14. Januar 2011, 16:20 Uhr

Mit Kraft und Ausdauer seit 100 Jahren für Bürger in Großen-Buseck aktiv

Buseck (dob). Zu einem glanzvollen Festabend geriet der Neujahrsempfang des SPD-Ortsbezirks Großen-Buseck im Kulturzentrum, denn der war diesmal verbunden mit einem Festakt zum 100-jährigen Bestehen dieser untersten Parteigliederung vor Ort.
14. Januar 2011, 16:20 Uhr
Dr. Angela Stender

Buseck (dob). Zu einem glanzvollen Festabend geriet der Neujahrsempfang des SPD-Ortsbezirks Großen-Buseck im Kulturzentrum, denn der war diesmal verbunden mit einem Festakt zum 100-jährigen Bestehen dieser untersten Parteigliederung vor Ort.

Viel Prominenz hatte sich eingefunden, unter ihnen die SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Ypsilanti, Landrätin Anita Schneider, Bürgermeister Erhard Reinl und auch viele Vertreter anderer politischer Parteien und Gruppierungen, Vertreter der Kirchengemeinden und der Ortsvereine.

In allen Ansprachen wurde das unermüdliche ehrenamtliche und politische Engagement der Großen-Busecker Sozialdemokraten über ein ganzes Jahrhundert hinweg - oft unter schwierigsten Umständen, oft auch unter Gefahr für Leib und Leben, immer aber auch unbeirrt streitbar - gewürdigt.- gewürdigt.

Über 200 Gäste waren der Einladung gefolgt, und das überraschte sogar die Gastgeber, denn politische Veranstaltungen sind gemeinhin nicht gerade Publikumsrenner. Höhepunkt des Abends war zweifellos die Verleihung der Willy-Brandt-Medaille an den Ortsbezirksvorsitzenden Erich Hof. Es ist die höchste Auszeichnung, die von der deutschen Sozialdemokratie vergeben wird (siehe separaten Bericht auf dieser Seite).

»Bloße Lippenbekenntnisse von Bundeskanzlerin Merkel helfen nicht weiter!« Mit diesen Worten machte Landrätin Anita Schneider auf die besorgniserregende finanzielle Situation der Kommunen aufmerksam, die auch den Landkreis Gießen vor eine Zerreißprobe stellten, »derweil sich Bund und Land der Verantwortung entziehen«. Damit stehe die kommunale Selbstverwaltung auf dem Prüfstand, werde aber auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wichtiger und komplexer.

Die alte Forderung des Parteivorsitzenden Willy Brandt »Mehr Demokratie wagen« sei aktueller denn je, und deshalb brauche die Politik wieder mehr Bürgerbeteiligung. »Die Nähe zum Menschen ist die Stärke der SPD und diese Stärke sollte sie auch nutzen.«

Ein besonderer Gruß von Moderator Christopher Saal galt Ewald Pfeiffer, der seit 55 Jahren der SPD angehört und damit als an Mitgliedsjahren treuester Genosse an der Festveranstaltung teilnahm. Zuvor hatten Sänger aus Großen-Buseck und Gäste mit dem Lied »Wenn wir schreiten Seit an Seit« den Festakt eröffnet.

Der wurde dann bestimmt durch den Festvortrag der Historikerin und Politologin Dr. Angela Stender aus Oppenrod mit dem Titel »100 Jahre SPD Großen-Buseck«. Sie streifte zunächst allgemein die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung und schilderte dann detailliert die »guten und schlechten Zeiten« der SPD und ihrer Vorläufer »Volksverein« oder »Arbeiterverein«. (die »Gießener Allgemeine Zeitung berichtete ausführlich in der Ausgabe vom 8.Januar 2011). Sie stützte sich dabei auf nur wenige Unterlagen, viele Informationen wurden erst in jüngster Zeit gesammelt und von der Historikerin verarbeitet.

