12. November 2008, 17:40 Uhr

Gedenktafel auf Kirchenvorplatz enthüllt

Fernwald (gl). »Das Grauen fand nicht irgendwo statt«, erinnerte Minister Volker Bouffier am Mittwochvormittag, als er gemeinsam mit Bürgermeister Matthias Klose einen Gedenkstein vor der Steinbacher Kirche enthüllte.
12. November 2008, 17:40 Uhr
An Namen jüdischer Familien, die früher in Steinbach lebten und aus deren Reihen zehn Menschen Opfer des nationalsozialistischen Terrors wurden, erinnert die Gedenktafel vor der Steinbacher Kirche.

Fernwald (gl). »Das Grauen fand nicht irgendwo statt«, erinnerte Minister Volker Bouffier am Mittwochvormittag, als er gemeinsam mit Bürgermeister Matthias Klose einen Gedenkstein vor der Steinbacher Kirche enthüllte. Auf der Bronzetafel sind die Namen von elf gebürtigen Steinbachern niedergeschrieben, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden: Frieda Nemrow, Moses und Hermann Krämer, Emil und Johanna Löwenberg, Sabine Cahn, Paula Rosenthal, Ludwig Katz, Franziska Mayer, Jakob Becker und Berta Winkelstein. Die AZ hatte in ihrer Mittwochsausgabe die Schicksale der Steinbacher - zehn Juden und ein Christ - ausführlicher dargestellt.

»Nur der, an den wir uns nicht erinnern, ist wirklich tot«, forderte Minister Bouffier besonders auch in diesen Tagen um den Jahrestag der Reichspogromnacht zum Innehalten und sich Erinnern auf. Er dankte den Initiatoren - allen voran dem Steinbacher Hanno Müller - für das Engagement zur Errichtung der bronzenen Tafel. Müller hatte sowohl bei Bouffier selbst als auch beim Kirchen- und Gemeindevorstand in Steinbach Unterstützung für sein Ansinnen gefunden, den Steinbacher Opfern des nationalsozialistischen Terrors ein »Denkmal« zu setzen. In seinem Buch »Juden in Steinbach« hatte er - unter Mitarbeit von Friedrich Dammrath - die Schicksale der Menschen erforscht und niedergeschrieben. Der Verkaufserlös wurde nun - ergänzt durch Spenden - für die Errichtung der Gedentafel auf dem neugestalteten Kirchenvorplatz verwendet.

Bürgermeister Matthias Klose betonte, dass die Gemeinde Fernwald gerne einen Beitrag zum Gelingen geleistet hatte. Die auf der Tafel vermerkten Namen stehen schließlich für elf gebürtige Steinbacher, deren Familien einst im dörflichen Leben gut integriert waren - und dennoch wurden sie Opfer des Rassenwahns. »Es ist wichtig, dass das nicht vergessen bleibt. Auch das gehört in unsere Geschichte«, betonte Klose.

»Das ist etwas, worauf wir aufbauen können«, lobte Minister Bouffier das Engagement aus Steinbach, sich der Geschichte, aber auch der Schande des nationalsozialistischen Terrors, zu stellen. Erinnern und mahnen bedeute aber auch, sich für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte einzusetzen, forderte Bouffier auf, Lehren aus der Geschichte zu ziehen.

Obwohl der Termin der Gedenktafel-Enthüllung verhältnismäßig kurzfristig angesetzt worden war, nahmen doch zahlreiche Steinbacher an der Veranstaltung teil, die mit einem Gebet von Pfarrer Ewald Steiner ausklang. Der ein oder andere ältere Teilnehmer mag sich dabei vielleicht auch an Jakob Becker erinnert haben, der 1908 im Haus »An der Kirche« 19 geboren wurde. Er war Epileptiker und lebte schon ab 1936 in der Heil- und Pflegeanstalt in Gießen. 1941 wurde er zunächst nach Weilmünster und dann nach Hadamar verlegt. Dort wurde er in der Gaskammer ermordet. Die anderen auf der Gedenktafel festgehaltenen Namen stehen für Juden, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Steinbach geboren wurden. Viele von ihnen zogen später aus ihrem Geburtsort fort, wurden deportiert und ermordet. (Fotos: gl)

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