26. November 2010, 22:58 Uhr

Grünberg/Gießen: Energiesparen in Kirchen

Grünberg (pm). Klimawandel, Photovoltaik, Erdwärme und Denkmalschutz, Ökostrom und Energieträgerwechsel - auch Kirchenvertreter machen sich Gedanken um den möglichen Beitrag der Kirchengemeinden zum Klimaschutz. »Prima Klima in Kirche und Co.« hieß es deshalb am Montag im Evangelischen Gemeindehaus Grünberg.
26. November 2010, 22:58 Uhr

Grünberg (pm). Klimawandel, Photovoltaik, Erdwärme und Denkmalschutz, Ökostrom und Energieträgerwechsel - auch Kirchenvertreter machen sich Gedanken um den möglichen Beitrag der Kirchengemeinden zum Klimaschutz. »Prima Klima in Kirche und Co.« hieß es deshalb am Montag im Evangelischen Gemeindehaus Grünberg. Der Grünberger Dekan Norbert Heide und die Referentin für Gesellschaftliche Verantwortung der Dekanate Grünberg, Hungen und Kirchberg hatten zu einem Informationsabend eingeladen, bei dem es ums Energiesparen in Kirchengebäuden, den möglichen Einsatz von erneuerbaren Energien sowie die Kosten von Investitionen ging.

Ansprechpartner waren Burkhard Müller, Energieberater der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN), und Dipl. Ing. Heike Linke, Bausachgebietsleiterin in der Gießener Regionalverwaltung. »Wie warm ist es eigentlich in der Kirche?« wollte einer der Anwesenden im Gemeindehaus wissen. »So warm wie wir’s machen«, kam die Antwort, die allerdings von der Baufachfrau Heike Linke mit Kopfschütteln bedacht wurde. Auf nicht mehr als 16 Grad dürfen die Kirchen in der EKHN in der kalten Jahreszeit aufgeheizt werden, informierte sie. Das sei nicht nur ein Beitrag zum Energiesparen, sondern auch zum Schutz von Kunstwerken und Orgeln. Aus demselben Grund dürfe die Temperatur in den Kirchen auch nicht unter acht Grad sinken.

Eine Photovoltaikanlage auf dem Kirchendach oder Sonnenkollektoren auf dem denkmalgeschützten Pfarrhaus - auch das gehe gar nicht. Strenge Auflagen der Landeskirche, Denkmalschutzbestimmungen, Sparzwang und Verantwortung für die Schöpfung - lässt sich das unter einen Hut bringen? Anregungen, wie dies zumindest teilweise gelingen kann, hatten Heike Linke und Burkhard Müller mit nach Grünberg gebracht. Nach einem Synodenbeschluss von 2009 will die Evangelische Kirche bis 2015 ihren CO2-Ausstoß um 25 Prozent gegenüber 2005 verringern, erläuterte Müller. Dazu müssten auch die Kirchengemeinden ihren Beitrag leisten. Sehr viel lasse sich bereits ohne große Investitionen über den vernünftigen Umgang mit Elektrizität und Heizenergie erreichen. Schon mit der regelmäßigen Wartung der Heizungsanlagen, einer vernünftigen Steuerung sowie Konzentration der Termine auf bestimmte Wochentage und wenige Räume sorge für spürbare Einspareffekte bei der Heizenergie. Einige Gemeinden hätten die Wintergottesdienste in die Gemeindehäuser verlegt. So lasse sich ebenfalls Energie sparen.

Auch der Stromverbrauch lasse sich durch den Einsatz sparsamerer Geräte, mit Energiesparlampen und abschaltbaren Steckerleisten merklich senken. Den Kirchengemeinden, die vor der Erneuerung ihrer Heizungsanlage stehen, rieten die beiden Experten, über einen Energieträgerwechsel genau nachzudenken. Nicht für jede Gemeinde sei der Wechsel hin zu CO2-neutralen Pellets oder Erdwärme realisierbar. Auch Gas habe einen geringeren CO2-Ausstoß als Öl. Seit beim Gas der Anbieterwechsel möglich sei, lasse sich hiermit Geld sparen. Mittlerweile gebe es sogar klimaneutral-gestelltes Gas. Das heißt, der Anbieter investiert zum Beispiel in Aufforstungsprojekte.

Wer aus guten Gründen beim Öl bleibt, könne hier über den Einbau eines Brennwertkessels Energie und Geld sparen. Gemeinsamer Einkauf von Öl lasse die Kosten weiter sinken. Mittlerweile geht das sogar über das Internet, etwa über www. heizoelpool.de. Auch bei der Dämmung von Gebäuden sollten die Kirchenvorstände zuvor über Kosten und Nutzen nachdenken. Bei einem Gemeindehaus, das in der Woche nur an zwei Tagen genutzt werde, lohne sich der teure Aufwand einer Außenwanddämmung kaum, gab Bauexpertin Linke zu bedenken. Freie Energieberater könnten Kirchengemeinden bei der Optimierung ihrer Energiebilanz beraten.

BeimWechsel auf Ökostrom sei jedoch auf den »richtigen« Ökostrom zu achten, zum Beispiel den mit dem ok-power-Zertifikat (<%LINK auto="true" href="http://www.ok-power.de" text="www.ok-power.de" class="more"%>). Diese Anbieter liefern Ökostrom, der über den gesetzlich bereits vorgeschriebenen Anteil hinaus produziert wird.

Kirchengemeinden, die ihre Energiebilanz verbessern wollen, sollten zunächst herausfinden, wie viel Energie im Verlauf eines Jahres wo verbraucht wird. Mithilfe moderner Software könne so ein Verbrauchs- und Nutzungsprofil erstellt werden, aus dem sich dann die notwendigen Maßnahmen herleiten lassen. Investitionen, die zum Beispiel von Energieberatern empfohlen werden, müssen dann mit der Regionalverwaltung besprochen werden. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Gemeinde neben der regulären Unterstützung der Landeskirche für Investitionen zusätzlich mit Geld aus dem Umweltfonds der EKHN rechnen. Hier stehen jährlich vier Millionen Euro zur Verfügung.



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