21. Juni 2013, 18:28 Uhr

Selbsthilfegruppe für Fibromyalgie-Erkrankte gegründet

Buseck (siw). Fibromyalgie (Faser-Muskel-Schmerz) ist eine chronische, nicht entzündliche bis jetzt noch nicht heilbare Erkrankung. In Beuern wurde nun eine Selbsthilfegruppe gegründet.
21. Juni 2013, 18:28 Uhr
Referentin beim ersten Treffen der Selbsthilfegruppe, die von Claudia Hofmann (Beuern) ins Leben gerufen wurde, war die Vorsitzende des Bundesverbandes Margit Settan (links). (Foto: siw)

Etwa 3,5 Prozent der deutschen Bevölkerung sind betroffen (Frauenanteil 60 Prozent), die Dunkelziffer wird als sehr hoch eingeschätzt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass zur Gründung einer Selbsthilfegruppe auf Einladung von Claudia Hofmann fast 50 Interessierte am Donnerstag ins evangelische Gemeindehaus nach Beuern kamen.

Ebenfalls anwesend war Margit Settan aus Obernburg. Sie ist die Vorsitzende des Bundesverbandes Deutsche Fibromyalgie Vereinigung mit Sitz in Seckach. Unterstützung der neuen Selbsthilfegruppe für den Landkreis Gießen sicherte Monika Schlachter von der Selbsthilfegruppe »Sonnenblume« in Marburg zu.

Das Fibromyalgiesyndrom ist die dritthäufigste Erkrankung, die sich nach den Arthrosen und den degenerativen Wirbelsäulenleiden im Halte- und Bewegungsapparat manifestiert und damit häufiger ist, als die entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Meist tritt dieses Ganzkörper-Schmerzsyndrom in Kombination mit zahlreichen neurovegetativen und funktionellen Störungen auf wie Müdigkeit und Antriebsschwäche, Schlaf-, Konzentrations- und Herzrhythmusstörungen, Morgensteifigkeit, Schwellungen an Händen, Füßen und im Gesicht, Reizdarm, Kopfschmerzen und depressiven Episoden. Über die Entstehung der Krankheit, die bei schweren gesundheitlichen Einschränkungen zur Erwerbsunfähigkeit führen kann, ist bislang wenig bekannt. »Für die Forschung fehlen Gelder, die Pharmaindustrie zeigt kaum Interesse«, bedauerte Settan. Dabei sei Fibromyalgie keine moderne Krankheit, sondern wurde schon im Jahr 900 in China nachgewiesen.

Die Referentin ging umfassend auf das Krankheitsbild und die möglichen Therapien ein. Dem Schmerz folge Erschöpfung, Frustration, Hilfslosigkeit und Trauer. Und das Schlimmste für viele Betroffenen sei das Unverständnis ihrer Mitmenschen. »Man sieht uns die Krankheit ja schließlich nicht an. Da besteht noch viel Aufklärungsbedarf«, stellte die Referentin fest.

In der Selbsthilfegruppe werde die Krankheit ernst genommen, die gegenseitige emotionale Unterstützung gebe Kraft und neues Selbstbewusstsein und helfe, aus der sozialen Isolation zu führen bzw. diese abzuwenden. Die Gruppe sei aber kein Ersatz für eine Behandlung und professionelle Dienstleistungen und sei auch nicht dazu geeignet, in akuten Krisen alleinige Unterstützung zu gewähren. »Akzeptiere die Tatsache, dass das Leben nicht fair ist«, gab Settan den Betroffenen mit auf den Weg. »Nimm die Herausforderung an und mache das Beste daraus.«

Und genau das hat Claudia Hofmann vor. Sie möchte sich mit der Selbsthilfegruppe nicht nur zum Austausch treffen, sondern auch zu gemeinsamen Unternehmungen, vom Eis-Essen bis zum Besuch eines Weihnachtsmarktes sei alles möglich.

Die Selbsthilfegruppe trifft sich jeweils am dritten Donnerstag eines Monats um 18.30 Uhr im Gemeindehaus bei der Beuerner Kirche. Der nächste Termin ist Donnerstag, 18. Juli. Für weitere Informationen steht die Gruppensprecherin unter 0 64 08/50 19 02 zur Verfügung. Ausführliche Infos zum Krankheitsbild und Therapiemöglichkeiten bietet die Homepage des Bundesverbandes unter www.fibromyalgie-fms.de .

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