09. April 2009, 17:52 Uhr

In 25 Jahren viele Rollen und eine große Rolle gespielt

Grünberg (dis). Am Anfang stand 1984 ein liebevoll handgezeichnetes Plakat: »Wer hat Lust an einer Theater-AG? Geplant ist die Erarbeitung des Stücks ›Unsere kleine Stadt‹ von Thornton Wilder.« So begann die erste Theaterproduktion an der Theo-Koch-Schule, die im Sommer 1985 mit großem Erfolg zur Aufführung gelangte.
09. April 2009, 17:52 Uhr
Die Tanztheater-Gruppe zeigte die Aufführung »Zeitsprünge«. (Fotos: pm/dis)

Grünberg (dis). Am Anfang stand 1984 ein liebevoll handgezeichnetes Plakat: »Wer hat Lust an einer Theater-AG? Geplant ist die Erarbeitung des Stücks ›Unsere kleine Stadt‹ von Thornton Wilder.« So begann die erste Theaterproduktion an der Theo-Koch-Schule, die im Sommer 1985 mit großem Erfolg zur Aufführung gelangte. Damals war die Arbeit noch recht konventionell, sehr auf den Text bezogen, aber die Freude der jungen Darsteller am Spiel und daran, sich in anderen Rollen auszuprobieren, stand von Beginn an im Vordergrund. Seither treffen sich freitags die Theaterleute der AG der Jahrgänge 11 bis 13. Wenn das neue Stück in die heiße Probenphase gelangt, wenn die letzten Wochen vor der Aufführung anbrechen, dann wird auch ein langer Probenfreitag daraus oder ein ganzes Probenwochenende.

Die Theater-AG ist auch bekannt unter dem klangvollen Namen »Buschwindröschen«, von dem niemand mehr genau weiß, wie er denn zustande kam. Die »Buschwindröschen« sind Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 11 bis 13, die, in jeweils neuer Besetzung in jedem Jahr ein Theaterstück erarbeiten, das am Ende des Schuljahres öffentlich aufgeführt wird. Bei der Auswahl der Stücke wird viel Wert darauf gelegt, dass die Schüler ein breites Spektrum dessen erfahren, was mit Theaterarbeit zu tun hat und möglichst viele Formen des Spiels kennenlernen: Maskenspiel, Bewegungs- und Tanztheater, textorientiertes Sprechtheater, Pantomime - von der Umsetzung von Märchentexten für Kinder (»Ophelias Schattentheater« von Michael Ende) bis zur Bearbeitung von »Klassikern« (»Sommernachtstraum« von Shakespeare oder einer Adaption von Goethes »Urfaust«).

Was die Jugendlichen dabei lernen, ist vielfältig: das Annähern an einen Text durch Improvisationen, darstellerische Grundtechniken, Sprech- und Stimmtechnik, das Aufbauen einer Rollenfigur, die Dramaturgie eines Stücks - sei es einer Eigenproduktion oder der Adaption einer Stückvorlage - und vieles mehr. Darüber hinaus bestimmen die Schüler den gesamten Prozess der Arbeit am Stück mit. Sie erstellen Raum- Bühnen- und Lichtkonzepte, gestalten Plakat und Programmheft. Neben der Produktion eines abendfüllenden Stücks pro Schuljahr wurden in der AG auch kürzere Szenen und szenische Bilder zu besonderen Anlässen entwickelt: zur Abiturfeier an der Theo-Koch-Schule, zum Tag der Menschenrechte oder zu Jubiläen der Partnerschaft Condom - Mragowo - Grünberg.

Seit 2006 gibt es die Theater-AG für die Jahrgangsstufen 5 und 6, die mit ihrer ersten Produktion »Die Suche nach dem Prinzen« ihr Bühnendebüt gab. Seit 2003 setzt die Tanztheater-AG (Jahrgangsstufen 11 bis 13) interessante Bewegungsakzente mit ihren ausgefeilten Projekten.

Theater wirkt vielfältig

Im Schuljahr 1997/98 wurde an der TKS das Fach Darstellendes Spiel (DS) eingerichtet. Die Schüler der Oberstufe können wählen, in welchem Bereich sie sich künstlerisch ausdrücken möchten: in Musik, Bildender Kunst oder im Darstellenden Spiel/Theater. Ein anspruchsvoller und interessanter Rahmenplan bietet den jungen Menschen im Fach DS die Chance, in Jahresprojekten im Team mit anderen zusammenzuarbeiten und Schlüsselqualifikationen zu erwerben, die für ihre Persönlichkeitsentwicklung und ihre berufliche Laufbahn von großem Nutzen sein können: Theaterunterricht verbindet Körper, Seele und Geist, hat projektorientiertes Arbeiten zum Ziel, fördert Team- und Kommunikationsfähigkeit, schult Ausstrahlung und Authentizität, verbessert Sprach- und Ausdrucksfähigkeit und erfordert Flexibilität, Toleranz und Selbstkritik. Drei in dem Fach ausgebildete Lehrerinnen (Ingrid Chiroiu, Jutta Mandler, Chris Sima) setzen dabei im Unterricht die entscheidenden kreativen Impulse, führen ein in Dramaturgie, Theatergeschichte und Theatertheorie.

Orte jenseits der Bühne genutzt

Das Theater hat sich inzwischen »breit gemacht« an der TKS, hat mit interessanten erfolgreichen Aufführungen über die Schule hinaus auf sich aufmerksam gemacht. Auch räumlich ist es über die Bühne und die Aula hinausgewachsen. Es hat im »Sommernachtstraum« die »Naturbühne« der Schule entdeckt, hat die Zuschauer auf die Bühne gesetzt und die Darsteller im Boxring spielen lassen (»Frauen sind anders«), hat das Foyer in Haus E in einen Bahnhof verwandelt (»Bahnhöfe - Menschen - das ganz normale Chaos«) oder in einen Marktplatz (»Begegnungen«), ist aus der Schule auf den Grünberger Marktplatz umgezogen (»Commedia dell’Arte - Arlecchino & Co.«) und hat die Zuschauenden durch die Stadt Grünberg geführt (»Grimmicher Geschichten«). In Kooperation mit der Stadt Grünberg tragen die TKS-Theatermacher zur Eröffnung des Gallusmarktes bei, und in der Schule setzen sie als Teil des Schulprofils auch fächerübergreifend Akzente (mit Musik und Bildender Kunst).

»Armes Theater« im Sinne Peter Brooks ist es geblieben. Nicht der technische Aufwand gibt den Ausschlag, sondern der menschliche Körper im Raum: das Spiel der jungen Menschen. Und wenn gelegentlich Hilfe für ein Projekt gebraucht wurde, wenn das Spendengeld des Publikums nicht ausreichte, wurden im Förderverein der TKS, der Sparkasse Grünberg und dem Lehrerkabarett »(B)Ohrwürmer« immer Förderer gefunden.

Mit Preisen ausgezeichnet

Engagiert haben sich die Theaterschüler jederzeit. Dieses Engagement wurde belohnt mit Applaus des Publikums und durch besondere Auszeichnungen: Mit der Eigenproduktion »Fremdsein - eine Definition« gewann die Theater-AG 2001 bei dem bundesweiten Jugendwettbewerb der Victor-Klemperer-Stiftung »Kreativ für Demokratie und Toleranz« in Berlin unter 1800 Einsendungen einen hoch dotierten Preis; 2004 erhielten die Schüler der Theater-AG (11 bis 13) für das Projekt »Kindertransport - Überleben in einer fremden Welt« den Bündnispreis für Engagement und Zivilcourage.

Für die zukünftige Arbeit wünschen sich die am Theatermacher der TKS weiterhin ein offenes, kritisches Publikum, das die vielfältigen Theaterangebote unterstützt.



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