hat.
04. November 2010, 19:04 Uhr
Eine bemerkenswerte Dokumentation über Juden in der Kerngemeinde Langgöns stellten (von rechts) Hartmut Völkner, Otto Berndt, Horst Röhrig und Markus Horn vor. (Fotos: ikr)

Langgöns (ikr). »Juden in Langgöns - eine Dokumentation gegen das Vergessen« - so lautet der Titel eines Buches, das Otto Berndt vom Heimatkundlichen Arbeitskreis der Kerngemeinde Langgöns gemeinsam mit Friedrich Damrath und Hanno Müller verfasst hat. »Den Anstoß, sich mit der jüdischen Geschichte in Langgöns zu befassen, gab der evangelische Pfarrer Hartmut Völkner nach einem ökumenischen Gespräch der Langgönser Kirchengemeinden«, betonte Berndt, der das akribisch in jahrelanger Arbeit recherchierte Werk gemeinsam mit Völkner, Markus Horn, dem Gemeindereferenten der katholischen Pfarrgemeinde St. Josef Langgöns, und Bürgermeister Horst Röhrig im Sitzungssaal des Rathauses vorstellte.

Drei Teile: Gesamtgeschichte mit Schicksalen; Familienbuch; Grabsteininschriften

Dem Verfassen des Buches vorangegangen war eine vielbeachtete und ebenso gut besuchte dreiteilige Vortragsreihe des Heimatkundlichen Arbeitskreises in Kooperation mit den beiden Pfarrgemeinden in der Kerngemeinde zur Thematik »Jüdisches Leben in Langgöns«. »Bereits damals wurde der Wunsch geäußert, die Ausarbeitungen schriftlich festzuhalten«, erinnerte Berndt, der im Zuge seiner Forschungen viele Gespräche mit Zeitzeugen aus Langgöns geführt hatte: »Ich habe mit vielen Leuten zum Teil erstaunlich offene Gespräche geführt und zahlreiche Unterlagen bekommen. Es war interessant, wie differenziert die Langgönser die Dinge gesehen haben.« Der Wunsch nach einer Dokumentation habe sich nach der Gedenkfeier mit der Enthüllung des Mahnmals auf dem Viehmarktplatz am 6. November 2008 und der sich anschließenden Ausstellung »Jüdisches Leben in Langgöns« im Rathaus noch verstärkt. So machte sich Berndt unermüdlich und engagiert an die Arbeit, die von Damrath und Müller umfassend ergänzt und unterstützt wurde.

Herausgekommen ist ein Werk, das auf insgesamt 140 Seiten, die mit vielen historischen Bilddokumenten anschaulich ergänzt werden, sowohl wissenschaftlichem Anspruch genügt, als auch für den interessierten Laien eine aufschlussreiche und flüssig zu lesende Lektüre bietet: Berndt versteht es geradezu meisterhaft, vermeintlich trockene Daten und Fakten in für jedermann verständlichen Worten zu einem lokalhistorischen Einblick in die Ortsgeschichte zu verarbeiten, der den Leser nachhaltig fesselt. In drei Teile ist das Buch gegliedert: Im ersten Teil geht Berndt auf die Gesamtgeschichte der jüdischen Gemeinde in Langgöns ein, auf die politische Situation Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, und er stellt drei jüdische Familien aus Langgöns vor. Besonders ergreifend sind auch die Schilderungen der Einzelschicksale des Sally Grünebaum und seiner Schwester Mathilde, die beide das Nazi-Regime nicht überlebten.

Im zweiten Teil haben Berndt und Müller ein Familienbuch der Juden in Langgöns erstellt. Im dritten Teil des Buches, verfasst von Friedrich Damrath, werden Grabsteininschriften von jüdischen Friedhöfen in Großen-Linden, Langgöns, Gießen und weiteren Friedhöfen übersetzt.

»Wunsch, dass künftigen Generationen derartige Gräueltaten erspart bleiben«

»Wir wollten mit dieser Ausarbeitung niemanden anklagen, sondern dazu beitragen, dass die Namen unserer ehemaligen Mitbürger nicht verloren gehen, dass sie Platz und Gedenken in der Gesellschaft und noch besser in den Herzen finden«, erklärte Völkner, und Markus Horn pflichtete ihm bei. Bürgermeister Röhrig betonte die Wichtigkeit dieser Dokumentation und regte an, dass die Gemeinde außer Exemplaren der Dokumentation für das Langgönser Archiv auch einige der Bücher für weiterführende Schulen in benachbarten Kommunen anschaffen solle, um sie diesen zur Verfügung zu stellen. Auch könnte Otto Berndt dort Vorträge halten. Zum Schluss verwies Berndt auf das wichtigste Ziel der Veröffentlichung mit einem Zitat des Gießeners Ludwig Stern, der das Konzentrationslager Theresienstadt überlebte: »Zum Abschluss meines Berichtes geht unser sehnlichster Wunsch dahin, dass der Welt und den künftigen Generationen fernerhin derartige Gräueltaten erspart bleiben.«

Die Dokumentation ist in einer ersten Auflage von 200 Stück erschienen und kostet dank der Spende Sponsors, der ungenannt bleiben wollte, zehn Euro. Zu beziehen ist sie über Otto Berndt und nach den Sonntagsgottesdiensten in der evangelischen Jakobuskirche sowie der katholischen St. Josef-Kirche in der KerngemeindeLanggöns.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos