30. April 2012, 17:08 Uhr

Busecker FW-Fraktionschef Krämer legt Mandate nieder

Buseck (rüg). »Mit sofortiger Wirkung trete ich von allen politischen Mandaten zurück«, schrieb Stefan Krämer in einer überraschenden Pressemitteilung am Sonntag. Krämer legte sowohl den Fraktionsvorsitz der Freien Wähler nieder wie auch seine Mandate als Gemeindevertreter und als Ortsbeiratsmitglied.
30. April 2012, 17:08 Uhr
S. Krämer

Neben mancher Entscheidung der Vergangenheit, die er nur mit Bauchschmerzen mitgetragen habe, war der letzte Anstoß zu dieser Entscheidung die Weigerung des FW-Vorstands, ihn als Bürgermeisterkandidaten der Freien Wähler für die Wahl 2015 zu befürworten.

Krämer ist seit zwölf Jahren für die Freien Wähler in Buseck aktiv, zunächst als Ortsbeiratsmitglied, dann als Mandatsträger in der Gemeindevertretung. Hier war er einer der Stellvertreter des Fraktionsvorsitzenden Alexander Zippel, dessen Amt er vor knapp einem Jahr übernahm.

Stefan Krämers zunächst offiziell nicht bestätigte Absicht, für die FW 2015 als Bürgermeisterkandidat ins Rennen zu gehen, war im vergangenen Jahr von Anette Henkel (SPD) öffentlich gemacht worden, nachdem sie im Zug der Ortsbeiratswahl in Beuern eigene Ambitionen auf das Amt bekundet hatte und in einer Mail auch Krämer als Kandidaten genannt hatte.

Im Gespräch mit der GAZ erklärte Krämer gestern, er habe den Vorstand gebeten, ein Votum abzugeben, da für ihn eine berufliche Veränderung anstehen würde. Krämer ist Niederlassungsleiter im Reifengroßhandel in Frankfurt. Auf eine neue Position hätte er zugunsten einer Kandidatur für die Freien Wähler verzichtet. Daher habe er den Vorstand gebeten, schon jetzt »die Stimmungslage« zu klären. Die Wahl des Nachfolgers von Erhard Reinl (ebenfalls FW) steht 2015 auf der Tagesordnung.

Diese geforderte Entscheidung sei negativ ausgefallen, so der 44-Jährige, der selbst an der Vorstandssitzung am vergangenen Donnerstag nicht teilnahm. Das sei aber letztlich nur der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe, »aber nicht der einzige Grund«, erklärte Krämer. »Es fehlt der politische Wille zur Umkehr. Wir geben Geld aus, das wir nicht haben. Ich sehe keine Möglichkeit mehr, da etwas zu ändern.«

Kritikpunkte des Beuerners sind vorwiegend haushaltspolitischer Natur. Es gebe einen Konflikt zwischen ihm und den anderen Gemeindevertretern bezüglich diverser hoher Ausgaben trotz defizitären Haushalts: Beim Breitbandausbau sei der Gemeindeanteil von einer Million Euro derzeit nicht machbar. Ähnliche Problempunkte sieht Krämer in einer möglichen Sanierung des Brandsburg-Areals mit Gemeindemitteln, die Umgestaltung des Freibads und des Thal’schen Rathauses in Großen-Buseck. Krämer hatte in der Vergangenheit angesichts der finanziellen Situation der Gemeinde schon gegen das neue Feuerwehrgerätehaus in Großen-Buseck, die Schlossteich-Sanierung oder auch gegen den Haushalt gestimmt.

»Wirkliche Umkehr nicht gewünscht«

»In der Politik im Allgemeinen, und besonders in der Busecker Kommunalpolitik ist eine wirkliche Umkehr nicht gewünscht. Eine klare Meinung wird wegen der Rücksicht auf Wählerstimmen nicht vertreten. Bloß keine Stellung beziehen damit man nicht angreifbar ist. Dies ist nicht mein politischer Stil. Leider musste ich aber feststellen, dass auch bei den Freien Wähler in Buseck kein Wille zur Umkehr vorhanden ist. Nachdem mir bei einer internen Abstimmung klar gemacht wurde, dass mein Stil nicht mit dem Stil der FW Buseck deckungsgleich ist, sehe ich keine Möglichkeit mehr, meine politische Arbeit in Buseck fortzusetzen«, so seine Einschätzung.

Krämer lobte die bisherige Zusammenarbeit mit der SPD, die »viel angenehmer« als mit dem vorherigen Koalitionspartner CDU gewesen sei. Mitglied der Freien Wähler will er weiterhin bleiben, politische Aktivitäten in einer anderen Partei könne er sich nicht vorstellen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Willy Jost sagte auf Anfrage der GAZ, die Kooperation mit den Freien Wählern sei hervorragend. Es sei schade, dass Krämer sich nun zurückziehe, sachlich und persönlich habe man sich gut verstanden. Das gelte aber auch für die anderen Mitglieder der FW-Fraktion, so dass sich an der inhaltlichen Zusammenarbeit nicht ändern werde.

Als nächste Problempunkte, die SPD und FW angehen müssten, nannte Jost den Haushalt 2013, dessen Rahmendaten im Frühsommer erörtert würden. Des weiteren die Breitbandverkabelung zunächst für Oppenrod, die aber keine eigentliche Aufgabe der Kommune sei, das Freibad (hier müsse spätestens im nächsten Jahr eine Entscheidung fallen) und die Brandsburgscheune. Bei dieser sehe er, Jost, jedoch in diesem und im nächsten Jahr eher keine Ausgaben der Gemeinde. Hier müsse man zunächst einmal abwarten, welche Vorschläge von den Alten-Busecker Bürgern kämen.

Die Freien Wähler in Buseck wollten gestern noch keine Stellungnahme zu Krämers Rücktritt abgeben. Vorsitzender Dr. Dietmar Schmidt kündigte an, dass man im Laufe der Woche eine Erklärung dazu veröffentliche.

Schlagworte in diesem Artikel

  • CDU
  • Freie Wähler
  • Haushaltspolitik
  • SPD
  • Stefan Krämer
  • Wählerstimmen
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos