17. April 2008, 16:41 Uhr

Im Kulturzentrum geht Integration durch den Magen

Hungen (us). Man nehme rote Linsen, Möhren, Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch und lege sie vertrauensvoll in die Hände von 20 munteren Frauen aus acht verschiedenen Ländern. Ein paar Stunden später kann man sich nicht nur ein köstliches Mittagessen schmecken lassen, sondern auch ein Stück gelungene Integrationsarbeit miterleben. So geschehen in Hungen wo die Teilnehmerinnen eines Sprachkurses zum nunmehr vierten Male die Gäste im »Café im Kulturzentrum« verköstigten.
17. April 2008, 16:41 Uhr
Integration geht auch durch den Magen: die Teilnehmerinnen des Hungener Frauen-Sprachkurses servierten im »Café im Kulturzentrum« deftige Gemüsesuppe; links Kursleiterin Aneta Linke. (Foto: us)

Seit August treffen sich die Frauen viermal wöchentlich vormittags, um Deutsch zu lernen. Für Kinderbetreuung ist gesorgt. Wenn der Kurs beendet ist, sollen die Teilnehmerinnen nicht nur eine Zertifikat in den Händen halten. Sie sollen auch Kontakte geknüpft und Einblicke in die Lebens- und Denkensweisen in Deutschland erhalten haben.

Die Anregung für den Kurs, den die Kreisvolkshochschule anbietet, kam gleich aus mehreren Arbeitsgruppen des »Bündnisses für Familien«. Ansatz war die Überlegung, dass Sprache ein wichtiger Baustein der Integration ist. Doch wie sollte man die Verbindung zu Migrantinnen, deren Alltag sich vorwiegend in der eigenen Familie abspielt, knüpfen? Am besten dort, wo ohnehin schon Kontakte bestehen: im Kindergarten. »Wir haben Frauen gezielt angesprochen«, berichtete Marita Molthan, die den ev. Kindergarten im Grassee leitet und sich nun auch privat für die Frauen engagiert. Jeden zweiten Donnerstag ist sie im Kurs zu Gast, um mit den Teilnehmerinnen über Themen zu reden, die alle bewegen: über Erziehungsfragen genauso wie über den unterschiedlichen Glauben, darüber, was sie von dieser Gesellschaft erwarten und wie sie sich selbst einbringen können. So entstand auch die Idee, im »Café im Kulturzentrum« Suppe zu servieren. »Da können die Frauen ihre Kompetenz nutzen, denn die meisten von ihnen sind sehr gute Köchinnen, sagt Marita Molthan.

Unter den Gästen, die es sich schmecken ließen, war gestern auch die Leiterin der Kreisvolkshochschule, Dr. Marieanne Ebsen-Lenz. Sie zeigte sich vom Konzept diese Kurses, der vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanziert wird, höchst angetan. Die Anbindung an den Kindergarten sei ideal, weil bereits ein Vertrauensverhältnis bestehe.

Aneta Linke, die den Kurs gemeinsam mit Iren Karl leitet, weiß zu schätzen, dass in diesem Lehrgang ausschließlich Frauen sitzen. »Da kommen alle Themen auf den Tisch«, sagt sie.

Ende Juni werden die Teilnehmerinnen, die aus der Türkei, aus Rumänien, Polen, Russland, Georgien, Italien, Serbien und aus dem Iran stammen, ihre Zertifikatsprüfung ablegen. Es geht es vor allem um die Fähigkeit, sich in Alltagssituationen sprachlich zurechtzufinden. Nach dem Sommer ist ein weiterer Frauen-Sprachkurs geplant, doch auch der Kontakt zu den jetzigen Teilnehmerinnen soll gehalten werde. Vielleicht über eine Gruppe, die regelmäßig im »Café im Kulturzentrum« kocht? Weitere Mitstreiterinnen, Deutsche wie Migrantinnen, sind herzlich willkommen: Kontakt über Marita Molthan, Telefon 06402/2324

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