09. Dezember 2008, 12:36 Uhr

»Lösung, die städtischen Ansprüchen gerecht wird«

Grünberg (tb). Mit der umfassenden Neuordnung des Areals im Hegweg gehen Grünbergs Stadtväter seit Mitte der 90-Jahre schwanger. Bereits ein erstes Einzelhandelsgutachten forderte damals den »großen Wurf«.
09. Dezember 2008, 12:36 Uhr
Lageskizze für die städtebauliche Neuordnung der Höfetränke, der Altbestand wird abgerissen, ein moderner Markt soll entstehen.

Jetzt endlich könnte er gelingen. Laut Investor, der GAB-Projektentwicklungs GmbH & Co. KG (Wettenberg), ist eine wesentliche Voraussetzung gegeben, die Grundstücksfrage geklärt (dass deren Beantwortung ob der vielen Eigner nicht leicht war, ist bekannt). Entscheidend, so sieht es auch der Investor, war die Aufnahme des Viertels in das neue Städtebauförderungsprogramm (»Innenstadt II«). Dank der Zuschüsse sei eine Rentabilität nun erst zu erzielen. Gestern Abend wurde die Planung des Grünberger Architekten Felix Feldmann erstmals im Bauausschuss der Öffentlichkeit präsentiert. Kerndaten des Kernstücks der Planung, ein neuer Markt, sind eine Verkaufsfläche von 1500 qm und eine Nutzfläche von 1900 qm (ohne Rampe).

Reiner Deubel, Geschäftsführender »GAB«-Gesellschafter, erinnerte als Investor daran, dass vor gut einem Jahr seine Projektentwicklungs GmbH den »kleinen Wettbewerb« um die Realisierung des Projektes gewonnen hatte. Was folgte, war - unter anderem - die Weiterentwicklung der Planung. Erste wesentliche Veränderung gegenüber dem Erstenwurf: Der Kopfbau stelle sich jetzt aufgelockerter dar.

Zunächst war dieser mehrgeschossig, mit Giebeldächern und größer vorgesehen. Aus Gesprächen mit den Städteplanern, dem Büro »Umbau Stadt«, und der Denkmalpflege resultierte die Reduzierung wie auch Neugestaltung des Baukörpers. Der Zielvorgabe, die städtebauliche Dominanz des Kopfbaus zu reduzieren, werde man nun gerecht. Wie das? Der Vorbau ist nurmehr eingeschossig, seine Ausmaße sind kleiner (was auch Platz für Parkplätze schuf). Die Architektur nimmt eine Würfelform auf, ist modern aufgelöst, eine leichte Stützenstruktur trägt das Vordach. Architekt Felix Feldmann: »Eine Lösung, die städtischen Ansprüchen gerecht wird.« Die daher »massiv«, »moderner als ein Giebeldach« sein müsse. Ob der Höhe der »Markthalle« von nur 7 bis 7,5 Meter - die vordere Baugrenze beginnt etwa einen Meter hinter der des ehemaligen Schuhhauses - bleibe die historische Stadt-Silhouette erhalten, vor allem die optische Dominanz des Barfüßerklosters unberührt. Als Nutzungen stellen sich Investor und Planer kleine Läden, etwa Bäckerei, Gastronomie oder etwa einen Bankschalter/Bankomat vor.

Zur Diebsturmstraße hin schließt sich der rückwärtige, fünf Meter hohe Teil im »Typus eines Marktbaus« (Feldmann) an. Hier wird der eigentliche neue »Rewe«-Lebensmittelmarkt mit »Frischegasse« und Getränkeabteilung zu finden sein.

Der Erhalt der Nahversorgung für die Altstadtbewohner und mithin eines wichtigen Frequenzbringers für den Einzelhandel gehört bekanntlich zu den Zielsetzungen, bei denen sich Grünbergs Stadtväter völlig einig sind. Der Rewe-Markt ist, wiewohl längst nicht mehr den Anforderungen in puncto Parkplätzen und Verkaufsfläche genügend, der Letzte seiner Zunft, alle anderen sind längst auf die Grüne Wiese abgewandert.

Zweite wesentliche Änderung gegenüber dem Erstentwurf: Statt Parkplätzen findet sich auf dem Dach nun eine extensive Begrünung. Womit man, so Bürgermeister Frank Ide, den Wünschen nicht nur der Denkmalpflege entsprochen habe. Durchaus, hätte sich doch dem Betrachter von der höher gelegenen Gießener und Bismarckstraße der Anblick von Blechkarossen geboten. Wie Architekt Feldmann anfügte, werden auch die Wände des eigentlichen Marktgebäudes begrünt, ebenso Bäume werden zur Kaschierung beitragen - und das nach Norden ansteigende Gelände trägt das Seinige bei.

Fragen der Parlamentarier betrafen gestern Abend vor allem Andienung und verkehrliche Erschließung. »Wir haben das Möglichste zur Entzerrung getan«, versicherte Feldmann. Zwei Zufahrten werden so geschaffen, eine von der Bismarckstraße unterhalb des Kinos (weiter gemeinsame Parkplatznutzung), eine vom Hegweg aus. Die Lkw-Anlieferung erfolgt nur von der Bismarckstraße her (samt Rückwärts-Rangieren an die Rampe im Hegweg, siehe Skizze). Dass der Pkw-Verkehr natürlich den Verkehrsknoten an der Höfetränke weiter belasten werde, sei klar, doch nicht völlig zu vermeiden (dass ein Kreisel von den Städteplanern ausgeschlossen werde, das beachte im Übrigen der Entwurf).

Holger Fischer, mit der Bauleitplanung beauftragt, versicherte, zügig den B-Plan voranzubringen. Auf dass das Stadtparlament im April 2009 den Satzungsbeschluss fassen kann. Was die Baugenehmigung betrifft, so hätten Vorgespräche gezeigt, sei dies hier »relativ unkritisch«. Von daher könnten die Bagger schon bald zum »großen Wurf« ansetzen.



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