13. Oktober 2010, 15:14 Uhr

»Erkläre ich den 530. Gallusmarkt für eröffnet!«

Grünberg (tb). Am 31. Januar 1481 gewährte Kaiser Friedrich III. der Stadt »Grunemberg« das Privileg, an St. Calixten einen »gemeinen und freyen Jahrmarkt« abzuhalten - und zwar »für ewig«! Ganz so lang nutzten die Grünberger das Privileg nicht, zumindest was den Termin Calixtus-Tag (13. Oktober) angeht. Der hatte für die Oberhessen keine Bedeutung, wohl aber der Gallus-Tag (16. Oktober), denn an diesem Tag erhielt die Stadt im Jahre 1272 von Landgraf Heinrich I. den ersten »Großen Freiheitsbrief« - was einige »Eigenmächtigkeiten« erlaubte.
13. Oktober 2010, 15:14 Uhr
In Grünberg hat gestern Abend das größte Volksfest der Region Fahrt aufgenommen: Bürgermeister Ide eröffnete vom Rathauserker herab (nun auch ganz offiziell) den 530. Gallusmarkt. Ihm bot sich das immer wieder schöne Bild eines von Laternen, Fackeln und Lampions erleuchteten Marktplatzes. Gut 2000 »kleene Grimmicher« samt Begleitung hatten am Laternenumzug teilgenommen, nicht alle freilich zogen bis zum Rathaus mit. (Fotos: Geck)

Grünberg (tb). Am 31. Januar 1481 gewährte Kaiser Friedrich III. der Stadt »Grunemberg« das Privileg, an St. Calixten einen »gemeinen und freyen Jahrmarkt« abzuhalten - und zwar »für ewig«! Ganz so lang nutzten die Grünberger das Privileg nicht, zumindest was den Termin Calixtus-Tag (13. Oktober) angeht. Der hatte für die Oberhessen keine Bedeutung, wohl aber der Gallus-Tag (16. Oktober), denn an diesem Tag erhielt die Stadt im Jahre 1272 von Landgraf Heinrich I. den ersten »Großen Freiheitsbrief« - was einige »Eigenmächtigkeiten« erlaubte. Calixten hin, Gallus her: Seit 529 Jahren feiern die »Grimmicher« und ihre Gäste in der zweiten Oktoberwoche neun Tage lang. Seit Dienstag, 19.55 Uhr, auch ganz offiziell: »Oberwurzelbürger« Frank Ide sprach vom Rathauserker herab die überlieferten Worte: »Hisst die Marktfahne, läutet die Marktglocke - die Sperrstunde ist aufgehoben, ich erkläre den 530. Gallusmarkt für eröffnet!« Jetzt endlich brachen die »gruße Grimmicher« zum Zug durch die Gemeinde auf.

All dem voraus ging der traditionelle Laternenumzug der »kleenen Grimmicher« mit Zielpunkt Marktplatz. Nach dem Verlesen der Markturkunde durch die TKS-Schüler Hannah Chodura und Irfan Bhatti gab der Bürgermeister seinen »Bericht zur Lage der Stadt«. Seine erste Bilanz der ersten Markttage fiel überaus positiv aus, umfasste die fast 4000 Besucher des Bockbierabends und vor allem eine gelungene Premiere, die viele tausend Menschen in die Altstadt lockte: Gemeint war natürlich der erste »Tag der Retter« im Kreis. Dann aber wandte sich der »Oberwurzelbürger« an die Hauptpersonen des Abends, die Kinder.

»Wenn noch mehr gekommen wären ...«

»Ihr habt das super gemacht, auf eure Laternen könnt ihr alle ganz stolz sein«, rief ihnen Ide vom Rathauserker zu. »Ein tolles Bild bietet sich von hier oben. Wenn aber noch mehr bis auf den Marktplatz gekommen wären, sähe das noch viel besser aus. « Womit Ide einen von Jahr zu Jahr stärkeren Trend ansprach: Viele Zugteilnehmer biegen an der Ecke Londorfer/Theo-Koch-Straße sogleich Richtung Käswies’ ab, wo Rummelplatz und »Mega-Feuerwerk« locken.

»Seit dem letzten Gallusmarkt«, kam Ide nun zur Bilanz, »ist wahnsinnig viel in unserer Stadt und den Stadtteilen passiert. Noch nie waren wir so oft im Fernsehen, wie in diesem Jahr.« Er erinnerte an die »Feuerwehr-Sommerolympiade«, die Aufnahmen zu »Herrliches Hessen«, an »Hessens größte Deutschlandfahne«, die zur WM den Diebsturm verhüllte und es »weltweit in Presse, Rundfunk und Fernsehen schaffte.«

Größte Medienpräsenz aber durch den Tornado

Die größte Medienpräsenz hatte Grünberg jedoch Ende August, als ein Tornado über Reinhardshain und Lumda fegte, dabei fast 100 Häuser beschädigte und ein Schaden von weit über einer Million Euro verursachte. »Dass dabei keine Menschen zu Schaden kamen, grenzt schon fast an ein Wunder.« Der Bürgermeister dankte den Hilfsorganisationen und zahlreichen privaten Helfern. Doch passe der Sturm auch zum Thema »Sicherheit«, meinte Ide, und erwähnte die im Vorjahr getätigten Investitionen in mehr Sicherheit: Hilfeleistungslöschfahrzeug 20/16 für den Stützpunkt, LF 10/6 für Lardenbach/Klein-Eichen, Renovierung Gerätehaus Stangenrod sowie Erweiterung der Unterkunft von Feuerwehr und DRK Queckborn fertig, Anbau an Feuerwehrhaus Weitershain vorangeschritten. Freilich die »größte Investition in die Sicherheit« sei der Neubau der Polizeistation Grünberg.

