24. September 2011, 13:05 Uhr

Antike Münzen im Grünberger Museum im Spital

Grünberg (tb). In der Antike wie heute galten Münzen vor allem als eines: als Zahlungsmittel. Über diese rein wirtschaftliche Funktion hinaus dienten antike Münzen aber auch als »multifunktionaler« Bildträger. Nicht nur davon erfährt der Besucher der neuen Ausstellung im Grünberger »Museum im Spital«.
24. September 2011, 13:05 Uhr
Freuen sich über die neue Sonderausstellung im Grünberger Museum (v. l.): Dr. Matthias Recke, Karin Bautz, Dr. Philipp Kobusch. (tb)

Zum einen garantierten sie Wert und Gültigkeit des Zahlungsmittels, zum anderen transportieren sie – oft sehr subtil – politische Aussagen. Vor allem sind antike Münzen originale Kunstwerke von höchster Qualität. Dieser ästhetische Aspekt des Geldes steht im Fokus der Sonderausstellung »Bare Kunst. Meisterwerke im Miniaturformat«, mit der die Antikensammlung der Justus-Liebig-Universität Gießen bereits zum dritten Mal im »Museum im Spital« Grünberg zu Gast ist. Gestern Abend wurde die Ausstellung eröffnet.

Der Besucher darf sich auf 100 Münzen der insgesamt über 4000 Exemplare umfassenden Sammlung der JLU freuen, die meisten aus Gold und Silber. 30 davon werden in brillanten Fotos in vielfacher Vergrößerung gezeigt, erleichtern so den Zugang zu Details, die selbst mit der Lupe nur schwer auszumachen sind. Anhand dreier Themenkomplexe – Stadtembleme, Darstellung von Göttern und Helden und Herrscherporträts – wird die Vielfalt der damals auf Münzen geprägten Szenen und Botschaften vor Augen geführt. Eine kleine Münzkunde ergänzt die Schau.

»Die Erfindung des Münzwesens war eine Revolution«, erklärte Dr. Philipp Kobusch (Uni Gießen) eingangs seines kurzweiligen Einführungsreferats. Fürwahr, erfuhr doch der Handel, zuvor auf dem Tauschprinzip basierend, mit den ersten Prägungen 600 v. Chr. eine grundlegende Veränderung. Ausgehend von der Westküste der heutigen Türkei, verbreitete sich das Münzwesen rasch über den gesamten griechischen Kulturraum. Von Beginn an, so Kobusch, schmückten Bildnisse das Zahlungsmittel. Oft fanden sich darauf die damals »üblichen« Götter. Oft auch mythische Gestalten. Kobusch verwies auf Arethusa, die eine Drachme aus Syrakus schmückte: Der Sage nach verwandelte sich die Nymphe mit Hilfe der Göttin Artemis in eine Quelle (noch heute als Fonte Aretusa in der Altstadt zu sehen ), um sich den Nachstellungen des Halbgotts Alpheios zu entziehen. Oder die sprichwörtliche Eule, die das Geld der Athener zierte. Wie die alten Griechen, so prägten auch bei den Römern meist die Herrscherköpfe das Geld: In Zeiten ohne Massenmedien erfuhr so der kleine Mann zumindest, wie das Haupt seines neuen Kaisers aussieht – etwa das von Octavian. Der Referent zeigte anhand von Bildern auf, welch hohen technischen Standard diese Münzen auszeichnen: Faszinierend etwa, wie fein ziseliert und plastisch die nur 0,7 mm große Haarsträhne der Göttin daherkommt. Losgelöst von den vielfältigen sozio-ökonomischen Bedeutungen, kam auch Dr. Kobusch zum Schluss: »Antike Münzen, das ist einfach nur schöne Kunst.«

Museumsleiterin Karin Bautz hatte zunächst allen Förderern und Helfern gedankt; nicht minder Dr. Matthias Recke, Kustos der Antikensammlung der JLU. Dass er auf weitere Kooperationen setze, betonte er. Zumal ob der Verbindung in die Gallusstadt bzw. zu Gottlieb Welcker; der Grünberger (1784– 1868) wurde 1809 zum Professor der »griechischen Literatur und der Archäologie« an der JLU Gießen ernannt, war am Aufbau der Antikensammlung beteiligt. Bürgermeister Frank Ide freute sich über die bereits 17. Sonderausstellung im Museum. Das Thema »Geld und Finanzen« sei aktueller denn je. »Wenn es sich dann auch noch um griechische Münzen handelt, passt das wie die Faust aufs Auge.« Ulrich Zinn, Vorstand der Sparkasse, deren Stiftung die Ausstellung mit 4000 Euro sponsert (einige Stücke sind auch in der Schalterhalle zu sehen), machte die zahlreichen Gäste schließlich auf ein »Faszinosum« aufmerksam: »Man muss sich nur vorstellen, dass Münzen dieser Art bereits Jesus, Apostel Paulus oder der römische Statthalter Varus in den Händen hielten.«

Geöffnet bis 15. Januar, Infos zu Zeiten, Führungen, museumspädagogischen Angeboten im Netz: Homepage Stadt Grünberg.



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