29. Oktober 2008, 17:22 Uhr

Rebellische Anna von Hessen als Kind ihrer Zeit dargestellt

Buseck (siw). Gut gefüllt war der kleine Saal des Kulturzentrums am Dienstagabend. Das freute besonders Ilse Reinholz-Hein, die im Namen der Gemeindebücherei und des Heimatkundlichen Arbeitskreises Buseck die Gäste zu einer Lesung mit Anja Zimmer begrüßte. Authentisch, gut nachvollziehbar, mit Mimik und Betonung sehr lebendig gestaltet, las die Autorin aus ihrem historischen Roman »Mitternachtsblüten - Das Leben der Anna von Hessen«.
29. Oktober 2008, 17:22 Uhr
Anja Zimmer

Buseck (siw). Gut gefüllt war der kleine Saal des Kulturzentrums am Dienstagabend. Das freute besonders Ilse Reinholz-Hein, die im Namen der Gemeindebücherei und des Heimatkundlichen Arbeitskreises Buseck die Gäste zu einer Lesung mit Anja Zimmer begrüßte. Authentisch, gut nachvollziehbar, mit Mimik und Betonung sehr lebendig gestaltet, las die Autorin aus ihrem historischen Roman »Mitternachtsblüten - Das Leben der Anna von Hessen«.

Sechs Jahre lang hatte sie an diesem Werk gearbeitet, viel Zeit in die Recherchen - vor allen im Adels-Archiv in Marburg - gesteckt. »Ich habe mich bemüht, Anna von Hessen als ein Kind ihrer Zeit dazustellen und nicht als eine Mischung aus Rosa Luxemburg und Angela Merkel«, betonte Zimmer im historischen Gewand.

Gemeinsam mit der Ur-Ur-Ur-Enkelin der Hauptfigur des Romans hatte Anja Zimmer in Laubach die Schulbank gedrückt. Später studierte sie in Gießen Germanistik und Theologie.

Anna von Hessen (1485-1522) war eine lebenslustige, aber auch widerspenstige junge Frau, die im Alter von 15 Jahren mit dem mächtigen Landgrafen Wilhelm II. von Hessen verehelicht wurde. Sie stand im Schatten der verstorbenen ersten Gemahlin des um 17 Jahre älteren Wilhelm, fühlte sich allein auf verlorenem Posten. Sie brachte zwei Töchter (Elisabeth und Magdalena) zur Welt und 1504 den heißersehnten Sohn und Erben Philipp.

Nachdem der Landgraf von einer Lustseuche (Syphilis) befallen wurde, die ihm durch den schrecklichen Verlauf der Krankheit das Regieren unmöglich machte, wurde er »weggeschlossen« und auch Anna der Kontakt zu ihrem Gatten verweigert. Gewaltsam verschaffte sie sich mit Hilfe des Medicus und einigen wenigen Vertrauten Zutritt. Ihnen bot sich ein schreckliches Bild.

Wie die rebellische Anna und ihre Kinder der Vormundschaft durch ihren ärgsten Feind, Ludwig von Boyneburg, entkamen, Anna zarte Bande zum jungen Graf Otto zu Solms von Lich knüpfte und vieles mehr, konnten die Zuhörer erfahren. Derzeit arbeitet Anja Zimmer (sie ist Jahrgang 1968 und wohnt in Lauter) an einem Buch über Friedrich Magnus, der als Wohltäter von Laubach in die Geschichte einging (die dortige Gesamtschule ist nach ihm benannt). Er ist ein Sohn aus Annas zweiter Ehe. »Es handelt sich um ein kleines lokales Thema, welches durch die Reformation in einen großen Kontext gestellt werden kann«, so die Autorin.

»Die Hüterin der Zeit« hieß Zimmers Erstveröffentlichung 1999 unter dem Obertitel »Kreuz und Sonne«. Der zweite Teil, »Das verborgene Volk«, folgte 2002. Auf Reisen durch Irland war sie zu diesen Werken inspiriert worden. Nach »Märchen für mutige Mädchen« hatte die sympathische Autorin als letztes Buch die »Märchen für mutige Menschen« veröffentlicht.

Mit passenden mittelalterlichen Klängen erfreuten in drei Darbietungsblöcken die Leiterin der Musikschule an der IGS Busecker Tal, Britta Lange (Altblockflöte), Cello-Lehrerin Judith Benz und Erwachsenen-Schülerin Christina Schleufe (beide Cello).

In der Pause wurden Kletzenbrot (ein von Heike Bräuning,der Vorsitzenden des Heimatkundlichen Arbeitskreises gebackenes Früchtebrot) und Apfelsaft gereicht. (Foto: siw)



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos