24. April 2015, 09:43 Uhr

Schülergruppe aus Hungen in der Gedenkstätte Auschwitz

Hungen (pm). 22 Schüler der Gesamtschule Hungen haben die Gedenkstätte Auschwitz besucht. Unterstützt wurden sie dabei unter anderem von der Arbeitsgruppe Spurensuche.
24. April 2015, 09:43 Uhr

»Diesen Anblick werden wir wohl für immer in Erinnerung behalten.« – So fasst Luisa-Marie (17) ihren Eindruck bei der Besichtigung der Überreste der gewaltigen Vernichtungsanlagen von Auschwitz-Birkenau zusammen. Und ihr Mitschüler Kevin (18) pflichtet bei: »Diese Fahrt werde ich wohl in meinem Leben nicht mehr vergessen.«

Luisa-Marie und Kevin sind zwei der insgesamt 22 Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Hungen, die vom 12. bis zum 18. April gemeinsam mit dem Geschichtslehrer Armin Trus und der Kunstpädagogin Renata Soszynska die Gedenkstätte Auschwitz besuchten. An der freiwilligen Veranstaltung beteiligten sich in diesem Jahr Jugendliche aus den Jahrgangsstufen zehn bis zwölf. Ebenfalls mit dabei waren Christel Lauterbach und Walter Kreuzinger von der Hungener Arbeitsgruppe Spurensuche, die sich seit über 25 Jahren mit der Geschichte der Juden im lokalen Raum beschäftigt.

Auschwitz ist heute Synonym für den millionenfachen Mord an der jüdischen Bevölkerung Europas während der nationalsozialistischen Diktatur. Alleine in Auschwitz wurden etwa 1,3 Millionen Menschen ermordet. Die Asche der in den Krematorien verbrannten Leichen wurde in unmittelbar neben den Gaskammern gelegene Gruben gekippt. Damit ist Auschwitz der größte Friedhof der Welt.

Schon seit 2010 bieten Lehrkräfte der Gesamtschule Hungen solche Studienfahrten in die polnische Stadt an. Die dahinter stehende Absicht formuliert Armin Trus folgendermaßen: »Der Besuch von Auschwitz ist eine wichtige Ergänzung zum Unterricht. Wenn plötzlich der Ort der Vernichtung nicht mehr nur ein Name in einem Geschichtsbuch ist, sondern begangen und erlebt wird, stellt sich eine Dimension des Begreifens ein, die im schulischen Unterricht nicht möglich ist.«

Führungen durch die Baracken des Stammlagers Auschwitz I und über das weitläufige Gelände von Auschwitz II-Birkenau vermittelten den Schülerinnen und Schülern anschaulich, unter welch schrecklichen Bedingungen die KZ-Häftlinge vor über 70 Jahren dort in den meisten Fällen bis zu ihrer Ermordung dahin vegetierten. Beim Betreten der einzig erhalten gebliebenen Gaskammer und des Krematoriums wurde so manch einer von Beklemmungen befallen. Der Blick auf den allgegenwärtigen Stacheldraht rund um das Gelände verstärkte die bedrückende Atmosphäre.

Wichtiger Bestandteil der Studienfahrt war auch in diesem Jahr der halbtägige Besuch des Museumsarchivs Auschwitz. In Gedenkbüchern konnten die Schülerinnen und Schüler Wohnorte und Namen von Opfern des Nazi-Regimes nachschlagen und Dokumente und Fotos von Häftlingen und Verfolgten betrachten.

Zeitzeugen-Gespräch

Als Zeitzeuge traf die Gruppe Prof. Waclaw Dlugoborski, 89 Jahre alt, der seine Geschichte als politischer Häftling in Auschwitz so lebendig erzählte, wie man es nicht erwartet hatte. Es war die Geschichte eines »Widerstands von Anfang an«: Im Mai 1943 wurde der im Untergrund gegen die deutschen Besatzer kämpfende Waclaw Dlugoborski im Alter von 16 Jahren mit zwei Freunden von der Gestapo verhaftet und zunächst ins Gefängnis, dann aber nach Auschwitz gebracht. Eine Reihe glücklicher Umstände ließen ihn und seine Freunde die KZ-Haft überleben.

Besuche verschiedener Synagogen, jüdischer Friedhöfe, Museen und Gedenkstätten in Oswiecim – so der heutige polnische Name –, sowie Abstecher nach Krakau und Breslau standen neben Referaten von Schülern außerdem auf dem Programm. Nach knapp einer Woche, prall angefüllt mit Informationen und Eindrücken, Gedanken und Gefühlen in Bezug auf jüdisches Leben, Leiden und Sterben unter der Nazi-Diktatur, kehrte die Gruppe von ihrer Studienreise, die wohl niemand vergessen wird, wieder nach Hungen zurück.

Solch aufwendige Unternehmen sind nur durch die Unterstützung Dritter möglich. Die für die Auschwitz-Exkursion verantwortlichen Lehrkräfte danken dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk, der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, dem Landkreis Gießen, der Stadt Hungen sowie dem Förderverein der Gesamtschule Hungen, die alle eine finanzielle Zuwendung in Aussicht gestellt haben.

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