04. November 2015, 15:08 Uhr

Holzdieb von Lumda gefasst

Gießen/Grünberg (bf/no). Da sage noch jemand, früher sei alles besser gewesen. Vieles vielleicht, aber nicht alles, wie dieses Beispiel zeigt: Polizei und Forstbehörden kamen unlängst wieder einmal einem Holzdieb auf die Schliche – dank eines GPS gestützten Ortungstransmitters.
04. November 2015, 15:08 Uhr
Holz sollte nur aus dem Wald holen, wer es auch gekauft hat: Die Forstbehörden setzen verstärkt auf GPS gestützte Ortungstransmitter – mit Erfolg. (Foto: pv)

Der »Minisender« war nämlich gut getarnt im Diebesgut versteckt; feinstem Schnittholz, das die dort verantwortlichen Wettenberger Grünröcke genau an jener Stelle im Staatswald bei Lumda gelagert hatten, wo im Frühjahr schon einmal ein Unbekannter zugelangt hatte. Erwischt wurde ein 32-Jähriger. Dem Mann aus Lumda konnte nicht nur ein aktuelles Vergehen nachgewiesen werden. Er war nach Ansicht der Ermittler auch genau derjenige, der vor einem halben Jahr an der alten Pflanzgartenhütte Holz gestohlen hatte. Nun wird sich er sich vor Gericht verantworten müssen.

Holz vom Frühjahr bereits verbaut

Es war vor knapp zwei Wochen, am 22. Oktober, als gegen 23 Uhr die Technik zuverlässig alarmierte. Bedienstete des Forstamtes erhielten per SMS und Mail den Hinweis, dass das präparierte Holz eben gerade Beine bekommen hat. Kaum war das damit beladene Fahrzeug auf der Straße Richtung Weitershain angekommen, konnten die Verfolger den Transportweg in Echtzeit am Bildschirm erleben. Ihr Empfänger zeigte ihnen sogar die Geschwindigkeit an – auf dem ersten Straßenabschnitt waren’s 63 km/h.

Was tun? Sollte man mit Amtshilfe der Polizei Grünberg noch während des Transportes einschreiten? Die Ermittler blieben gelassen, vertrauten dem Tracker: Möge der Dieb doch die Marschroute vorgeben und sagen, wo’s langgeht. Über Bernsfeld führte die Reise nach Burg-Gemünden. Endstation war ein Gartengrundstück am Ortsrand.

Noch in der Nacht konnten die Forstleute in Beisein der Alsfelder Polizei den Peilsender als Beweis sicherstellen. Da schlummerte der Dieb womöglich schon wieder ruhig in seinem Bett, merkte von alle dem nichts. Dem nicht genug: An besagter Örtlichkeit fand sich zur Freude der Ermittler zusätzlich noch das Holz aus dem Diebstahl vom Frühsommer – allerdings in bereits verbauter Form an einem Gartenschuppen. Anhand verschiedener Merkmale konnte es zweifelsfrei identifiziert werden.

Harald Voll, Leiter des Forstamtes Wettenberg, sagte dazu erklärend, dass dies alles keine Zauberei sei: »Elektronisch gesicherte Ware kennt jedermann seit langem aus dem Einzelhandel.« Diese Schutzsysteme seien in vielen Bereichen anzutreffen. Und die Genauigkeit der GPS-Ortung wisse zu schätzen, wer ein gutes Navigationsgerät im eigenen Fahrzeug benutze. »Wenn beide Systeme zusammengeführt werden, eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten. In der Forstwirtschaft hat modernste Technik längst Einzug gehalten, nicht nur bei den großen Forstmaschinen, auch im ganz Kleinen.«

Man brauche keinen Schlagbaum und keine Aufpasser am Waldeingang mehr. Da helfe technisches Gerät, das »mittlerweile immer kleiner, preiswerter und zuverlässiger geworden ist – und absolut wetterfest«. Die miniaturisierten Ortungstransmitter könnten »für das menschliche Auge so gut wie unsichtbar« an fast jedem Stück Holz angebracht werden. Für Voll steht spätestens seit diesem Coup fest: »Das Ergebnis mit dieser Technik war so überzeugend, dass deren Einsatz zweifelsfrei weiter ausgedehnt wird.« In naher Zukunft lagere daher kaum noch ein ungeschütztes Holzpolter im Wald. Man brauche ja nur ein einziges Stück Holz aus dem ganzen Stapel damit versehen – »und das kann überall liegen«.

Und was sagen die übrigen Grünberger zu alle dem? Sie bedienen sich womöglich schmunzelnd einer lokalen Volksweisheit, über die alle lachen, nur der Betroffene nicht: »Die Limmer vo Lomm …«



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