13. August 2010, 17:58 Uhr

Städter gärtnern auf Bauernland in Großen-Buseck

Buseck (dpa). Im Supermarkt einkaufen kann jeder, das eigene Gemüse anbauen nicht. Schon gar nicht Städter ohne eigenen Garten. Auf Bauernland finden sie eine bequemere und flexiblere Alternative zu Schrebergärten - wie bei Landwirt Jürgen Scheld in Großen-Buseck.
13. August 2010, 17:58 Uhr
In Buseck können Städter auf Bauerland gärtnern. Landwirt Jürgen Scheld (links) und Student Fabian Wagenbach stehen mit der Ernte eines Tages auf einem Feld am Rande von Großen-Buseck. Auf einem der Äcker des »Sonnenhofs« bietet der Bauer Saisongräten auf Zeit an. In den einzelnen Parzellen - Scheld hat in diesem Jahr acht reserviert - können Interessierte ihr eigenes Gemüse heranziehen und das Land nach der Ernte wieder abgeben. (Foto: dpa)

Knackfrisch und noch voller Erde sind die zwei Möhren, die Fabian Wagenbach in Händen hält. Es sind die ersten Karotten, die der Student selbst geerntet hat. Er ist Pächter einer kleinen Parzelle Bauernland, auf der er eine Saison lang Gemüsebeete beackert. Immer mehr Landwirte in Hessen bieten insbesondere Städtern solche Gärten auf Zeit an. Nach der Ernte endet der Pachtvertrag. Das Konzept ermöglicht - anders als bei Schrebergärten - Flexibilität und etwas Bequemlichkeit. Denn die Landwirte vermieten die Beete bereits fertig bepflanzt. Die Gärtner kümmern sich nur um Pflege und Ernte.

Auf Wagenbachs Parzelle in Großen-Buseck wachsen mehr als 20 Gemüsesorten und Kräuter: Bohnen, Gurken, Tomaten, Kohl, Radieschen, Schnittlauch, Petersilie. »Das ist ein echter Pluspunkt«, meint der 25-Jährige. Als Privatperson komme man an so viele Setzlinge nicht heran.

160 Euro zahlt der Student pro Saison. Seit Mai betätigt er sich als Hobbygärtner. »Ich bin ökologisch interessiert und lege viel Wert auf regionale und ökologische Produkte«, sagt er. Selber ernten sei da viel günstiger. Außerdem will er wissen, woher das kommt, was er isst. In seinem Fall stammt das Gemüse von einem etwa 75 Quadratmeter großen Flecken Erde in Südlage auf dem Sonnenhof von Bio-Landwirt Jürgen Scheld. Der 46-Jährige hat in diesem Jahr zum ersten Mal Saisongärten angelegt. »Für mich ist es toll, das den Menschen bieten zu können«, sagt er. Denn er liebe es, das eigene Gemüse zu essen: »Es ist ein wahnsinniger Genuss.« Das wolle er auch anderen ermöglichen. Zudem möchte er dazu beitragen, dass der Wert von Lebensmitteln und deren Produktion mehr geschätzt wird.

Bereits vor zehn Jahren liebäugelte Scheld nach eigenen Angaben damit, Gemüsebeete zu vermieten. Damals lernte er das Konzept der Saisongärten auf der hessischen Staatsdomäne Frankenhausen der Universität Kassel kennen. Die Domäne, die vom Kasseler Fachgebiet für ökologischen Land- und Pflanzenbau betrieben wird, bot 1999 zum ersten Mal Parzellen zum Selberernten an, wie Projekt-Leiterin Katharina Mittelstraß erzählt. Damit sei Frankenhausen in Sachen Saisongarten Pionier in Deutschland.

Der wissenschaftliche Leiter des Betriebes, Jürgen Heß, brachte die Idee aus Österreich mit. Stadt und Land sollen wieder näher zusammengebracht werden. Das Interesse an den Beeten ist gestiegen. In diesem Jahr hat Mittelstraß 120 Parzellen vermietet - so viel wie noch nie. Interesse haben insbesondere Familien mit kleinen Kindern. »Eltern wollen ihren Kindern wieder nahe bringen, wie Lebensmittel entstehen.«

Jürgen Scheld ist in diesem Jahr mit acht Parzellen eingestiegen. Neben Fabian Wagenbach gehören auch ein Schornsteinfeger oder Zahnärzte mit Kindern zu seinen Kunden. Einige seien völlige Gartenneulinge. Weil die Beete fertig bepflanzt vermietet werden, sinke die Schwelle, das Gärtnern auszuprobieren, sagt Scheld. Bei Fragen können sich die Anfänger auch an den Profi wenden. Der Landwirt ist für die Saisongärten eine Kooperation mit der Supermarktkette Tegut eingegangen. Das Fuldaer Unternehmen rief im vergangenen Jahr sein Projekt ins Leben, dem sich nach eigenen Angaben bislang elf Landwirte angeschlossen haben.

Schelds Parzellen werfen bislang keine Gewinne ab. »Kostendeckend ist es nicht«, sagt er. Dafür hätten schon mehr Beete vermietet werden müssen. Mit besserer Werbung wäre das auch kein Problem gewesen. Ihm sei es aber in erster Linie wichtig gewesen, etwas Neues auszuprobieren: »Es geht mir um Idealismus, das ist mir das Wichtigste.« Ob er im nächsten Jahr wieder mitmacht, weiß er noch nicht.

Fabian Wagenbach würde gerne weiter gärtnern. Ein bis zwei Stunden pro Woche hat er in den vergangenen Monaten auf seiner Parzelle verbracht. Er jätete Unkraut, vertrieb Schädlinge - alles ohne Chemie natürlich - und wässerte seine Pflanzen. Die Mühe hat sich gelohnt, findet der 25-Jährige. »Das eigene Gemüse schmeckt viel besser.« Von seiner Ernte des Tages will sich der Student nun eine Suppe kochen.

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