01. Februar 2011, 21:45 Uhr

Kayra Can nimmt Knochenmark zur Zeit gut an

Hungen/Langgöns (agl). Der an Leukämie erkrankte siebenjährige Kayra Can Travaci aus Hungen, dessen Schicksal seit Ende 2010 die ganze Region berührt, nimmt das transplantierte Knochenmark gut an. Dies ist die positive Nachricht, die sein Vater Bayram Travaci am Dienstag auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung mitteilen konnte.
01. Februar 2011, 21:45 Uhr
Der kleine Kayra Can Travaci aus Hungen.

Seinem Sohn gehe es von Tag zu Tag besser, sagte der Hungener, der die beiden Lebensmittelmärkte in Langgöns betreibt. Doch man müsse die nächsten drei bis fünf Wochen abwarten. Für Euphorie ist es also zu früh, doch mittlerweile dürfte das Bangen einem Hoffen ein Stück weit gewichen sein.

Wie die Gießener Allgemeine mehrfach berichtete, haben sich zahlreiche Menschen für die Rettung des Jungen eingesetzt, der, vor dem erneuten Ausbruch der heimtückischen Krankheit, Fußball beim TSV Hungen gespielt hat. Typisierungen fanden unter anderem in Hungen und Langgöns statt, Erlöse wurden für die Finanzierung der Typisierungen bestimmt und Spenden überreicht. Jede einzelne Typisierung eines potenziellen Spenders durch die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) kostet 50 Euro.

Für Kayra, seine Familie, seine Freunde, und alle anderen Menschen, die Anteil an seinem Schicksal nehmen, galt und gilt es, geduldig abzuwarten, ist es doch selten, dass das Knochenmark eines Spenders so passend ist, dass man eine Transplantation vornehmen kann und diese auch dauerhaft von Erfolg gekrönt ist. Je mehr Menschen sich also typisieren lassen, desto größer war und ist die Chance, Kayra oder einem anderen erkrankten Menschen helfen zu können.

Nur Vater und Mutter dürfen zu Kayra

Am 19. Januar fand die Transplantation des Knochenmarks statt, wie Bayram Travaci berichtet. Zuvor war in einem Chemotherapie-Block das aktive Knochenmark des Jungen zerstört worden. Der Siebenjährige aus Hungen ist von all den Strapazen und dem Eingriff mit der körperlichen Umstellung geschwächt. »Er steht wenig auf«, sagt sein Vater, der aber positiv nach vorn schaut, »wenn es so weitergeht, wenn die guten Zellen kommen«. Am Krankenbett in der Gießener Uniklinik sind Mutter und Vater die einzigen Besucher; Mundschutz und Kittel sind Pflicht. Ein Elternteil ist immer da. Andere Mitglieder der Familie können Kayra durch eine Scheibe sehen.

Einen Wehrmutstropfen hatte es gegeben, als Kayras Mutter eine Woche lang nicht ihren Sohn besuchen konnte, da sie sich einen Virus eingefangen hatte. Und den Schulunterricht verpasst der Junge auch nicht ganz, kommt doch eine Lehrerin von der Klinik zu Kayra, um ihm den Stoff zu vermitteln. »Das klappt recht gut«, berichtet sein Vater Bayram Travaci.

Nach 100 Tagen wächst die Hoffnung

Wie die Lage einzuschätzen ist, welche Geduld noch erforderlich ist, bis man der Freude freien Lauf lassen kann, verdeutlichte am Dienstag Yasemin Aydin von der DKMS in Köln. Der Gießener Allgemeinen sagte sie, dass man, wenn der Patient die ersten 100 Tage nach der Knochenmark-Transplantation gut überstanden habe, davon sprechen könne, dass er die Spende gut angenommen habe. Allerdings müsse Kayra in den nächsten zwei Jahren immer wieder Nachuntersuchungen über sich ergehen lassen, auch wenn diese nicht jeden Tag stattfinden werden.

Dass es in den ersten Wochen keine Abstoßung gegeben habe, sei statistisch nicht einzuordnen. Nicht zuletzt sei Vorsicht geboten, dass der Junge keinen Infekt bekomme, da sein Immunsystem derzeit besonders schwach und angreifbar ist. »Er muss versuchen, mit den neuen Zellen Fuß zu fassen. Das ist schwierig, denn es ist etwas Fremdes im Körper«, erklärt die Expertin von der DKMS. Aber: »Wenn es in den ersten Tagen gut läuft, dann ist das schön.«

»Wir drücken die Daumen, dass es gut wird«

Aydin verwies darauf, dass der noch junge Kayra mit dieser Krankheit bereits zum dritten Mal zu kämpfen hat. Beim ersten Mal wurde die Leukämie durch Chemotherapie zwischenzeitlich besiegt, beim zweiten Mal half eine Knochenmarkspende von Kayras Bruder. Nun also hat Kayra wieder eine Transplantation überstanden.

»Wir drücken die Daumen, dass es das letzte Mal gewesen ist und dass es gut wird«, sagt Yasemin Aydin. (Foto: Archiv)

Für die Aktionen »Hilfe für Kayra Can und andere!« kann weiterhin gespendet werden. Um die Typisierung in Langgöns voll finanzieren zu können, werden noch 10 666,80 Euro benötigt. Folgendes Konto steht zur Verfügung: DKMS Spendenkonto, Volksbank Mittelhessen, Konto-Nr. 48 837 115, BLZ 513 900 00; zudem gibt es eine allgemeine Kontoverbindung für die deutschlandweiten Aktionen »Hilfe für Kayra und andere!«: DKMS Spendenkonto, Sparkasse Dieburg, Konto-Nr. 110 130 796, BLZ 508 526 51.

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