22. August 2010, 17:26 Uhr

Festgottesdienst zum Abschied von Pfarrer Stein

Grünberg/Mücke (fp). »Christ zu sein könne man durchaus als Abenteuer bezeichnen, bevor man den richtigen Weg gefunden habe«, sagte Pfarrer Karl-Heinrich Stein im September 2001 bei seiner Amtseinführung in der katholischen Gemeinde Grünberg und Merlau. Nun, nach neun Jahren, trennen sich die Wege.
22. August 2010, 17:26 Uhr
Abschiedsgottesdienst: der scheidende Pfarrer Karl-Heinrich Stein (Mitte) mit seinen Dr. Bernhard Falck und Clemens Matthias Wunderlich (Foto: fp)

Stein übernimmt am 1. Oktober die Gemeinde »St. Elisabeth« in Darmstadt. Am Sonntag wurde er unter großer Beteiligung verabschiedet. Dass Stein viel für die Gemeinde und die Stadt Grünberg bewegt habe, bescheinigten ihm dabei alle Redner.

Im Gottesdienst, den der scheidende Seelsorger mit Clemens Matthias Wunderle, dem Pfarrer von Laubach und Weickartshain, sowie dem ehemaligen Pfarrer von Lich, Dr. Bernhard Falck, gestaltete, sprach Stein von Veränderungen und Visionen. Eine Vision im kirchlichen Miteinander bleibe jedoch immer gleich: die Gemeinschaft mit Gott. In Grünberg habe er durchaus erfahren, was Sehnsucht nach Heimat ist. Gerade Heimat zu geben, bleibe eine Aufgabe der christlichen Kirchen, so Pfarrer Stein weiter. Eine seiner letzten Aufgaben war die Einführung der neuen Messdiener Isabell Bujnicki, Philipp Obermann, Laura Sagorski und Noel Sharif Pour. Umrahmt wurde der Gottesdienst von Brigitte Mey an der Orgel und von Lektorin Maria Becker (Mücke-Merlau).

Bei einem anschließenden Empfang im Pfarrzentrum St. Antonius hieß der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Klaus Reith, eine große Schar von Gästen und Rednern willkommen. Auch die Familie von Pfarrer Stein war zur Verabschiedung erschienen. Umrahmt wurde diese Feier vom Grünberger »Salon Ensemble« mit Margarethe Müller-Hillebrand, Brigitte Mey und Matthias Seim.

Reith verdeutlichte in seiner launigen Rede die Zeit des Ankommens und die Zeit des Abschiednehmens. Mit Stein sei die Zusammenarbeit in den Gremien unkomplizierter geworden. Dafür gab es einen persönlichen Dank. Veränderungen wurden eingeführt mit den Exerzitien im Alltag, dem gemeinsamen Fasten und der gemeinsamen Adventszeit. Mit Stein rückte auch in der katholischen Gemeinde die Ökumene mehr in den Vordergrund. In der Gemeinde wurde 2006 ein Leitbild entwickelt, das nun überarbeitet wird. 2008 fusionierten die Gemeinden aus Mücke und Grünberg zu »Heilig Kreuz« Grünberg/Mücke. Ferner wurde in der Amtszeit von Karl-Heinrich Stein die »Grünberger Klamotte« gegründet. Auch in der Jugendarbeit tat sich etwas, »Klettern mit Pfarrer Stein« war angesagt. Mit dem Hinweis, auch ein Pfarrer müsse mal etwas kürzer treten können, dankte Pfarrgemeinderatsvorsitzender Klaus Reith für die gute Zeit in Grünberg, hob Anerkennung und Wertschätzung der Gemeinde hervor. Als äußere Zeichen überreichte er Geschenke an den scheidenden Seelsorger, zuförderst eine Jakobsstola (dort pilgert der Pfarrer in den nächsten Wochen) und einen Betrag für ein lithurgisches Gewand. »Wir möchten, das Pfarrer Stein in seiner neuen Gemeinde gut aussieht«, so Reith abschließend.

Für die Caritasgruppe überreichte Ruth Strittmatter einen Rucksack mit Flügeln (für den beschwerlichen Jakobsweg) und vielen guten Wünschen an Pfarrer Stein. In der Zeit von Stein sei eine aktive Gruppe entstanden, die heute in der Lage sei, vielen Menschen in Not zu helfen, so Strittmatter. Auch Pastoralreferentin Carola Simon hatte in ihren Dank einen Rucksack mit Erste-Hilfe-Sortiment für Seelsorger eingeschlossen.

