09. Oktober 2015, 18:13 Uhr

Besucherschwund auf dem Hungener Wochenmarkt

Hungen (us/tr). Die Begeisterung war groß am 25. März 2004. 25 Händler und Hunderte Besucher machten damals den ersten Wochen- und Bauernmarkt zu einem Erfolg. Das ist lange her. Aktuell bietet sich ein anderes Bild.
09. Oktober 2015, 18:13 Uhr
Ziemlich übersichtlich: Die Zahl der Händler auf dem Wochenmarkt ist geschrumpft, die der Kunden ebenfalls. (Foto: us)

Nur noch sechs Beschicker bauen momentan ihre Stände rund um Markthalle und Backhaus auf. Die Zahl der Kunden ist ebenfalls überschaubar. Deshalb hat die Stadt die Initiative ergriffen. Sie will in den kommenden Monaten kräftig die Werbetrommel rühren, damit der Wochenmarkt, der mit Fördergeldern der Stadtsanierung installiert wurde, am Leben erhalten bleiben kann.

Rund 12 000 Einwohner leben in der Großgemeinde Hungen. »Wo sind die alle bloß?«, fragt sich Andrea Vogt, die am Stand von Obstbau Stelz Äpfel feilbietet. Normalerweise ist das der Job ihres Vaters, doch der ist in Inheiden mit der Ernte beschäftigt.

Einige Stammkunden halten dem Markt fest die Treue. Einer von ihnen ist Horst Reichhardt. Er schätzt die Frische der Produkte aus der Region, die Atmosphäre – »und dass ich ein Schwätzchen halten kann«. Der Wochenmarkt könnte mehr Menschen von Reichhardts Sorte gebrauchen. Doch leider sei die Besucherzahl gerade im vergangenen Jahr kontinuierlich zurückgegangen, berichten die Händler. Wegen mangelnder Umsätze haben etliche aufgegeben. Der Bäcker ist weg, der Käsewagen ebenfalls, und vor einer Woche hat sich auch der Metzger verabschiedet. Die verbliebenen Beschicker, die allesamt aus dem Kreis Gießen und der Wetterau kommen, wollen dem Hungener Markt aber weiter die Stange halten. Fischhändlerin Andrea Litzke aus Muschenheim zum Beispiel hat zahlreiche treue Stammkunden, und auch Blumenverkäufer Kai Späth will nicht klagen. Doch die Händler befürchten, dass bei reduziertem Angebot immer weniger Kunden donnerstags in die Hungener Innenstadt kommen, und wenn die Umsätze sinken, bleiben womöglich weitere Beschicker weg. Ein Teufelskreis.

Damit es nicht soweit kommt, hat die Stadt jetzt die Initiative ergriffen. Bei einem Gespräch mit den Standbetreibern wurden am Mittwoch Wege aus der Krise erörtert. »Auch andere Märkte haben Schwierigkeiten«, sagt Bürgermeister Rainer Wengorsch. Woran das liegt? »Vielleicht daran, dass man regionale Produkte mittlerweile auch im Lebensmittel-Einzelhandel findet.« Aber so leicht will sich die Stadt nicht geschlagen geben. Der Markt sei wertvoll für Hungen als Beitrag zur Belebung des Zentrums, sagt Wengorsch. Genau deshalb sei er vor mehr als einem Jahrzehnt auch aus Mitteln der Stadtsanierung gefördert worden.

Mit Werbemaßnahmen will die Kommune den Händlern unter die Arme greifen. Geplant sind große Banner in den Straßen, Anzeigen im örtlichen Mitteilungsblatt und besondere Veranstaltungen vier- oder sechsmal im Jahr. Solche Markt-Specials, organisiert von Anke Erbeck, hat es in der Vergangenheit regelmäßig gegeben, etwa zu Ostern oder zur Europawoche. »Dann kommen gleich doppelt so viele Besucher«, hat Andrea Vogt beobachtet.

Vor allem aber soll versucht werden, das Angebot wieder auszuweiten. Bei der Eröffnung vor elf Jahren war es üppig: Brot und Kuchen, Kartoffeln und Gemüse, Fleisch- und Wurstwaren, Fisch und Käse, Blumen, Kräuter, Tee, Saft und und Feinkost. Davon übrig geblieben sind je zwei Blumen- und Gemüsehändler, ein Fischwagen und ein Obstbauer. Das soll sich in Zukunft möglichst ändern. Von großer Bedeutung wäre laut Wengorsch ein Bäcker, der auch das Backhaus betreibt, dort Kaffee ausschenkt und Stückchen anbietet, damit die Marktbesucher einen Treffpunkt haben. Auf der Wunschliste der Händler stehen zudem ein Metzger und ein Käsehändler. Damit wäre das Angebot wieder ziemlich rund.



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