07. Mai 2015, 17:33 Uhr

Ein Freiherr im Stein: Schülerinnen kreieren Gedenkplakat

Buseck (rüg). Ein Denkmal war im wahrsten Sinne des Wortes Stein des Anstoßes: Die beiden 13-jährigen LLG-Schülerinnen Michelle Wollersheim und Chiara Reuther forschten für eine Projektarbeit im Ethikunterricht über Ferdinand von Nordeck zur Rabenau, den Besitzer des Busecker Schlosses, an den ein Gedenkstein erinnert.
07. Mai 2015, 17:33 Uhr
Gedenkplakat am Denkmal für Ferdinand von Nordeck zur Rabenau (von links): Michelle Wollersheim, Bürgermeister Erhard Reinl, Lehrer Thorsten Rohde und Chiara Reuther. (Foto: Rüdiger Geis)

Mit Erfolg geforscht, denn beim Wettbewerb der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung gab es dafür einen zweiten Preis. Eigentlich sollten sich die beiden mit einem religiösen Thema beschäftigen. Aber der Wettbewerb gab auch andere Themen her, etwa »Denkmäler«. Als Großen-Buseckerinnen wussten die beiden natürlich ein bisschen über den Schlosspark Bescheid und auch, dass dort besagter Gedenkstein zu finden ist. »Aber wer ist der ältere Herr mit dem dichten Vollbart?«, war die Frage.

Ein Besuch im Schloss bei Bürgermeister Erhard Reinl brachte erste Erkenntnisse über die Geschichte der Adelsfamilie von Nordeck zur Rabenau. Weitere Informationen holten sich die beiden Schülerinnen aus dem Internet. Die Ergebnisse ihrer Recherchen fassten sie dann auf einem Multimediaplakat zusammen, dass sie gestern im Beisein ihres Ethiklehrers Thorsten Rohde dem Bürgermeister übergaben. »Das ist eine echte Fleißarbeit. Für mich ist das der erste Preis«, lobte Reinl das Ergebnis, das fortan gut sichtbar im Schloss seinen Platz finden soll.

Ferdinand Karl Joseph Leopold von Nordeck zur Rabenau wurde am 18. Mai 1837 in Darmstadt als Sohn des Generals Friedrich Freiherr von Nordeck zur Rabenau und dessen Frau Ernestine Therese Leopoldine geboren. Er war katholisch und heiratete 1876 in Wojkau Friederike Auguste (Augustine) geborene Freiin von Riese-Stallburg.

Einladung in Buckingham-Palast

Das Ehepaar hatte sechs Kinder. Das letzte Glied der Familie, Evamaria (Maja) Augusta Charlotta Anita Freiin von Nordeck zur Rabenau (1913-1985) war Tänzerin in Berlin und Erbin des Busecker Schlosses, das sie 1971 an das Land Hessen verkaufte. Das mittlerweile sehr marode Schloss sollte eigentlich abgerissen werden, doch entschied sich die neue Großgemeinde Buseck Ende der 70er Jahre, das Gebäude mit seinem großen Park zu kaufen und zum Sitz der Verwaltung zu machen, erfuhren die beiden Schülerinnen von Bürgermeister Reinl.

Ferdinand von Nordeck zur Rabenau trat 1855 dem Hessen-Darmstädtischen Militär (dem Regiment Chevauxleger) bei und wurde im Dezember 1855 Leutnant, 1860 Oberleutnant und nahm im November 1867 Abschied als Rittmeister à la suite (berechtigt zum Tragen einer Regimentsuniform, aber ohne dienstliche Stellung). 1870/71 nahm er am Deutsch-Französischen Krieg teil und war zuletzt 1884 Oberstleutnant à la suite.

1873 wurde er zum Kammerherrn des Großherzogs von Hessen ernannt, den er auf dessen Reisen zu den europäischen Höfen begleitete. So fanden sich im Familienarchiv Einladungskarten in den Buckingham-Palast oder an den Königspalast in Brüssel.

Ebenfalls 1873 wurde er durch Erbteilungsvertrag Herr auf Schloss Großen-Buseck, 1878 Leiter des Hofmarstalls. 1881 erhielt er den Titel eines Großherzoglichen Oberstallmeisters. Von 1887 bis 1892 war er gewählter Abgeordneter der ersten Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen. In den Landständen vertrat er den grundherrlichen Adel.

Überliefert ist von ihm die Anekdote, dass er einen wildfremden Herrn aus München, der ihm Bittbriefe schrieb, finanziell unterstützte. Der Fremde hieß zwar auch von Nordeck zur Rabenau, hatte aber mit der hiesigen Familie nichts zu tun.

Ferdinand starb am 23. November 1892 bei einer Hofjagd bei Gernsheim am Rhein an einem Herzschlag. Neben dem Gedenkstein erinnert auch ein großes Porträt im Treppenhaus des Busecker Schlosses an ihn.

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