26. Mai 2010, 17:28 Uhr

300 Puten aus Gehege in Bellersheim »befreit«

Hungen (mlu). Als der Bellersheimer Putenzüchter Torsten Müller am Morgen des 2. Mai seinen Hof betrat, mochte er sich einen Moment lang wie Mr. Jones aus George Orwells Roman »Animal Farm« gefühlt haben. Etwa 300 Puten tummelten sich fröhlich auf seinem Innenhof, ohne auf die Beete von Ehefrau Sabine besondere Rücksicht zu nehmen. Allerdings hatten sich die Tiere nicht selbst befreit.
26. Mai 2010, 17:28 Uhr
Wegen Umbauarbeiten waren die Tiere vorübergehend in dieser behelfsmäßig abgeriegelten Maschinen- und Getreidehalle untergebracht.

Es kostete Müller einige Anstrengung, die Tiere einzufangen und das Gelände zu reinigen. »Ein Bubenstreich«, dachte der Züchter zunächst, denn offensichtlich war der provisorische Verschlag absichtlich geöffnet worden. Wegen Umbauarbeiten befanden sich die Tiere in der behelfsmäßig abgeriegelten Maschinen- und Getreidehalle. Technisch gesehen sei das für die anspruchslosen Tiere kein Problem gewesen, so Müller.

Dass sein Widersacher nicht im »Mairausch« gehandelt hatte, erkannte der Putenzüchter, als sich der Vorfall eine Woche später wiederholte. Kurzerhand besorgte Müller sich daraufhin eine Überwachungskamera mit Bewegungsmelder und Lampe, die er so installierte, dass sie die Scheune im Blick behielt.

Einige Tage später lieferte die Kamera tatsächlich das Bild eines nächtlichen Eindringlings. Zu sehen ist ein Mann, der in der Vergangenheit bereits mehrfach als Gegner der Putenzuchtanlage aufgetreten war. Er lehnt rücklings gegen das Absperrgitter vor dem provisorischen Putengehege, das Gesicht dem Kameraauge zugewandt. Geschehen ist in dieser Nacht allerdings nichts. Trotzdem hat Müller einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Strafanzeige wurde nach Auskunft der Polizei bislang nicht erstattet. Warum sich die Person nachts auf seinem Gelände befand und ob es sich dabei auch um den Saboteur handelt, ist ungewiss. Zu einer Stellungnahme war der Mann im Gespräch mit dieser Zeitung nicht bereit.

Seit 30 Jahren handelt der Bellersheimer Burghof mit Putenerzeugnissen. 3000 Masttiere befinden sich derzeit in den Hofstallungen des Betreibers, 10 000 weitere in mehreren, außerhalb des Dorfes gelegenen Hallen. Dass der Betrieb nicht zuletzt wegen der Geruchsbelästigung auch kritisch gesehen wird, ist nicht neu. Als Müller vor etwa zwei Jahren eine weitere Halle mit rund 2500 Zuchttieren bei Hungen errichtete, sah er sich erneut mit dem Widerstand aus politischen Gremien konfrontiert. Mit den unlängst verübten Sabotageakten und der Kameraaufzeichnung, die eventuell Hinweise auf den möglichen Täter liefert, erhält der Konflikt eine neue Qualität. (Foto: mlu)

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