Eingeweiht wurde auch die neue Mensa der »Schule am Diebsturm« und das neue Haus F an der Theo-Koch-Schule. Zum Thema Schule: An der Grundschule Grünberg und an der Gallusschule gab es einen Generationswechsel: Rainer Maar übergab die Leitung an Anja Peppler, Rektor Armin Ose an Silvia Christen.

In Bälde stehen bei der Kirche personelle Veränderungen an: Pfarrer Stein und Pfarrer Brückmann verlassen Grünberg, bei der katholischen Kirche kommt Jonas Adam. Erwähnung fanden auch zwei neue Grünberger Hoheiten: Madeleine Reifschneider (Queckborn) wird im Wetteraukreis zur bundesweit einzigen Ziegenprinzessin ernannt, die neue Apfelweinkönigin des Landkreises Gießen heißt Heike Sauerbier (Grünberg).

»Viel Geld und viele Nerven gekostet«

Viel Bewegung auch im Bausektor: »Ein großer Moment für Grünberg war der Spatenstich zum neuen Rewe-Markt an der Höfetränke, der in sechs Wochen eröffnen wird. Das alte Postamt wurde abgerissen, bis zum nächsten Gallusmarkt wird dort ein neues modernes Gebäude stehen. Im Industriegebiet werde weiter kräftig gebaut. Die Kanalsanierungen in der Londorfer und Bismarckstraße hätten die Stadt nicht nur viel Geld gekostet - »sondern auch viele Autofahrer einige Wochen Umwege und Nerven.« Ide ging im Weiteren auf die »Abschaltung« der alten Kläranlage Weitershain (Abwasserleitung nach Bernsfeld im Bau), die Sanierung der Mack’schen Teiche sowie auf den Austausch von über 500 Straßenlampen ein - was nicht nur Geld spare, sondern vielen Straßen angenehm gelbes Licht bescherte.

Das Großprojekt »Kita-Erweiterung« schreite voran: »Der Container am »Rondell« ist bereits verschwunden, die Baumaßnahme bald beendet, auch in Reinhardshain dauert es nur noch drei bis vier Wochen, hier sind schon die ersten einjährigen Kinder aufgenommen.« Ebenso die Erweiterung in Lardenbach sei begonnen, werde bis zum nächsten Kindergartenjahr fertig sein.

Das Kinder- und Jugendbüro war mit seinem Team wieder sehr aktiv: Kinderkulturtage, Ferienspiele, »Forest Fun« lauteten hier die Stichworte. Die Stadtbücherei durfte sich über den Hessischen Leseförderpreis freuen. Der Kinder- und Jugendbeirat wurde neu gewählt - » leider fanden sich nicht in allen Stadtteilen interessierte Jugendliche.«

Hessischer Museumspreis nach Grünberg

Mit der Vorstellung von Heike Leise als 30. Marktfrau an Pfingsten eröffnete Ide die Veranstaltungsbilanz: Unter anderem das Musical »Simba« zugunsten der Erdbebenopfer in Haiti, »Grünberg auf der Rolle«, Folk-Festival, »Swinging Grünberg« oder die Musiknacht des TKS-Konzertchores zogen zahlreiche Besucher an. Weniger publikumsträchtig, aber selten: die »Sonnenuhrenfreunde« tagten in Grünberg. Nicht zu vergessen und ein Publikumsrenner: die 700-Jahr-Feier Göbelnrods. Bilanzthema auch: Der Vertrag mit dem Seniorenbüro wurde verlängert - »leider zunächst nur für zwei Jahre«, wie Ide die Entscheidung der Stadtverordneten fasste (er hatte sich bekanntlich fünf Jahre gewünscht, die Red.). Einvernehmen dagegen, was die Beteiligung der Stadt an der Kampagne »Fairer Handels« angeht. Herausragend: »Für das hervorragende Konzept des Museums erhalten wir in drei Wochen den Hessischen Museumspreis 2010. « In Sachen »Städtepartnerschaft« erwähnte der Bürgermeister etwa die trinationale Jugendbegegnung oder die Bürgerbegegnung in Condom.

Schulbasketballer zur WM nach China

Auch im Sport brachte das vergangene »Grünberger Jahr« Erfolge: Die TSV-Basketball-Jugend gewann wieder zahlreiche Titel, die weibliche U 19 wurde Deutscher Vizemeister, die TKS-Basketballerinnen Deutscher Meister und qualifizierten sich für die WM in China. Im Fußball stieg die neue SG Grünberg/Lehnheim/Stangenrod in die A-Klasse auf, steht dort zurzeit auf dem 1. Platz. Die Hessischen Judo-Meisterschaften der Jugend fanden ebenso wie der 23. Aktionstag des Seniorensports in Grünberg statt. Ein Höhepunkt sei auch der »1. Grünberger Triathlon« gewesen. Damit ließ er es bewenden und sprach die traditionellen Worte: »Hisst die Marktfahne...!«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Baubranche
  • Fernsehen
  • Frank Ide
  • Grünberg
  • Jahrmärkte
  • Kaiserinnen und Kaiser
  • Landgräfinnen und Landgrafen
  • Medienpräsenz
  • Nervensystem
  • Seniorensport
  • Tornados
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos