02. September 2016, 15:13 Uhr

Inheidener Familienunternehmen IPV insolvent

Die Inheidener Produktions- und Vertriebsgesellschaft mbh, besser bekannt als Ezetil, hält händeringend Ausschau nach Investoren.
02. September 2016, 15:13 Uhr
Da ist die IPV-Welt am Inheidener See noch in Ordnung: (v. l.) Alexander Zorn, Anita Schneider, Manfred Zorn, Christian Zorn und Gabriele Zorn beim Besuch der Landrätin bei »Ezetil« im Sommer 2013. (Foto: pm)

Gießen/Hungen (no). Erst das Aktenzeichen: 6 IN 156/16. Dann die unter den amtlichen Insolvenzbekanntmachungen nachzulesende aktuelle Mitteilung: Im Insolvenzantragsverfahren über das Vermögen der Inheidener Produktions- und Vertriebsgesellschaft mbH (IPV) ist am 31. August die vorläufige Verwaltung des Firmenvermögens angeordnet worden. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Amtsgericht Gießen den Frankfurter Rechtsanwalt Dr. Jan Markus Plathner aus der Kanzlei Brinkmann und Kollegen. IPV? Nie gehört? Im Volksmund ist das 1949 gegründete Familienunternehmen besser bekannt unter seinem früheren Namen, der auch nach wie vor auf einer maßgeblichen Produktreihe steht, auf den Kühlboxen, die dort vertrieben werden: Ezetil.

Ausschau halten nach Investoren

Plathner sah sich gestern zunächst außerstande, Gründe für die Zahlungsunfähigkeit der IPV zu nennen. Er sei eben auf dem Weg nach Hungen, sagte er am Spätnachmittag im Gespräch mit dieser Zeitung, um sich ein genaues Bild zu machen. Von Umsatzeinbußen im vergangenen Jahr sei die Rede, auf die man nicht rechtzeitig mit Preisanpassungen habe reagieren können. Sein Ziel sei es freilich, das Geschäft zu sanieren, unterstrich der Insolvenzrechtler; »wie immer in solchen Fällen«. Einfach werde dies aber gewiss nicht sein. »Wir führen das Geschäft weiter und werden nach Investoren schauen. Ob’s gelingt, das ist offen.« Zunächst wolle man mit Insolvenzgeld die seit einem Monat ausstehenden Löhne zahlen.

Angehörige der Geschäftsleitung waren gestern – zumindest für Journalisten, die Fragen zum Unternehmen hatten – telefonisch nicht zu erreichen.

Im Internet bezeichnet sich die IPV als »international tätiges Produktions- und Vertriebsunternehmen mit Fertigungsbetrieben sowie Joint-Venture-Vertriebs- und Logistikpartnern in Deutschland, Tschechien, Italien, Russland, China, Indien und USA.

Die Firma IPV sei 1994 gegründet worden. Und zwar genau dort, wo Elizabeth und Wilhelm Zorn 1953 die Kühltaschenfirma Ezetil ins Leben gerufen hätten, ein Markenzeichen, das bis heute »Synonym für innovative und qualitativ hochwertige Produkte im Bereich mobiler Kühlung« sei.

Umfassendere Informationen zur IPV erhielt Landrätin Anita Schneider vor ziemlich genau drei Jahren, als sie das Unternehmen besuchte: 40 Mitarbeiter, 8000 Quadratmeter Lagerfläche, 26 Millionen Euro Umsatz, europaweiter Vertrieb, Marktanteil in einigen Segmenten von fast 40 Prozent. Diese »Kennzahlen« habe die Landrätin »anerkennend zur Kenntnis genommen«, hatte seinerzeit die Kreispressestelle berichtet. Und sie habe gelernt, was Winterschlitten, Thermobecher, Campingtoiletten und Kühltaschen gemeinsam haben. Sie alle, so war von Geschäftsführer Manfred Zorn gesagt worden, werden unter dem Dach der IPV hergestellt. Ursprünglich sei Ezetil übrigens 1949 im Vogelsbergkreis gegründet worden.

»Wir haben eine hervorragende Technik, so dass der Marktanteil von ›Ezetil» im Bereich der thermoelektrischen Kühlung aktuell bei rund 40 Prozent liegt«, wurde Manfred Zorn zitiert. Zudem produziere und vertreibe IPV Campingartikel der Marke »La Playa« sowie Schlitten und anderen winterlichen Rodelspaß der Marke »AlpenGaudi«.

»Ein interessantes Familienunternehmen«, hatte Schneider gemeint. »Für unsere Wirtschaftsregion sowie für die Sicherung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen sind Unternehmen wie IPV wichtig, weil sie beweisen, dass Betriebe hier gute infrastrukturelle Voraussetzungen finden.«

Tochterunternehmen in Annerod

Im Geschäftsjahr 2012/2013 hatten rund 1200 Lkw, 220 Container, 11 000 Stückgutpaletten und 15 000 Paketsendungen das Werk in Inheiden verlassen. Darin unter anderem 750 000 thermoelektrische Kühlboxen. »Besonders erfolgreich sind wir mit den neuen, energiesparenden Kühlboxen mit einem Energierating von A+ und sogar A++. Das schafft sonst keiner«, hatte der Geschäftsführer gesagt.

Neben Kühlsystemen für unterwegs sei IPV auf medizinischem Gebiet tätig, agiere als »delta-T« GmbH im Bereich spezieller Kühlkettenlösungen zum Transport von Medikamenten oder Organen. Das Tochterunternehmen hat seinen Sitz in Annerod.

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