14. Dezember 2015, 10:23 Uhr

Flüchtlinge kommen nach Fernwald: Diakonie sucht Ehrenamtliche

Fernwald (kjg). In der Informationsveranstaltung der Gemeinde Fernwald und des Landkreises Gießen konnten die über 200 Menschen im Albacher Bürgerhaus erfahren, was es bedeutet, wenn auch bei ihnen Container aufgestellt werden, in die Flüchtlinge einziehen.
14. Dezember 2015, 10:23 Uhr
Großes Interesse: Infoabend im Bürgerhaus Albach mit über 200 Besuchern. (Foto: Karl-Josef Graf)

Landrätin Anita Schneider und Bürgermeister Stefan Bechthold hatten sich vorgenommen, für Information und Transparenz zu sorgen, um der Verbreitung von Gerüchten vorzubeugen.

Bechthold, der die Flüchtlingsfrage als die »größte humanitäre Herausforderung unserer Zeit« bezeichnete, stellte heraus, dass die Unterbringung in kleinen Einheiten erfolgen solle und man auf die Belegung von Bürgerhäusern sowie Sporthallen verzichte, damit das Leben in Sport und Gesellschaft ohne Einschränkungen weitergehen könne.

Nach der Registrierung und medizinischen Untersuchung der Flüchtlinge werden diese entsprechend dem »Königsteiner Schlüssel« (nach Steueraufkommen und Bevölkerungszahl) auf die Bundesländer verteilt. Fünf Prozent der Hessen zugewiesenen Flüchtlinge kommen in den Landkreis Gießen. Die Aufnahme dieser Menschen sei nach dem Landesaufnahmegesetz geregelt und eine gesetzliche Verpflichtung, erläuterte Schneider.

Nach der Erstaufnahmeeinrichtung erfolge die Verteilung auf die Gemeinden. Derzeit seien das im Landkreis Gießen rund 100 Menschen pro Woche. Bis zwei Tage vorher wisse niemand, wer in den Bussen sitze und woher sie kommen. Zurzeit stammten 70 Prozent der Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und dem Iran. Im Landkreis Gießen werde es nur noch kleine Wohneinheiten in Containern geben, betonte die Landrätin. Dies erleichtere die soziale Integration und sei zudem die wirtschaftlichere Lösung, weil die Menschen in den kleinen Einheiten sich selbst versorgen könnten. Während diese Container wie auch die Holzpavillons auf eine Belegungsdauer von zwei bis drei Jahren ausgelegt seien, seien große Einrichtungen wie die Leichtbauhallen mit etwa 200 Personen – solche gibt es in Linden, Buseck und in Lich – nur für ein halbes Jahr gedacht.

Im Landkreis gebe es zurzeit 2800 Flüchtlinge, davon 900 in Privatwohnungen und 600 in den Leichtbauhallen. Die restlichen seien auf 34 Gemeinschaftsunterkünfte verteilt, fuhr Schneider fort.

Die Aufstellung der Container, die für 32 Personen geeignet sind, erfolgt in Abstimmung mit den Gemeinden, zumal die für die Anschlüsse von Strom, Gas und Wasser sorgen müssen. In Albach laufen die Vorbereitungen für die Aufstellung eines Containers. In Steinbach werden im Gewerbegebiet zwei Container aufgestellt werden.

Die Menschen, die nach Deutschland kommen, seien motiviert, Sprache und Lebensweise zu lernen. Sie seien froh, hier zu sein, und bereit etwas zurückzugeben. In den 34 Gemeinschaftsunterkünften habe man bisher gute Erfahrungen gemacht. Es habe keine Störfälle gegeben, sagte Schneider.

Andrea Trippner von der Diakonie Gießen erklärte als Ansprechpartnerin, wie man ehrenamtlich den Flüchtlingen helfen könne. In Steinbach gebe es bereits einen Helferkreis, der die Schutzsuchenden bei Arztbesuchen, Einkäufen, bei der Kontaktaufnahme zu Vereinen und der Suche nach Praktikumsplätzen sowie im Lernen von Sprache und Kultur unterstütze. Einen solchen Kreis wolle sie jetzt auch in Albach gründen.

Interessenten konnten sich am Freitagabend bereits in Listen eintragen, können sich aber auch weiter bei der Gemeinde melden. Aus eigener Erfahrung, so Trippner, könne sie sagen, dass diese ehrenamtliche Arbeit ein Geben und Nehmen, ja eine Bereicherung sei.

Weitere Informationen im Netz unter www.diakonie-giessen.de.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos