03. Juni 2016, 20:13 Uhr

Im Rausch durch den Kreis?

Gießen (sha). In Buseck findet die Polizei in einer Wohnung kiloweise Cannabis. In Heuchelheim wird ein ganzer Lkw mit Khat sichergestellt, und in Harbach leiten die Beamten gegen 16 Gäste einer Goa-Fete Ermittlungsverfahren wegen Drogenbesitzes und -handels ein. Ist das »normal« oder der Landkreis statistisch auffällig?
03. Juni 2016, 20:13 Uhr
(Foto: Red)

Am Ostersonntag meldet ein Zeuge der Polizei, dass einige Gäste einer Feier in der Harbacher Grillhütte unter Drogen stünden. Als die Polizei mit mehreren Streifen anrückt, kann sie unter anderem Marihuana, Amphetamin, Ecstasy und Crystal Meth beschlagnahmen. Gegen 16 Personen aus mehreren Bundesländern werden Ermittlungsverfahren wegen Drogenbesitzes und -handels eingeleitet. Die Party ist beendet.

Etwa seit dem Jahr 2000 gebe es im Landkreis vereinzelt immer wieder solche Partys – Goa-Feten – bei denen die Teilnehmer für ein Wochenende zu elektronischer Musik tanzten, erklärt Jörg Reinemer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen, im Gespräch mit der GAZ. Die Gäste kämen aus fast dem gesamten Bundesgebiet, Treffpunkte seien bevorzugt abgelegene Hütten. Die würden meist für eine private (Geburtstags-)Feier angemietet. Im Vorfeld sei daher gar nicht erkennbar, dass eine große Techno-Fete geplant sei. Falls die Hütte wirklich weit außerhalb liege und Anwohner nicht durch Lärm gestört würden, bekäme die Polizei manchmal gar nichts von diesen Veranstaltungen mit. Denn: Die potenziellen Goa-Feten-Besucher versuchten, »intern zu kommunizieren«. Als Motiv dafür nimmt Reinemer den möglichen Drogenkonsum an. Gleichwohl betont der Polizist, das Partykonzept – Tanzen zu Technomusik, so weit außerhalb, dass niemand durch Lärm belästigt würde – sei nicht zu beanstanden. Nur bei illegalen Drogen höre die Toleranz auf.

Von einem »ungerechtfertigten Generalverdacht« spricht hingegen Marc-Oliver Albrecht – besser bekannt als »Goamoa«. Der 42-jährige Münzenberger organisiert seit 1997 in ganz Mittelhessen »Elektro-Partys«. Auch die zu Ostern in Harbach. »Viele setzen Techno mit Drogen gleich«, beklagt der gelernte Kfz-Mechaniker. Dabei stimme das überhaupt nicht. Drogen würden leider überall konsumiert, auch in vielen Clubs. Dort würden oft sogar Türsteher den Stoff verkaufen. Weder er noch die meisten seiner Gäste hätten etwas mit Drogen zu tun. Wenn aber jemand am Rande der Fete Rauschgift nehme, könne er das genauso schwer verhindern wie irgendein Clubbesitzer auch. »Meine Droge ist die Musik«, betont der Wetterauer gegenüber dieser Zeitung. Er brauche sich deshalb auch nicht zu verstecken und seine Partys schon gar nicht. Infos gebe es unter www.facebook.com/goamoa

Auch abseits von Partys beschlagnahmt die Polizei im Landkreis Drogen: Ende vergangenen Jahres konnten in einem Heuchelheimer Gewerbegebiet Drogenschmuggler mit einer Lkw-Ladung der Droge Khat und in Buseck eine Lieferung Amphetamin aus Holland sowie mehrere Kilo Cannabis in einer Wohnung sichergestellt werden (wir berichteten). Wie ist die Situation generell einzuschätzen? »Wer will, kann im kleinsten Kaff an Drogen gelangen.« Eine Aussage, die alarmierend klingt. Aber nur im ersten Moment. Reinemer unterstreicht, dass der Landkreis hinsichtlich der festgestellten Drogenkriminalität »nicht auffällig ist«. In den vergangenen zehn Jahren schwankte die Zahl der jährlich erfassten Delikte zwischen 150 und 300. Den größten Anteil bilde dabei der Besitz von Rauschgift. Mit deutlichem Abstand folgten Einfuhr und Handel mit Drogen.

Warum die Schwankungen? Laut Reinemer liegt das an »Großverfahren«. Werde in einem Jahr gegen einen Großdealer ermittelt, würden auch etliche Kleindealer und Konsumenten auffliegen. Ansonsten fielen Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz meist nur bei stichprobenartigen Kontrollen auf. Dabei stellten die Ermittler im Kreisgebiet vor allem Cannabis und Amphetamin fest.

Die Menschen seien heute mobiler, erklärt Reinemer. Wer auf dem Dorf lebe, sei trotzdem überall unterwegs und knüpfe Kontakte, die sich über soziale Medien weiter ausdehnten. Diese Netzwerke könnten auch Drogenkonsumenten und -händler nutzen.

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