17. Juni 2016, 18:43 Uhr

Mitmachverein führt Oppenröder Bürgerhaus

Buseck (siw). Ein Bürgerverein führt seit Februar 2014 in Oppenrod das Bürgerhaus, in anderen Ortschaften auch Dorfgemeinschaftshaus genannt – und das sehr erfolgreich.
17. Juni 2016, 18:43 Uhr
Bislang klappt es gut mit der bürgerschaftlichen Selbstverwaltung des Oppenröder Bürgerhauses. (Foto: Rüdiger Geis)

Ist das Konzept übertragbar auf andere Dörfer, die keine Wirtshäuser mehr haben, oder für deren Gemeindehäuser sich keine Pächter mehr finden? Die Gießener Allgemeine Zeitung sprach darüber mit Roland Kauer, dem Vorsitzenden des Bürgervereins.

Vor dem Erfolg stand der Schweiß, in diesem Fall ein hartes und zähes Ringen um die Folgenutzung der gemeindeeigenen Immobilie nach der Beendigung des Pachtvertrages durch die letzte Wirtin im Juli 2012. Hat sich die Mühe gelohnt?

Roland Kauer: Auf jeden Fall. Fast 300 Belegungen 2015 sprechen für sich. Das »Aus« für das Bürgerhaus hätte dem dörflichen Miteinander und vor allem dem Ortsvereinsgeschehen immens geschadet.

Bislang ist Ihr Konzept aufgegangen. Ab 1. Juli wird der Verein jedoch nach einer zweijährigen Anlaufhilfe durch die Gemeinde weitere Kosten für den Betrieb des Gebäudes übernehmen müssen.

Kauer: Stimmt. Bisher mussten wir für Reinigung, Strom und Abfall sowie für die Reparatur und Wartung der technischen Einrichtungen aufkommen, ab 1. Juli kommen noch die Kosten für Heizung, Wasser- und Kanal hinzu. Wir rechnen mit jährlichen Gesamtkosten von 5000 bis 6000 Euro.

Ist das zu schaffen?

Kauer: Die Vereinskasse weist ein gewisses Polster auf, das wir dem guten Zuspruch durch die verschiedenen Nutzergruppen verdanken. Der überwiegende Anteil unserer Einnahmen wird aus dem Getränkeverkauf erwirtschaftet. Das müssen wir langfristig stabilisieren, indem wir die vorhandenen Gruppen halten, neue Interessenten gewinnen und weitere Angebote machen. Und natürlich wollen wir einen der Hauptnutzen eines solchen Hauses für die Dorfgemeinschaft wieder mehr in den Vordergrund bringen: Bei uns sind private Feiern möglich für 60 bis 70 Personen.

Woran liegt es, dass das Bürgerhaus für private Zwecke bislang eher selten in Anspruch genommen wird?

Kauer: Zum einen hat es sich noch nicht überall herumgesprochen, dass der Saal nach der Renovierung eine erhebliche Aufwertung erfahren hat. Zum anderen war die Küche bisher nur eingeschränkt nutzbar. Sie befand sich bei der Übernahme in einem desolaten Zustand. In den letzten fünf Monaten haben wir die Küche von Grund auf neu aufgebaut und eingerichtet. Dies geschah komplett in Eigenregie, mit bewundernswertem Einsatz einiger Aktiver, und wurde aus Vereinsmitteln finanziert.

Manche Oppenröder befürworten einen wöchentlichen Kneipenabend. Wie stehen Sie dazu?

Kauer: Das sehe ich skeptisch. Einerseits erwarte ich dann nicht den Zuspruch, den ein monatlicher Kneipenabend hat, anderseits wären die ehrenamtlichen personellen Kapazitäten schnell ausgereizt. Ich persönlich würde es begrüßen, wenn es – und das ist ja ausgemachtes Ziel unserer Vereinssatzung – mehr kulturelle Veranstaltungen mit Musikdarbietungen, Kleinkunst oder auch Vorträgen gäbe. Jeder hat hier die Chance, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Wir verstehen uns als Plattform, aber nicht als diejenigen, die alles durchorganisieren.

Ist Ihr Konzept eines Bürgervereins auf andere Ortschaften übertragbar?

Kauer: Je kleiner der Ort, umso besser wird es umzusetzen sein. Mit Vertretern aus Bersrod hatte ich diesbezüglich ein sehr interessantes Gespräch. Erste Voraussetzung ist das Vorhandensein einer passenden Immobilie. Wichtig sind Menschen, die hinter dem Konzept stehen und es ehrenamtlich mittragen. Unabdingbar ist die Unterstützung der örtlichen Politik. Wir konnten den Zweiflern in Buseck zeigen, dass unser Konzept trägt. Klar, es müssen sich einige den Hut aufsetzen und das ganze Tun anleiern. Aber: Nur eine Handvoll Leute und der Vorstand können dies allein auf Dauer keinesfalls stemmen. Der Verein ist ein Mitmachverein in jeder Beziehung!

Wo sehen Sie den Bürgerverein Oppenrod in zehn Jahren?

Kauer: Wenn das Interesse schwindet, wenn das Bürgerhaus finanziell nicht zu halten ist, dann müssen auch wir zumachen. Wir können als gemeinnütziger Bürgerverein auch ohne Bürgerhaus tätig sein. Aber das Bürgerhaus als Immobilie für die Dorfgemeinschaft können sich die Bürger nur selbst erhalten, indem sie es nutzen. Für Oppenrod bin ich da sehr zuversichtlich.



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