13. November 2009, 18:02 Uhr

Emotionsgeladene Debatte bei Informationsveranstaltung des Basaltwerks Nickel

Hungen/Nidda (dv). Am Donnerstag gab es im Dorfgemeinschaftshaus Ober-Widdersheim kaum einen freien Platz mehr. Das Basaltwerk Nickel hatte zur Info-Veranstaltung eingeladen.
13. November 2009, 18:02 Uhr

Hungen/Nidda (dv). Am Donnerstag gab es im Dorfgemeinschaftshaus Ober-Widdersheim kaum einen freien Platz mehr. Das Basaltwerk Nickel hatte zur Info-Veranstaltung eingeladen. Geschäftsführerin Dr. Bettina Nickel begrüßte die Besucher und sagte, Anliegen sei, die Öffentlichkeit über geplante Veränderungen und Maßnahmen im Werk zu informieren. Doch dabei blieb es nicht. Etliche Bürger hatten kritische und emotionale Fragen und Statements zum Abbau und Transport. Moniert wurden Lärm, Emissionen, Geruchsbelästigung und der Lastwagenverkehr.

Nachdem sich das Podium mit Geschäftsführerin Bettina Nickel, Geschäftsführer Norbert Heitzenröther, Diplom-Ingenieur Uwe Hank als Technischer Leiter und Diplom-Ingenieur Jochen Schmidt, verantwortlich für die Asphaltmischanlage vorstellte, standen die Veränderungen an. Der Abbau in Ober-Widdersheim werde zukünftig auch im Werk Unter-Widdersheim verarbeitet. Dies bedeute aber keine Kapazitätsausweitung, führte Hank aus. Generell werde zehn Monate von März bis Dezember gearbeitet. Für den Transport des Abbaus in Ober-Widdersheim zur Verarbeitung werde eine Straße gebaut, die mit einer Brücke über die Main-Kinzig-Bahn führt. Der Feldweg von Steinheim nach Ober-Widdersheim werde Sackgasse, für Radfahrer und Fußgänger werde dafür ein Weg unter der Brücke gebaut. Eine Emissionsschutzpflanzung von 4,2 Hektar sei bereits angelegt, weitere 2,3 Hektar Ersatzfläche seien vorgesehen. 100 000 Euro habe man für ökologische Waldstilllegungen und Fledermausschutz aufgewendet.

Zu im Raum stehenden Vorwürfen über Lärmbelästigungen sagte Hank, 2006 seien die neue Halde und der Steinbrecher genehmigt worden. Ein weiteres Lärmgutachten sei in Auftrag gegeben und die betrieblichen Warneinrichtungen seien umgerüstet und leise geworden. In Richtung Steinheim sei ein Erdwall beantragt.

Zu Immissionen äußerte sich Schmidt. Drei Filter und eine Nassstaubanlage arbeiteten und würden alle drei Jahre auf Einhaltung der Grenzwerte geprüft. Die Frachtwege würden nass gehalten, um Staub zu vermeiden. Schmidt wies ferner darauf hin, dass der oft zitierte Teer schon seit den 70er Jahren verboten sei, es werde mit Asphalt gearbeitet. Bei 160 Grad Verarbeitungstemperatur entstünden Dämpfe und Aerosole, die aber nicht gesundheitsgefährdend seien. Vier Institute seien unabhängig voneinander zu diesem Ergebnis gekommen.

Als erster aus dem Publikum meldete sich Gunter Schmidt aus Steinheim als Vertreter der Bürgerinitiative Steinheim-Widdersheim. Die BI richte sich nicht gegen den Steinbruch an sich, sondern man wolle erreichen, dass die Lebensqualität in den umliegenden Ortschaften erhalten bleibt. Der vorgesehene Erdwall sei ein positives Signal. Heitzenröther bestätigte aus Erfahrung, dass die Probleme nur im Gespräch zu lösen seien. Es sei schon viel gemacht, man halte sich an die Verträge mit Hungen.

Aus Steinheim kam die Frage, warum Nachtarbeit und wieso morgens um fünf Uhr Bitumengestank sich in Steinheim breit mache. Am kritisierten nächtlichen Lärm entzündete sich die Diskussion. Die Aussage Hanks, das große Förderband laufe nachts nicht, wurde in Zweifel gezogen. Dass der Bitumengeruch nicht vom Werk sondern von den durchfahrenden Lastwagen komme, wurde nicht ernst genommen. Der Ton verschärfte sich und es prallte Meinung auf Meinung. Hank bot an, gemeinsam die Ursachen der Belästigungen aufzuspüren, nur dann könne wirklich etwas verbessert werden. Für den nachts arbeitenden Steinbrecher könne ein neues Lärmgutachten erstellt werden. Allerdings sei eine Ummantelung mit Kosten und Erschwernissen für die Mitarbeiter verbunden.

72 Durchfahrten pro Tag registriert

Die Feststellung, dass die Belästigungen in den letzten Monaten zugenommen hätten, wurde bestätigt. Die Ursache liege am Konjunkturprogramm der Regierung, durch das eine große Nachfrage nach Asphalt entstanden war, und so die Kapazität voll ausgelastet werden musste. Hier werde bald eine Beruhigung eintreten.

Weiteres Thema war die Belastung durch Sprengungen in Unter-Widdersheim. Eine Umstellung der Sprengungen hätte Lautstärke und Anzahl verringern sollen. Doch nach Aussage eines betroffenen Ehepaars sei eher das Gegenteil der Fall. Dem wurde entgegnet, mehrfache Messungen bei ihrem Haus seien im zulässigen Bereich gewesen, auch bliebe man bewusst um einiges unter den Grenzwerten.

Zum Vorwurf der zu vielen, zu früh und zu schnell fahrenden Lastwagen durch Steinheim sagte Nickel, dass sie ihre Kunden auf die Situation hingewiesen und entsprechende Auflagen an die Fahrer angemahnt hätten. Letztlich sei dies aber außerhalb ihres direkten Einflusses. Auch seien nur 30 Prozent der durch Steinheim fahrenden LKW Fahrzeuge zum und vom Steinbruch. Die Abholstatistik weise in acht Tagen 572 Durchfahrten aus (je zur Hälfte leer und voll), was 72 pro Tag entspricht. Teilweise wurden die Aussagen aus dem Hause Nickel kritisch gesehen und es blieb einiges an Unzufriedenheit im Raum. Dennoch war der Schluss versöhnlich mit dem Beitrag eines Steinheimers, der zur Besonnenheit mahnte und nur im Dialog Lösungen sieht.

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