23. Februar 2015, 13:53 Uhr

»Das heimliche Leben der Waschbären« in Grünberg

Grünberg (dis). »Niemand weiß genau, wie viele wilde Waschbären in Europa heute leben. Sind es 100 000 – oder eine Million? Die Tendenz ist jedenfalls steigend.« Ein Satz, den auch Bewohner des Gießener Landes bestätigen können – Tendenz steigend.
23. Februar 2015, 13:53 Uhr
Eröffnung der Waschbären-Ausstellung mit den Vertretern der Naturlandstiftung, Ottfried Weber und Gabriele Winter, sowie Bürgermeister Fank Ide (Mitte). (Foto: dis)

Über die ach so süßen, doch oft gehassten Kleinbären und ihr »heimliches Leben« informiert eine Ausstellung der Naturlandstiftung, die soeben in der Halle des Grünberger Rathauses im Beisein von Bürgermeister Frank Ide und interessierter Gäste eröffnet wurde.

Die Schautafeln, eine befasst sich mit oben skizzierter »Erfolgsstory« der Tierart, die erst in den 1930er Jahren nach Deutschland importiert wurde, bringen Licht in das heimliche Leben des Allesfressers, der tagtäglich als »Racker« die Leser unserer Kinderseite grüßt. Nicht minder interessant dürften die Ratschläge über den Umgang mit ihnen sein, sofern sie – nicht selten der Fall – zum »Problembär« werden.

Die aus Nordamerika stammende Art hat hiezulande keine natürlichen Feinde, sodass die Population ständig zugenommen hat. Deren Ursprung wurde 1934 gelegt, als unweit des Edersees, im Waldrevier Asel, zwei Fähen und zwei Rüden ausgewildert wurden. Der Zweck: »Bereicherung der heimischen Fauna«. Eine weitere Kernpopulation entstand 1945 östlich von Berlin, als eine Fliegerbombe 25 Käfiginsassen eines Waschbärzüchters zur Flucht verhalf. Einen weiteren Bestand, so lernt der Ausstellungsbesucher, begründeten US-Soldaten in Frankreich, die Waschbären als Maskottchen mit über den Teich gebracht hatten. Wie Gabriele Winter namens der Naturlandstiftung ausführte, haben sich die Tiere – von Nordhessen aus kommend – auf über 28 000 Stück im Jahr 1970 vermehrt. Der Vorsitzende der Naturlandstiftung, Ottfried Weber, sah hierin ebenfalls eine Belastung, seien die Kleinbären doch Allesfresser: Sie zerstören Gelege von Vögeln, plündern Mülltonnen und richten Schäden an Häusern an. Um die Brutgelege der Vögel zu schützen, so Weber, würden von Vogelschutzgruppen teilweise schon aufwendige und kostenintensive Nistkästen anbringen. Thema waren auch geplante Einschränkungen der Bejagung in der Aufzuchtzeit – ähnlich der Regelung bei Füchsen – aus ethischen Gründen. Bürgermeister Frank Ide nahm den Faden auf: In der Öffentlichkeit werde der Umgang mit Waschbären kontrovers diskutiert, deren Vorkommen stoße nicht immer auf positive Resonanz. Deshalb sei diese Ausstellung eine gute Gelegenheit, sich mit dem Thema intensiver auseinanderzusetzen und sich über den richtigen Umgang mit der Tierart aufklären zu lassen. Angeraten ist etwa, den Kleinbären keine Nahrung anzubieten (Mülltonnen zusperren) und sie erst recht nicht auf den Dachboden »einzuladen« (Aufstieg an Dachrinnen mit Blechringen verhindern).

Die Ausstellung kann noch bis zum
17. März während den Öffnungszeiten des Rathauses besichtigt werden.



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