Ihr Vortrag wurde immer wieder von Beifall unterbrochen. Mit Zitaten belegte sie auch, wie »hautnah« ihre Nachforschungen nach so langer Zeit schließlich doch noch verlaufen waren.

Einen »Sprung in die kritische Gegenwart« wagte die SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Ypsilanti, bei den Großen-Busecker Genossen nicht nur gerne, sondern immer auch hoch angesehen. Sie erinnerte an das Engagement der Gründerväter für den sozialen Frieden und daran, dass dieser gefährdet sei und damit auch die Demokratie in Deutschland. Hier Lücken zu schließen, sei Aufgabe der Politik, aber auch der Bürger. Ein Rückzug sei die falsche Antwort auf Versäumnisse der Vergangenheit.

»Ehrenamt kein Ersatz für den Staat«

Finanzielle Ressourcen seien nicht mehr vorhanden, Frust breite sich aus. »Wir brauchen das Ehrenamt dringend, es ist aber kein Ersatz für das, was der Staat nicht mehr leisten kann oder will«, so Ypsilanti. »Wo bleibt der Aufschrei?«, frage sie sich nach Steuerbetrügereien, Bankenpleiten und Bürgschaften für den maroden Bankensektor, »alles zulasten des Volkes«.

Jetzt, wo wieder »dicke Gewinne eingefahren« würden, müsse auch die Politik neu gestaltet und wieder in die Hände des Volkes gelegt werden. Das gelte in besonderer Weise für die Kommunen. »Was wir brauchen, gehört nicht in private Hände, sondern zur allgemeinen Daseinsvorsorge«. An deren Gestaltung müssten sich auch junge Menschen wieder mehr beteiligen.

Glückwünsche der Busecker Gemeindegremien überbrachte Bürgermeister Erhard Reinl. Er dankte dem SPD-Ortsbezirk Großen-Buseck für die »Kraft und Ausdauer«, mit der sich seine Mitglieder für »das Wohl der Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde vor Augen«, eingesetzt hätten. Auch in schwierigen Zeiten wie vor und nach den beiden Weltkriegen und während der Verfolgungen durch das Nazi-Regime.

»Heute gilt es auch all derer zu gedenken, die ihr Leben lassen mussten für ihre Einstellung, ihren Idealismus und auch dafür, dass sie anderen Menschen, auch anderen Glaubens, geholfen haben. Wir können nur hoffen, dass wir solche Zeiten nie mehr erleben werden. Daran müssen wir stets gemeinsam arbeiten.« Die SPD habe die Demokratie in diesem Land entscheidend mitgeprägt, und dazu trage auch der SPD-Ortsbezirk Großen-Buseck erheblich bei. Reinl wünschte sich weiterhin eine gute Zusammenarbeit, die immer ausgerichtet sei auf das Wohl der Gemeinde - auch bei unterschiedlichen Meinungen.

Der Redebeitrag des Busecker SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Norbert Weigelt war hauptsächlich Erich Hof und dessen Ehefrau Marianne gewidmet. Kritisch setzte er sich aber auch mit dem Zustand seiner Partei auseinander. »Mir wird mulmig, wenn ich sehe, dass das Interesse an der ehrenamtlichen Parteiarbeit insgesamt nachgelassen hat und sich nicht mehr genug Menschen finden, die sich in ihrer unmittelbaren Umgebung, in ihrer Kommune, politisch einbringen. Es sei aber auch ein Skandal an sich, dass immer mehr Menschen sich nicht mehr aus eigenen finanziellen Mitteln satt essen könnten. Es sei ein Skandal, dass es die »Tafeln« überhaupt erst geben müsse - in solch einem reichen Land wie Deutschland.

Neben solchen sozialkritischen Worten hatte Weigelt ein musikalisches »Geschenk« mitgebracht: Veronica Scholz. Sie erwies sich mit ihren Beiträgen in Wort und Gesang als geistreiche satirische Künstlerin (»Die Stechmücke«) und bekam dafür verdienten, reichlichen Beifall.

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