26. Dezember 2016, 19:43 Uhr

Flüchtlinge leben seit einem Jahr in Albach

Fernwald (bf). Dieses Treffen im Sportheim des TSV Albach hatte einen besonderen Anlass: Auf den Tag genau vor einem Jahr, am 22. Dezember 2015, wurden die ersten Plätze der Gemeinschaftsunterkunft am Sportplatz in Albach bezogen. Viele der an der vorweihnachtlichen Feier Teilnehmenden gehörten zu diesen ersten Bewohnern.
26. Dezember 2016, 19:43 Uhr
Treffpunkt TSV-Sportheim: Geflüchtete blicken auf das erste Jahr in ihrer Wahlheimat Albach zurück – und mit ihnen die Ehrenamtlichen. (Foto: pv)

Rückblick: Fremd in neuer Umgebung, der Sprache nicht mächtig, ungewiss die Zukunft, unmittelbar vor Weihnachten, Geschäfte geschlossen, Behörden im Feiertagsmodus, Sozialarbeit nicht existent. Begrüßt und ab diesem Tag unterstützt wurden die Geflüchteten seinerzeit von einigen Albacher Bürgern, die sich in den kommenden Wochen als Arbeitskreis »Willkommen in Albach« organisierten. Der erste Jahrestag wurde jetzt zum Anlass genommen, gemeinsam zu feiern. Jürgen Krug, einer der Motoren der Albacher Ehrenamtsarbeit, begrüßte 26 Neumitbürger, 15 in der Ehrenamtsarbeit Aktive sowie Andrea Trippner vom Diakonischen Werk in Gießen, die im Auftrag des Landkreises die Ehrenamtsarbeit koordiniert.

»Es war viel Arbeit, die täglich, kontinuierlich geleistet werden musste. Es hat aber auch viel Freude gemacht und es sind viele Freundschaften entstanden«: Das bilanzierte Jürgen Krug in seiner Rede, in der er die letzten zwölf Monate Revue passieren ließ

Neue Heimat – neue Hoffnung

Krug dankte Hanne Güth für ihre wertvolle und zeitintensive Anschubarbeit in den ersten Monaten und wies auf die gute Zusammenarbeit mit der Diakonie und dem Deutschen Roten Kreuz betonte. »Leider«, so sagte Krug weiter, »wurde das Deutsche Rote Kreuz nach einer Neuausschreibung nicht mit der Fortführung der Sozialarbeit beauftragt. Wir waren sehr zufrieden.«

Der 19-jährige Munib Miakhel aus Afghanistan beispielsweise erinnerte sich an diesem gemeinschaftlichen Abend ebenfalls an jenen 22. Dezember 2015. Er ließ seine Tischnachbarn in einem – für knapp zehn Monate Unterricht – schon ziemlich guten Deutsch, an seinen Gefühlen teilhaben. »Enttäuscht war ich. Die ganze Nacht habe ich nicht geschlafen. ›Ist das jetzt mein Leben?», habe ich mich gefragt. Heute bin ich glücklich. Ich gehe zur Schule, lerne die deutsche Sprache, habe einen Platz für ein Praktikum und kann mit Holz arbeiten.« So wie Munib Miakel sind seine Mitbewohner ebenso auf einem guten Weg. Alle sind in irgendeine integrationsfördernde Maßnahme einbezogen – sei es in der Schule, in Sprachkursen, in Praktika oder in Integrationskursen.

»Es ist bewundernswert, was die Ehrenamtskreise in den Gemeinden des Landkreises Gießen leisten. Beginnend mit dem freundlichen Empfang, dem ständig als-Ansprechpartner-zur-Verfügung-stehen und den vielen Mühen, den Start in ein neues Leben zu erleichtern. Hier wird unheimlich wertvolle Arbeit geleistet«, bescheinigte Andrea Trippner den Ehrenamtlichen und sie fügte noch hinzu: »Das alles läuft vielerorts, wie auch in Albach, völlig entspannt und unaufgeregt«.

Unaufgeregt und entspannt verlief dann auch der Abend bei einem gemeinsamen Essen und vielen guten Gesprächen. (Foto: pm)



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