12. November 2008, 17:30 Uhr

Solarpark auf der »Halde« möglich - aber auch rentabel?

Hungen (us). Masten aufstellen, Kollektoren drausetzen und mit umweltfreundlichem Solarstrom Geld verdienen - der Gedanke klingt verlockend. Doch so einfach ist es nicht. Das erfuhren die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses am Dienstag von Armin Uhlig. Der Diplom-Ingenieur von der Ingenieurgesellschaft Müller (IGM) präsentierte die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie für den geplanten Solarpark auf der »Halde« in Trais-Horloff.
12. November 2008, 17:30 Uhr

Hungen (us). Masten aufstellen, Kollektoren drausetzen und mit umweltfreundlichem Solarstrom Geld verdienen - der Gedanke klingt verlockend. Doch so einfach ist es nicht. Das erfuhren die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses am Dienstag von Armin Uhlig. Der Diplom-Ingenieur von der Ingenieurgesellschaft Müller (IGM) präsentierte die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie für den geplanten Solarpark auf der »Halde« in Trais-Horloff. Fazit: Der Standort ist geeignet. Ob die Anlage dort auch Rendite abwerfen würde, bleibt aber offen. Laut Uhrig fehlen verlässliche Zahlen. Die soll nun eine Ausschreibung liefern. 50 000 Euro will der HFA für dieses Verfahren zur Verfügung stellen.

Für seine Studie ging Uhrig vom Wirkungsgrad so genannter »nachgeführten« Anlagen aus, also solchen, die sich nach der Sonne drehen. Sie seien in der Anschaffung zwar 21 Prozent teurer, brächten aber auch 47 Prozent mehr Ertrag. Die »Halde« als Standort sei geeignet. Sie könne mit 240 Masten (Fachjargon »Bäume«) à 7,35 kWp dicht besiedelt werden, die Einspeisung des Strom ins Netz sei vor Ort möglich. Die 1750kW-Anlage könnte Strom für rund 2000 Haushalte produzieren.

Die Einspeisevergütungen sinken

Bei 38 000 Euro pro »Baum« schätzt der Ingenieur die Gesamtherstellungskosten großzügig auf zehn Millionen Euro. Ob sich die Anlage letztlich rentiert, hänge ganz stark vom Ertrag ab, sagte Uhrig und präsentierte verschiedene Berechnungsmodelle. Realistisch hält er eine Rendite von - 0,5 und +2 (oder auch mehr) Prozent. Das Energieeinspeisungsgesetz macht die Sache nicht einfacher. Je länger man wartet, desto weiter sinkt die Einspeisevergütung. Wenn auf der »Halde« 2009 gebaut würde, gäbe es knapp 32 Cent je Kilowattstunde. Zum Vergleich: 2008 wurden noch gut 35 Cent gezahlt und die Ingenieurgesellschaft Müller, die selbst eine kleine 20-kW-Solaranlage betreibt, bekommt noch 51 Cent.

Auch verschiedene Betreibermodelle wurden diskutiert. Drei stehen zur Auswahl: 1. Die Stadt überlässt alles einem Investor, hat aber außer der Pacht keine Einnahmen und auch keine Einflussmöglichkeit. 2. Die Stadt sucht sich einen Partner, mit dem sie sich Einnahmen und Risiken teilt (Gründung einer GmbH). 3. Die Stadt macht alles alleine.

Die anschließende Diskussion drehte sich vor allem um die Rendite-Frage. »Drauflegen wollen wir nicht«, bemerkte Norbert Marsfelde, auch wenn Gerhard Rupp (SPD) zu bedenken gab, dass es auch darum gehe, als Kommune ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen. Dieser Meinungs schloss sich auch Wolfag Macht von den Grünen an. Aber natürlich müsse man bei einem so riesigen Auftragsvolumen von zehn Millionen Euro auch auf Auskömmlichkeit achten. »Wenn wir belastbare Zahlen haben wollen, müssen wir ausschreiben«, folgerte Rupp. Dieser Meinung schloss sich schließlich der gesamte Ausschuss an. Angestrebt wird die von Uhrig vorgeschlagene Ausschreibung im Verhandlungsverfahren. Bei dieser Vorgehensweise können die verschiedenen Betreibermodelle durchgeprüft werden. Im Gegensatz zu konventionellen Ausschreibungen verpflichte sich die Stadt nicht, am Ende einem Bewerber den Zuschlag zu erteilen. Eine Kröte musste der Ausschuss angesichts dieser Vorteile allerdings schlucken: Die Ausschreibung im Verhandlungsverfahren ist wegen der intensiven juristischen Begleitung kostenintensiv. Die Mitglieder stellten einmütig 50 000 Euro für diesen Zweck zur Verfügung . Die IGM soll den Aufttrag erhalten, das Verfahren, das mehrere Monate in Anspruch nehmen wird, in Gang zu setzen. Erleichtert wurde diese Entscheidung durch die Mitteilung von Bürgermeister Klaus Peter Weber und Fachbereichsleiter Dirk Siebert, dass sich der Haushalt 2008 gut entwickelt habe. Allein bei den Steuereinnahmen sei mit einem Plus von mehr als 250 000 Euro zu rechnen. Der Etat werde positiv abschließen, auch die Fehlbeträge aus den Vorjahren könnten reduziert werden.

Auch aus bauleitplanerischer Hinsicht scheint einem Solarpark auf der »Halde« nichts entgegenzustehen. Wie der Bürgermeister mitteilte, habe man bei den entscheidenden Behörden schon mal vorgefühlt. Von Seiten der Landwirtschaft, des Natur- und des Vogelschutzes seien keine Bedenken geäußert worden. Der erforderliche Bebauungsplan könne im vereinfachten Verfahren binnen eines halben Jahres umgesetzt werden. Auf Anregung von Heinz-Joachim Schäfer (Freie Wähler) wollen die Ausschussmitglieder demnächst einen Solarpark besichtigen. Ausschussvorsitzender Udo Matthiae will sich nach einerAnlage, die der in Trais-Horloff geplanten ähnelt, umschauen. »In Hessen werden wir wohl nicht fündig werden«, merkte er an.

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