Buseck

Traditionsgeschäft »Mode-Henss« schließt Jahresende

Buseck (law). Stetig sinkt die Zahl der Textilhändler in Deutschland. Zum Jahresende wird auch das Traditionsgeschäft »Mode-Henss« in der Kaiserstraße in Großen-Buseck schließen.
15. November 2012, 21:33 Uhr
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1944 erwarb Henß das Geschäftshaus in der Kaiserstraße. Es folgte der Umzug in das markante Backsteingebäude an der Einfahrt zur jetzigen Grundschule. (Repro: law)

Wilhelm Henß, Großvater von Klaus Henß, der das Geschäft in der dritten Generation führt, hatte den Betrieb im Frühjahr 1932 gegründet. Im Haus Wilhelmstraße 1 bot er hauptsächlich Wäsche, Wolle und Meterwaren an.

Erfahrungen in diesem Metier hatte der Geschäftsgründer zuvor bei der Firma Friedrich Teipel in Gießen sammeln können. Nach Kriegsausbruch führte seine Ehefrau Anna das Geschäft weiter. Im Jahr 1944 erwarb Henß ein Geschäftshaus in der Kaiserstraße. Es folgte der Umzug in das markante Backsteinhaus an der Einfahrt zur jetzigen Grundschule. Jahrzehnte diente das kleine Textilgeschäft der Versorgung der örtlichen Bevölkerung. Kunden kamen auch vermehrt aus den Nachbardörfern zum Einkauf nach Großen-Buseck, sodass 1964 ein neuer Laden mit einer darüber liegenden Wohnung angebaut wurde.

1974 Verkaufsfläche erweitert

1968 übernahm Armin Henß den Betrieb und erweiterte 1974 die Verkaufsfläche durch einen An- und Umbau auf 250 Quadratmeter. Bis zur Geschäftsübergabe an seinen Sohn Klaus 1993 waren die Eheleute Armin und Anneliese Henß ihren Kunden zuverlässige und gute Berater in Sachen Mode.

»Viele Verbraucher sparen an Qualität, der Preis steht immer häufiger im Vordergrund und dies beeinträchtigt den Handel im klassischen Sinne jeden Monat aufs Neue«, erklärte Klaus Henß im Pressegespräch. Der Wettbewerb habe sich rapide gewandelt und der Kauf über das Internet hat einen enormen Zuwachs zu verzeichnen. »Für viele Kunden heißt es schlicht und einfach, dass sie sparen müssen, weil ihr realer Lohn über die Jahre gesunken ist, im Gegenzug aber die Energierechnungen enorm gestiegen sind«, zeigt Klaus Henß Verständnis für dieses Kaufverhalten. »Vor allem kleineren Einzelhändlern in frequenzärmeren Lagen wird es aber zukünftig immer schwerer fallen, existenzsichernde Erträge zu erwirtschaften.«

All diese Punkte führten zu dem kaufmännischen Entschluss, das Geschäft aufzugeben. Bei der Entscheidung habe man es sich nicht leicht gemacht, sie sei nach reiflicher Überlegung »schweren Herzens« gefallen.

Als Unternehmensberater einer süddeutschen Verbundgruppe für mittelständische Mode-Einzelhändler hatte Klaus Henß bereits in den vergangenen Jahren ein zweites berufliches Standbein für sich geschaffen. Diese Tätigkeit wird er weiterhin ausüben. Der Firmenchef und seine Mitarbeiterinnen bedanken sich bei den Stammkunden, die auf die Information über den Totalräumungsverkauf auf vielfältige Weise ihr Bedauern ausgedrückt haben.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/buseck/Buseck-Traditionsgeschaeft-Mode-Henss-schliesst-Jahresende;art84,76098

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