20. August 2015, 17:13 Uhr

Erich Golz erzählt von Kindheit im Böhmerwald

Grünberg (dis). Auf Einladung des Seniorenbeirats der Stadt Grünberg fanden sich rund 20 Besucher im Versammlungsraum des Eine-Welt-Ladens zu einer Lesung mit Erich Golz ein, der aus seinem Buch »Vom Böhmerwald zum Vogelsberg« Erinnerungen an seine Kindheit vortrug.
20. August 2015, 17:13 Uhr
Erich Golz mit Walter Corell und Helga Reuhl. (Foto: dis)

Begrüßt wurden die Gäste von der Vorsitzenden des Vereins »Eine-Welt-Laden, Marianne Renz, sowie dem Vorsitzenden des Seniorenbeirats, Walter Corell.

70. Jahre nach Kriegsendes sind Flucht und Vertreibung immer noch ein Thema für die Betroffenen.Golz wies darauf hin, dass gerade die Bewohner von Grenzgebieten in Kriegen großes Leid erfahren. So sei es nach dem Zweiten Weltkrieg auch den Menschen im Sudetenland ergangen. Der Referent bedauert, dass er seine Aufzeichnungen nicht schon früher begonnen hat, als seine Eltern noch lebten. Den Impuls zur Niederschrift bekam er durch eine Lesung von Dr. Heinz-Lothar Worm, der aus einem seiner Bücher eine Kriegsgeschichte vorlas, in der ein zehnjähriger Junge die Hauptrolle spielte. Durch diese Episode fühlte sich Golz ermuntert, die eigenen Kindheitserinnerungen aufzunotieren. Geholfen haben ihm dabei auch Verbindungen zu Menschen in seinem Heimatort Horschau bei Bischofteinitz, wo er bis zu seinem neunten Lebensjahr unbeschwert aufwuchs. Seine Erzählung beginnt mit dem Jahr 1936, seinem Geburtsjahr. Golz schilderte die verwandtschaftlichen und örtlichen Verhältnisse, das Leben und die Natur in seiner Heimat. Das Ende des Krieges veränderte sein Leben grundlegend. Er schilderte in seinem Buch den Einmasch der Amerikaner und das Zusammenleben mit ihnen.

Die Vertreibung der deutschstämmigen Bevölkerung begann mit dem 6. April 1946. Nach Lageraufenthalten wurde die Bevölkerung mit Zügen in den Westen gebracht. Die Familie Golz kam über Gießen nach Stockhausen. Nach fünf Jahren verließ die Familie den Hof, wo sie beim Bauern mit am Tisch saß und nichts zu sagen hatte, und zog nach Freienseen in ein Haus, das von Heimatvertriebenen neu gebaut worden war. Erich Golz begann eine Lehre bei der Gießener Universitätsdruckerei, der Vater arbeite fortan als Schneider in Grünberg und die Mutter in einer Matratzenfabrik. Später ist Golz dann seinen eigenen Weg gegangen,. Er heiratete und gründete eine Familie. Seine Lesung verband er mit heiteren Anekdoten. Auch Helga Reuhl schilderte sehr lebendig ihre Flucht. Spenden, die bei der Lesung gesammelt wurden, sind für Projekte in Indien und Namibia gedacht. (Foto: dis)

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