09. Juli 2012, 18:23 Uhr

Roman Kriz aus Hungen im Lebensretter-Team

Gießen/Hungen (bf). Roman Kriz aus Hungen ist 20 Jahre jung und hat gerade die Chance genutzt, einem Menschen das Leben zu retten. Vor knapp zwei Jahren hatte er sich als Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung in Birkenfeld an der Nahe registrieren lassen. Damals aber noch nicht ahnen können, was auf ihn zukommt: »Spritzen!«
09. Juli 2012, 18:23 Uhr
»Cool! Es ist doch schön, wenn man jemandem helfen kann.« Roman Kriz aus Hungen ist 20 Jahre jung und hat gerade die Chance als Stammzellenspender genutzt, einem Menschen das Leben zu retten. (Foto: bf)

Doch als er dieser Tage gebraucht wurde, als es um Leben und Tod eines dem potenziellen Spender völlig fremden Menschen ging, hat Kriz seine Scheu überwunden und sich als Stammzellspender zur Verfügung gestellt.

Leukämie ist eine Erkrankung der weißen Blutkörperchen, die ihren Ausgang im Knochenmark nimmt, wo sämtliche Blutzellen des Menschen gebildet werden. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oft reichen Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann kann nur die Übertragung gesunder Blutstammzellen das Leben des Patienten retten. Auch bei einer Reihe anderer Bluterkrankungen, wie angeborenen schweren Immundefekten oder bei Krankheiten, deren Behandlung eine massive Chemotherapie oder starke Bestrahlung erfordert, hat sich die Übertragung gesunder blutbildender Zellen bewährt.

Mit der Transplantation von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Diese Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme von Knochenmark auf dem Beckenkamm – niemals aus dem Rückenmark. Oder die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation – wie bei der Stefan-Morsch-Stiftung – werden dann die Stammzellen entnommen.

Über die Art der Spende entscheidet der Stammzellspender. Das Transplantat wird dann schnellstmöglich zum Patienten gebracht – ob in die USA, nach Australien oder Flensburg. Denn nach der Entnahme muss die Transplantation innerhalb von 72 Stunden erfolgen.

Roman Kriz jobbt: Er baut Zelte für Veranstaltungen auf – bei Wind und Wetter. Die Sache mit den Spritzen hat ihm im Vorfeld der Entnahme echte Überwindung gekostet. Aber ohne die Verabreichung des Botenstoffs können die peripheren Blutstammzellen nicht entnommen werden. »Roman Kriz hat sich dafür entschieden zu helfen – ein Leben zu retten« heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung der Morsch-Stiftung.

Nach Tod des Sohnes gehandelt

 

Die Stiftung nennt sich selbst »die älteste Stammzell-Spenderdatei Deutschlands«. Unter dem Leitmotiv »Helfen – Hoffen – Heilen« biete sie seit mehr als 25 Jahren Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Menschen können sich bei ihr als Spender registrieren lassen. Ihre Daten werden anonymisiert in das Zentrale Knochenmarkspender-Register für die Bundesrepublik Deutschland (ZKRD) eingetragen. 30 Dateien speisen die Angaben zu Spendern dort ein, damit sie für weltweite Suchanfragen zur Verfügung stehen. Emil und Hiltrud Morsch, die Stiftungsgründer, hatten ihren Sohn Stefan verloren, nachdem bei diesem – mit 16 – Leukämie zum Tod geführt hatte. Als erstem Europäer war ihm 1984 fremdes Knochenmark übertragen worden; der Junge hatte jedoch die Nachsorge nicht überlebt.

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