Dekan Januarius Mäurer sprach den Dank des gesamten Dekanates aus und spendete abschließend den Pilgersegen an Stein. Für die Merlauer Seniorengruppe übergab Christine Reitz ein kleines Ruhebänkchen aus Holz. Der Vorsteher des evangelischen Dekanates, Norbert Heide, ließ einen Brief verlesen, und für die evangelische Kirchengemeinde Grünberg dankte Pfarrer Hartmut Miethe in einem sehr persönlichen Grußwort für das gemeinsame Miteinander und die vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Ökumene. Als Geschenk überreichte er »vier Kilogramm Buch«. Je ein Kilogramm entfielen dabei auf die evangelische Kirchengemeinde, auf die Stadtmission, die Selbstständige Evangelisch-Lutherische Kirche und die Neuapostolische Kirche. Auch die Ministranten dankten ihrem scheidenden Pfarrer.

Auch Pfarrer werden »geblitzt«

Für die politischen Gremien der Stadt Grünberg rief Bürgermeister Frank Ide die Verdienste von Pfarrer Karl-Heinrich Stein in Erinnerung. Vieles habe er für die Stadt bewegt, meinte Ide und nannte als Beispiel das Labyrinth auf dem Spielplatz, das im Rahmen der 72-Stunden-Aktion der katholischen Jugend entstand. »Ein Pfarrer ist auch ein Mensch«, sagte der Bürgermeister und verriet ein kleines Dienstgeheimnis. Pfarrer Stein habe ihm einmal einen »bösen« Brief geschrieben und sich darüber beschwert, dass er »geblitzt« wurde, den Strafzettel dann aber doch bezahlt.

Für die Gemeinde Mücke dankte der Erste Beigeordnete Wilfried Schwab, der auch gleichzeitig letzter Vorsitzender des einstmals selbstständigen Pfarrgemeinderates in Merlau war. Schwab hob besonders das Jubiläum der Gemeinde mit Kardinal Lehmann sowie die Renovierung der Merlauer Kirche hervor und wünschte Stein eine »glückliche Hand« für Darmstadt.

Für die Schulen gratulierte Gisela Pappstein für die Grundschule am Diebsturm, in die Pfarrer Stein und Miethe eine Schulseelsorge mit Erfolg etabliert haben. Weitere Redner waren Hildegard Haarhoff für die Grundschule Sonnenberg in Stangenrod, Claudia Wolf für die Grundschule Oberes Ohmtal und Herbert Stündl für die Theo-Koch-Schule.

Stein ging »unner die Leut’«

»Wer den Jakobsweg unterbricht, um sich in Grünberg bürsten zu lassen«, der hat schon Gallusmarktgeschichte geschrieben, führten Bürstmeister Gerd Lippert und Vorsitzender Thomas Siek für die Gallusmarktkommission aus. Sie überreichten Stein einen Bildband vom diesjährigen Pfingstfest, bei dem die neue Gallusmarktfahne geweiht wurde. Stein sei ein Seelsorger gewesen, der »unner die Leut ging«, führten beide weiter aus und erzählten die Geschichte vom ersten Frühschoppenbesucher des neuen Pfarrers.

Das Abschlusswort übernahm Pfarrer Karl-Heinrich Stein, der sich tief beeindruckt und bewegt von der Abschiedsfeier zeigte. Weiterziehen müsse man, wenn man noch etwas jünger ist. Er bekomme eine neue Aufgabe, die ihn noch einmal herausfordere. In Grünberg habe er eine Gemeinde erlebt, die sich bewegen lässt, in der miteinander Lösungen für Probleme gefunden werden. Der scheidende Pfarrer dankte für die gemeinsamen neun Jahre. Die Vertretung bis zum Dienstantritt des neuen Seelsorgers Jonas Adam wird von Pfarrer Harald Poggel übernommen, der in dieser Zeit in Grünberg privat wohnt. Somit ist die einstmals angestrebte Vertretungslösung durch Pfarrer der Nachbargemeinden nicht mehr nötig.



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