21. April 2011, 12:45 Uhr

Hungen feiert 650-jähriges Stadtjubiläum

Hungen (us). Zur Feier der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1361 fand am Mittwochabend in der Hungener Stadthalle einFestabend statt. Zum Programm gehörten unter anderem ein Vortrag von Professor Adolf Hampel über Kaiser Karl IV. und ein historisches Spiel über die Reaktion auf die Verleihung der Stadtrechte im Hungener Rat.
21. April 2011, 12:45 Uhr
Aufregende Ratssitzung anno 1361: Die Urkunde über die Verleihung der Stadtrechte wird verlesen.

Wir schreiben das Jahr 1361. In Europa wütet die Pest, und die ständische Gesellschaft zementiert das Los der Menschen. Wer Herr ist und wer Knecht, steht von Geburt an fest. Doch für Hungen nimmt die Geschichte in jenem Jahr eine entscheidende Wende. Kaiser Karl IV. verleiht dem Dorf an der Horloff die Stadtrechte.

Die Urkunde wurde am 20. April 1361 in Nürnberg ausgestellt. Gestern, genau 650 Jahre später, erinnerte die Stadt an dieses bedeutsame Ereignis. Der Festakt in der Stadthalle war Auftakt zu einer ganzen Reihe von Veranstaltungen, die das Jubiläumsjahr bis in den Herbst hinein prägen werden. Ein Festvortrag von Prof. Adolf Hampel, ein historisches Spiel und ein Bericht über die archäologischen Ausgrabungen in der Unter- und Obertorstraße warfen auf ganz unterschiedliche Weise Schlaglichter auf die Stadtwerdung Hungens. Für musikalische Unterhaltung sorgten das Gitarrenduo »Intarsia« (Christiane Anderle, Andrea Reinelt) und das Saxophonquartett »Saxism«. Werner Leipoldt führte locker durchs Programm.

Hampel stellte Karl IV. ins Zentrum seiner Überlegungen. Die Nachwelt beurteile diesen Kaiser zwiespältig. War er ein »schlauer Biedermann«, gar ein Spießer? Oder die herausragende Herrscherpersönlichkeit zwischen Interregnum und Reformation? Jedenfalls sei er für seine Zeit ungewöhnlich friedfertig gewesen, sagte Hampel. Nicht mit der Waffe, sondern mit Hilfe von Diplomatie, Wirtschaftskraft und politischer Stärke habe er seinen Einflussbereich erweitert. Neben einer geschickten Heirats-, Kirchen- und Kulturpolitik hätten die Städte hätten dabei eine wichtige Rolle gespielt. Durch die Verleihung von Privilegien habe sich Karl IV. das aufstrebende, wirtschaftlich potente Bürgertum gewogen gemacht.

Wie die Nachricht von der Verleihung der Stadtrechte bei den Hungener Ratsherren seinerzeit die Runde machte, hatte sich mit viel Phantasie und Humor Klaus-Dieter Willers ausgemalt. Er war der Autor des kleinen Theaterstücks, das er mit seinen Kollegen des amtierenden Magistrats und drei Verwaltungsmitarbeitern einstudiert hatte. »Die Handlung ist frei erfunden - Zahlen, Daten, Fakten stimmen«, versicherte Willers. Und die Bezüge zur Gegenwart waren unverkennbar. Auch 1361 zerbrach sich der Stadtrat über schlechte Straßen, zu viel Unrat und zu wenig Geld den Kopf. Nur wo bleibt heutzutage der Bote, der mit der Erhebung zur Stadt auch neue Einnahmequellen in Form von jährlich wiederkehrenden Märkten verheißt? Immerhin: Die Zeiten sind sicherer geworden. Eine Stadtmauer, wie sie die Hungener seinerzeit bauten, wird heute nicht mehr gebraucht. Überreste der alten Befestigung sind aber noch vorhanden. Sie traten bei den Ausgrabungen zutage, die im Zuge des Umbaus von Unter- und Obertorstraße getätigt wurden (und im Mai fortgesetzt werden). Einzelheiten dazu erläuterte Franka Schwellnus vom Landesamt für Denkmalpflege. Bürgermeister Klaus Peter Weber hatte zu Beginn des Festakts zahlreiche Gäste begrüßt und darauf hingewiesen, dass in vielen Ländern der Erde heute noch Verhältnisse herrschen wie im Europa des 14. Jahrhunderts. »Ein bisschen Demut täte uns manchmal gut«, meinte er.

Gegen Ende des Programms wurden etliche Grußworte übermittelt. Auf der Liste der Gastredner standen Barbara Kröger, die Erste Stadträtin von Lich, der katholische Pfarrer Ulrich Neff, Dr. Vera Rupp (Landesamt für Denkmalpflege), Direktor Jörn Koppmann (Gesamtschule Hungen), Gabriele Dölling-Reichhardt (Gewerbeverein, Stadtmarketing) und Landrätin Anita Schneider, die eine besondere Überraschung mitgebracht hatte. Sie überreichte Stadträtin Andrea Krüger den Ehrenbrief des Landes Hessen (gesonderter Bericht folgt). (Fotos: us)

Bote aus Franken - Den Lacher des Abends erntete Thomas Weichmann, Bauexperte der Stadtverwaltung und gebürtiger Franke, der beim historischen Spiel in die Rolle des kaiserlichen Boten aus Nürnberg geschlüpft war. Er verabschiedete sich mit den Worten: »Und sollte mal wieder ein Abgesandter aus dem Frankenland kommen, dann macht ihn einfach zu Eurem Bauamtsleiter!«



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