03. Juni 2011, 23:15 Uhr

Europa in der Krise? - Hungen lässt sich nicht beirren

Hungen (us). Mit Reden sowie Musik vom Gesangverein »Liederkranz« und der Red Wing New Orleans Jazzband ist am Freitagabend die 20. Auflage der Europawoche eröffnet worden.
03. Juni 2011, 23:15 Uhr
In Hungen hat die Europawoche begonnen. Der Gesangverein »Liederkranz« Hungen umrahmte den offiziellen Teil der Eröffnungsfeier.

Europa steckt in der Krise - doch die Hungener sind bestimmt nicht dran schuld! Seit nunmehr 20 Jahren feiern sie unverdrossen vor Pfingsten die Europawoche. Mit einer nachdenklichen Rede von Bürgermeister Klaus Peter Weber und beschwingter Musik ist die Veranstaltungsreihe am Freitag eröffnet worden. Für den guten ton sorgten der Gesangverein »Liederkranz« Hungen und die Red Wing New Orleans Jazzband. Eingeladen hatte der Hungener Partnerschaftsverein.

Laut Weber soll die Europawoche dazu beitragen, dass das gemeinsame Europa kein Wunschtraum bleibt. Doch das vergangene Jahr habe mit der Schuldenkrise in Griechenland unter den Mitgliedsstaaten neue Fragen aufgeworfen. Das Misstrauen jener Staaten, die sich als finanzielle »Geberländer« verstehen sei gewachsen. Weber zitierte den früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt, der vier Hauptgründe für die Misere ausgemacht hat: die globale Finanzkrise, die übermäßige Verschuldung der USA, die mangelnde Wachsamkeit der EU-Institutionen und den national-egoistischen innenpolitischen Populismus in vielen EU-Ländern. Missstimmung mache sich breit. »Aber das bringt uns nicht weiter«, bemerkte Weber. Wer in Europa Fortschritte erzielen wolle, müsse bereit sein, sich über die ein oder andere Unzulänglichkeit und auch Ungerechtigkeit hinwegzusetzen. »Wenn Europa für uns lediglich den Charakter eines Geschäfts hat, bei dem jeder Teilnehmer nur auf seinen wirtschaftlichen Vorteil bedacht ist, dann können wir es auch sein lassen.« Weber forderte dazu auf, Begeisterung für Europa zu wecken, denn nur geeint könne man in der globalisierten Welt bestehen.

Auf die Bedeutung kommunaler Partnerschaften für den Prozess der europäischen Einigung wies Josef Tonner, der Vorsitzende des Hungener Partnerschaftsvereins, hin. Er freute sich, dass wieder eine große Delegation aus St. Bonnet de Mure gekommen sei. »Menschen finden auf der Grundlage von Partnerschaften leichter zusammen«, unterstrich Tonner. Das zeige auch das Beispiel von Hungen und St. Bonnet. Dennoch dürfe man nicht in dem Bemühen nachlassen, junge Menschen für den europäischen Gedanken zu gewinnen.

In diesem Sinne äußerte sich auch Jean-Pierre Jourdain, der Bürgermeister von St. Bonnet, der auf die exzellenten Beziehungen zwischen den beiden Städten hinwies. Sein besonderer Dank galt Bürgermeister Klaus Peter Weber, der im Dezember aus dem Amt scheiden wird. Er habe mit ihm gern zusammen gearbeitet und zusammen gefeiert und hoffe, dass man sich auch weiter freundschaftlich begegnen werde.

Seinen ersten offiziellen Termin abseits der Kreispolitik absolvierte der neue Kreistagsvorsitzende Karl-Heinz Funck, der auch die Grüße von Landrätin Anita Schneider übermittelte. Funck erinnerte sich an seine erste Begegnung mit »Europa«: Vor bald 50 Jahren hörte er in Düsseldorf Charles de Gaulle reden. Begeisternd sei das gewesen. In Anbetracht der aktuellen Schwierigkeiten - Bürokratie, Finanzkrise, Dissens zur Atomkraft - machte er den Hungenern Mut, in ihren Bemühungen auf lokaler Ebene fortzufahren.

Die Reden wurden durch Darbietungen des Gesangvereins »Liederkranz« unter Leitung von Jürgen Schöffmann aufgelockert. Am Klavier begleitete Ingeborg Stark, Nora Stegmann-Schnurr moderierte zweisprachig. Zu den Klängen der Red Wing New Orleans Jazz Band um Adolf Klapproth aus Laubach klang der Abend bei Wein und Häppchen aus. Zu Beginn hatte Bürgermeister Weber eine ganze Reihe von Gästen namentlich begrüßt, darunter auch den Bundestagsabgeordneten Rüdiger Veit und Willi Kreutschmann, der die Europawoche vor 20 Jahren initiiert hatte. Die nächsten Veranstaltungen sind am morgigen Sonntag die Europaregatta auf dem Inheidener See und am Montag um 18.30 Uhr der musikalische Abend der Schulen in der Stadthalle. Am Dienstag lädt die Gesamtschule um 20 Uhr zum »Politischen Abend mit Nicola Beer«. (Foto: us)

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