19. April 2009, 19:40 Uhr

Alle wollen nur das Beste - das Geld und zwei Bauernhöfe!

Fernwald (siw). »Unverhofft kommt oft« heißt der Schwank in drei Akten von Ingrid Flöth, den die Theatergruppe „Inkognito“ des Gesangvereins „Heiterkeit Annerod« am Samstag im ausverkauften Bürgerhaus zum Besten gab. Dabei ging es um das »Erben und Vererben«.
19. April 2009, 19:40 Uhr
Im Anneröder Bürgerhaus ging es bei der Testamentseröffnung hoch her. »Unverhofft kommt oft« hieß der Schwank, den der Gesangverein »Heiterkeit« aufführte. (Foto: siw)

Tante »Billa« weiß schon lange Bescheid: Sie wollen alle nur ihr Bestes, und zwar ihr Geld und die beiden Bauernhöfe. Die Sippschaft kann es kaum erwarten, das Erbe anzutreten und setzt alle Hebel in Bewegung, um die Übergabe der Höfe möglichst noch auf Tantes 85. Geburtstag unter Dach und Fach zu bringen. Doch die alte Dame macht allen einen Strich durch die Rechnung.

Fleißig geübt hatten die Akteure seit Oktober unter Regie von Daniela Zahrt, die zur Aufführung selbst in die »Flüsterkiste« stieg. Als Maskenbildnerinnen betätigten sich Kerstin Münch, Natalja Völker und Susanne Gudi. Zu dieser Veranstaltung des Fördervereins »Musica 2000« begrüßte Christiane Gerlitz-Weller: »Seid ihr euch noch einig, oder habt ihr schon geteilt?« - diesen Satz habe sie, als »Zugezogene«, erstmals in Annerod gehört. Spätestens am Ende des Theaterstückes wussten alle Besucher, wie er gemeint ist.

Sibilla Auguste Hahnentritt, genannt Tante Billa, ist steinreich, herzensgut und reichlich schlitzohrig. Eine Rolle, die Christel Genzler so richtig auf den Leib geschrieben war. Einen Verehrer hat die betagte Dame in Dr. Julius Knöterich gefunden. Frank Kinzebach mimte gar köstlich den kurzsichtigen, überkorrekten Notar, der die Erbschaftsangelegenheiten der Bäuerin regelte. Stets auf dem Laufenden und in die Pläne eingeweiht war Adele Schmitz, die beste Freundin von Tante Billa. Judith Rauschmair-Hohl, gekonnt auf »alt« getrimmt, erfreute in dieser schrullig-liebenswerten Rolle.

Neffe Theo Bömmel, Sohn des verstorbenen Bruders von Billa, hat doppelten Grund, auf das Erbe zu hoffen. Er hat sich bei der Tante Geld geliehen, um seine Spielschulden zu begleichen. Allzu gerne würde er die Schuldscheine einlösen, von deren Vorhandensein sein angetrautes Weib Berta Bömmel nur zufällig erfährt. Ulrike Bell-Rieper überzeugte als herrschsüchtige und gegenüber Billa scheinheilig-freundliche Gattin des Neffen Theo, der von Dieter Hohl gespielt wurde. Beider Tochter, eine Schickimickimaus mit Flausen im Kopf, gefällt zwar die Aussicht auf ein Luxusleben, aber sie tut sich schwer damit, vor der Tante zu kuschen. Als Helma Bömmel gab Andrea Genzler ihr Debüt auf der Bühne. Die Bäuerin vom Nachbarhof, Thekla Meierhöfer, Nichte von Billa, und auch scharf auf das Erbe, machte ebenfalls einen auf »schön Wetter«, um der alten Dame den Hof abzuluchsen. Der fleißige Ehemann, »bloß eingeheiratet«, hatte unter ihrer Fuchtel nichts zu lachen, sie schlug ihm gar ein »Veilchen«, weil er sich beim Geburtstagskaffee betrunken hatte. Die »schlagkräftige« Nichte spielte Annemarie Wagner, in der Rolle des trottelig, hilfslosen Ehegatten brillierte Dieter Schnabel. Ihm nahm sich Tante Billa an, gab von Erfolg gekrönten Tipps, wie er selbstbewusst und bärenstark auftreten kann. Ebenfalls wohlgesonnen war die alte Dame der Adoptivtochter der Meierhöfers. Klara, die schüchterne und trotz harter Arbeit stets freundliche junge Frau wurde von Wilma Krause verkörpert. Auf sie hatte Johannes Berner ein Auge geworfen. In die Rolle von Hannes, dem Knecht auf dem Hof, schlüpfte Achim Heinicke. Zu guter Letzt entpuppte er sich als unehelicher Sohn von August, dem verstorbenen Bruders von Billa. Dies hatte August seiner Schwester auf dem Sterbebett gebeichtet. Bei der Testamentseröffnung konnte Notar Knöterich Hannes die freudige Überraschung machen, dass er einen der Höfe übertragen bekommt, auf dem er mit Klara und der Tante fortan leben soll. Der andere Hof ging - zunächst für eine Bewährungszeit von fünf Jahren - an den gutmütigen und arbeitswilligen Franz, der aber - so die Bedingung - die drei Bömmels mit aufnehmen muss. Eine Entscheidung, die niemand erwartet hatte und bei der Blutsverwandtschaft wahrlich nicht auf Wohlgefallen stieß.

Das überraschende Ende des Schwanks, vor allem aber die tolle Leistung der Darsteller und das gelungene Bühnenbild waren ganz nach dem Geschmack des Publikums, das mit einem lang anhaltenden Applaus für einen amüsanten Abend dankte.



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